Schach um sechshundert Millionen: Ein Schuss, ein König fällt in Caracas
Man nehme einen Präsidenten, der in seinem eigenen Hause nicht mehr sicher sitzt, einen Schützen, der zwischen den Champagnergläsern seine Visierlinie zieht, und einen Kartellfürsten, der irgendwo unter Seilen und Beton verschwindet, während die Telefone klingeln und sechshundertzwanzig Millionen Dollar über Tische wandern, die niemand sehen darf. So liest sich das Drehbuch dieser Woche — nicht als Drehbuch zwar, sondern als Nachricht, was bekanntlich dasselbe ist, nur mit weniger Glanz auf dem Papier.
Beginnen wir im Rosengarten, denn dort, wo die Hecken geschnitten werden, hat man schon immer die unsauberen Geschäfte verborgen. Beim Korrespondentendinner, jener alljährlichen Inszenierung, in der die Vierte Macht der Vierten Macht applaudiert, fielen Schüsse. Schüsse, verstehen Sie, nicht Sätze, nicht Pointen, nicht das übliche Bleigießen der Rhetorik. Metall, das seine Bahn sucht. Ein weiterer Versuch, jenen Mann zu treffen, der die Kugel magnetisch anzuziehen scheint wie einst die Präsidenten vor ihm — nur dass die Frequenz der Versuche inzwischen jene Schwelle überschritten hat, die früher einmal als Zufall galt.
Man erinnere sich. Ein Attentat hier, ein Attentat dort. Quellen sprechen, wie Quellen es immer tun, vage und doch unerbittlich, von früheren Versuchen, von Beinahe-Erfolgen, von Augenblicken, in denen ein Finger am Abzug zitterte oder das Wetter nicht mitspielte. Die Quellen sagen nicht alles, das versteht sich. Die Quellen sagen nie alles, sonst wären sie keine Quellen, sondern Zeugen, und Zeugen werden zermahlen zwischen den Mühlsteinen der Zuständigkeit.
Aber es sind nicht die Kugeln, die mich interessieren. Es sind die Kabel, die im Hintergrund gezogen werden, während die Kameras auf den Saal gerichtet sind. Donald Trump — so berichten es die Depeschen, die zwischen den Hubschrauberlandungen auf den Schreibtischen landen — soll persönlich den Tod des Chefs des venezolanischen Kartells Tren de Aragua angeordnet haben. Amerikanische Soldaten, heißt es, hätten zugeschlagen. Ein schneller und tödlicher Schlag, pries er selbst, mit jenem Pathos, das nur Männern zur Verfügung steht, die nie selbst am Boden lagen, wenn der Himmel sich öffnete. Venezuela, so heißt es weiter, habe kollaboriert. Ob aus Überzeugung, aus Erschöpfung oder aus der schieren Mathematik der Not, das zu eruieren wäre die Aufgabe von Journalisten, die man nicht einlädt.
Man wäge den Satz ab, den der Präsident sprach: quick and deadly strike. Drei Worte. Drei Wortbrocken, die nichts erzählen über die Verhandlungen, die vorangingen, über die Telefonate mit Caracas, über die Bedingungen, unter denen ein Staat einem anderen erlaubt, auf seinem Boden zu jagen. Drei Worte, die das Protokoll ersetzen, das Memo, die Notiz, den Stempel, den jeder kennt, der je über Akten saß. Dieser Präsident braucht keine Randspalten. Er schreibt direkt in die Geschichte hinein, mit jener Großzügigkeit des Typs, der glaubt, das Papier halte alles aus.
Die sechshundertzwanzig Millionen Dollar liegen quer im Bild. Ein Kredit, vergeben, so will es das Gerücht, an ein Unternehmen, das mit dem Sohn des Präsidenten verflochten ist. Niemand bestätigt. Niemand dementiert. Man faltet die Hände im Schoß, man lächelt, man spricht von Due Diligence, von Compliance, von Verfahren, die eingeleitet, geprüft, abgeschlossen werden — alles Floskeln, alles in der kleinen Sprache des Kapitals, das seine Geschäfte macht, während die Welt auf den Mann im Saal starrt, der zwischen den Gabeln sein Leben riskiert.
Die Mechanismen sind alt. Man schlägt einen Drogenfürsten, man leiht sechshundertzwanzig Millionen, man überlebt ein Attentat, und am Ende steht man vor den Kameras und sagt, man habe Amerika sicherer gemacht. Wer zählt die Seile, die nicht reichen? Wer zählt die Kabel, die gezogen werden? Wir nicht. Wir sitzen da, die Handschuhe über den Händen, den Bleistift gespitzt, und notieren, was sich später als unhaltbar erweisen wird. Wie immer.