← Zurück zur Titelseite Politik

Fünfundachtzig Prozent und die Kunst des Wartens

15. Juni 2026 — — — Kastner

Es gibt Stunden in der Diplomatie, die riechen nach Zigarettenrauch und nach dem Holz eines Tisches, an dem später Geschichte unterschrieben werden wird oder auch nicht. Dies ist eine solche Stunde. Mike Waltz, Botschafter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, ist aus Bahrain, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus dem Vereinigten Königreich zurückgekehrt, und er hat, wie Männer es tun, wenn sie Kameras vor sich haben, sehr genau das Richtige gesagt.

„Sie unterstützen die Blockade sehr", sagte er. „Das ist es, was die Iraner verstehen und worauf sie reagieren." Man beachte die Syntax: nicht „worauf wir reagieren", nicht „was uns zwingt", sondern — die Iraner. Es ist eine kleine Verschiebung, kaum sichtbar, das Verschieben der Verantwortung wie ein Kartenkünstler, der das Ass bereits im Ärmel hat, während er dir die andere Hand hinstreckt. Waltz ist, so lesen wir, der höchstrangige amerikanische Beamte, der die Region seit Kriegsbeginn besucht hat. Das Wort „Krieg" steht hier nicht in Anführungszeichen. Es steht ohne Anführungszeichen, und das ist bemerkenswert, denn Anführungszeichen sind in solchen Memos die kleinen Höflichkeiten, mit denen man sich das Recht auf spätere Korrektur offenhält.

Was die Botschafter der Golfstaaten ihm „auf vielfältige Weise" mitgeteilt haben, fasst sich in eine einzige alte Wahrheit zusammen: dass die Währung eines Regimes zuerst fällt, bevor das Regime fällt. Der Rial „tankt", die Devisenreserven schwinden, die Inflation steigt, und diejenigen, die das Militär, die Beamten, die Polizei bezahlen müssen, stellen fest, dass ihre Gehaltslisten immer länger werden, während die Kassen immer kürzer werden. Das ist keine Theorie. Das ist die Mathematik der Erpressung, und wer sie einmal in einem schlecht beleuchteten Konferenzraum in Genf vorgeführt bekommen hat — einer Stadt, in der ich zu lange gelebt habe, als dass ich sie noch lieben könnte —, der erkennt das Muster wieder. Es ist so alt wie die Heilige Allianz, nur die Apparate sind neuer.

Die Operation trägt einen Namen, und zwar einen, wie ihn Kabinette erfinden, wenn sie glauben, dass die Öffentlichkeit ein Schlagwort braucht, um eine Methodik zu schlucken: „Operation Economic Fury", unterzeichnet von Schatzminister Scott Bessent. Es klingt nach dem Plakat eines Filmes, in dem Männer mit ernsten Mienen über Atlanten gebeugt stehen, und es ist vermutlich genau das, was es sein soll. Eine Blockade ist kein Schiffsmanöver. Eine Blockade ist eine Sprache, und wer sie spricht, bestimmt, welche Worte noch erlaubt sind.

Am Freitag dann, einen Tag nach Waltz' Rückkehr, der wie ein gut frisierter Zeuge vor die Kameras trat, gab ein nicht genannter amerikanischer Beamter — das heißt: ein Beamter, dessen Name zu nennen die Nachricht entwertet hätte — eine Erklärung ab, die in die Annalen der Vor-Vertragspoesie eingehen wird. „Wir erwarten, diese Vereinbarung mit dem Iran in den nächsten Tagen zu unterzeichnen", sagte er. „Wir bewerten sie mit 85 Prozent, aber nicht 100 Prozent. Wir fühlen uns sehr gut in Bezug auf das Abkommen. Wir sind noch nicht ganz am Ziel, aber wir sind sehr nah." Man höre das „wir" — wer immer dieses „wir" ist. Es ist ein „wir" mit Handschuhen. Es ist ein „wir", das sich, sollte die Unterzeichnung scheitern, ohne Schwierigkeiten in ein „sie haben es abgelehnt" verwandeln lässt. Es ist das diplomatische Pronomen par excellence, das Pronomen, das in Genf erfunden wurde und das seither die Welt in Atem hält.

Fünfundachtzig Prozent, so sagt man uns. Fünfundachtzig Prozent von was? Von den Zugeständnissen, die der Iran gemacht hat? Von den Sanktionen, die aufgehoben werden? Von der Lockerung der Blockade? Von der Diktion in einem Communiqué? Die Zahl ist zu klein, um ganz zu sein, und zu groß, um verächtlich zu sein, und genau deshalb ist sie gewählt worden. Sie ist die Zahl eines Mannes, der noch ein Ass im Ärmel hat, das er nicht zeigen will.

Was Waltz aus den Golfstaaten mitgebracht hat, ist, wenn man genau hinhört, keine Zusicherung, sondern eine Drohung im freundlichen Satz. Die Vereinigten Arabischen Emirate, sagt er, glaubten, man müsse „sehr glaubwürdigen Druck" aufrechterhalten. „Glaubwürdiger Druck" — das ist die Sprache derjenigen, die wissen, dass sich ein Regime nur dann bewegt, wenn es glaubt, die andere Seite sei bereit, das Letzte zu tun. Es ist die Sprache, mit der Männer, die später Historiker sein werden, rückblickend sagen werden: „Damals, als es noch Zeit war."

Unterdessen, fast wie auf ein Stichwort, schlug der Iran, kurz nachdem Waltz die Region verlassen hatte, erneut in Bahrain zu. Die Symbolik ist derart vollkommen, dass man fast vermuten möchte, sie sei bestellt worden. Eine Rakete, die unmittelbar nach dem Abflug des Botschafters einschlägt, ist kein militärischer Akt; sie ist eine choreografische Geste, ein Nein, das seinen Zeitpunkt wählt, um ein Ja unhörbar zu machen. Es ist, als würde der Iran damit sagen: Ihr habt eure Kameras, wir haben unsere Trägerraketen. Reden wir weiter.

Es ist dies das alte Spiel, das ich aus Genf kenne, das Spiel, in dem die Männer an den Tisch treten, einander die Hand reichen, und du, die Übersetzerin am Rand, du siehst die Augen, in denen die Lüge sitzt, deutlich, weil du auf die Mundwinkel geachtet hast. Ich habe Verträge gesehen, die an einem Mittwoch unterzeichnet und am darauffolgenden Montag gebrochen wurden. Ich habe Resolutionen gesehen, die einstimmig angenommen und einstimmig ignoriert wurden. Ich habe Botschafter gesehen, die mit geröteten Augen aus Sitzungen kamen und sich vor der Presse die Krawatte richteten, als hätten sie lediglich über die Speisekarte des Abendessens verhandelt.

Dass am 7. Mai dieses Jahres im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Resolutionsentwurf zur Lage der Schiffe in der Straße von Hormus verabschiedet wurde, ist eine dieser kleinen Notizen, die in den Akten verschwinden und an die man sich erinnert, wenn es zu spät ist. Die Fotografie zeigt Waltz, flankiert von Botschaftern, die Hände auf dem Pult, die Gesichter im Vokabular der Gelassenheit geübt. Es ist das Bild, das die Geschichtsbücher wollen. Es ist nicht das Bild, das die Geschichtsbücher behalten sollten.

Die Welt spielt Schach, und es werden Figuren geopfert, von denen die wenigsten wissen, dass sie Figuren sind. Die fehlenden fünfzehn Prozent — diese kleinen, trockenen, unleuchtenden fünfzehn Prozent —, sie sind der Ort, an dem die Geschichte gemacht wird, nicht an dem Ort, an dem die Kameras stehen. In Genf nannten wir das „die Klaviatur der kleinen Schritte". Es ist die Musik, mit der man in den Krieg tanzt, wenn alle glauben, man tanze in den Frieden.

Waltz lächelt, wie Männer lächeln, wenn sie Kameras vor sich haben. Die Männer in Abu Dhabi und in Manama lächeln zurück. Und in Teheran sitzt jemand an einem Tisch und rechnet nach, wie lange die Gehälter noch bezahlt werden können, und überlegt, ob die fünfzehn Prozent, die fehlen, vielleicht weniger kosten als die fünfzehn Prozent, die bleiben.

Fünfundachtzig Prozent Zustimmung ist keine Zustimmung. Es ist ein Angebot. Und Angebote, das habe ich gelernt, sind in der Diplomatie selten das, was sie zu sein vorgeben: das Erste. Sie sind das Zweite. Das Erste ist immer das, was nicht in den Akten steht.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite