Ein Denkmal und sein lästiger Namensgeber
Es gibt Sätze, die bleiben. Nicht weil sie wahr sind, sondern weil sie auf Marmor gemeißelt wurden. Am Kennedy Center in Washington wurde in diesen Tagen ein solcher Satz wieder abgekratzt, Buchstabe für Buchstabe, unter Gerüst und vor laufenden Kameras, und niemand, der hinblickte, durfte sich etwas dabei denken. Arbeiter haben begonnen, den Namen des Präsidenten von der Fassade des Gebäudes zu entfernen. Das Gerüst steht. Der Name steht nicht mehr. So sieht es aus, wenn Geschichte nicht geschrieben, sondern radiert wird.
Es gab eine Zeit, da wurde über solche Dinge im Kongress abgestimmt. Der Bundesrichter Christopher Cooper erinnerte in dieser Woche daran: Nur der Kongress, so seine Entscheidung, könne den Veranstaltungsort umbenennen, der dem früheren Präsidenten John F. Kennedy gewidmet ist. Nicht das Weiße Haus. Nicht der Namensgeber selbst, auch wenn er sich noch im Amt befindet. Die Verfassung, dieses alte, fast vergessene Stück Papier, hat hier einmal mehr gesprochen, und sie hat gegen den Mann gesprochen, der sie so gern für sich spricht.
Die Administration focht das Urteil an. Das Berufungsgericht prüft einen Eilantrag. Richter Cooper wies seinerseits einen letzten Versuch zurück, die gerichtlich angeordnete Frist für die Entfernung aller Verweise auf den Präsidenten auszusetzen. Es war, man darf das so sagen, ein kleines Schauspiel, in dem jeder Aufschub beantragt wurde, den die Justiz noch hergab. Sie gewährte keinen.
Manche Zeitungen, und das ist aufschlussreich, titeln unterschiedlich über denselben Vorgang. Da liest man: „Richter weist Antrag zurück, Trumps Namen am Kennedy Center zu erhalten", und an anderer Stelle, mit demselben Sachverhalt, sachter formuliert: „Richter hält Anordnung aufrecht, Trumps Namen vom Kennedy Center zu entfernen." Beide Schlagzeilen stimmen. Beide erzählen nur die halbe Wahrheit. Denn die eine spricht aus der Sicht des Verteidigers, die andere aus der Sicht des Angreifers, und die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte, in der Aktenmappe eines Gerichtsschreibers, der längst Feierabend gemacht hat.
Dass das Kennedy Center den Namen bereits zu Beginn der Woche von seiner Webseite genommen hatte, war ein Detail, das manchem Beobachter entging. Wer die Seite heute öffnet, sucht vergebens. Was blieb, war die Fassade, der Putz, die gemeißelten Lettern. Und genau dort stehen nun die Gerüste, wie man sie an Gebäuden aufstellt, die man vergessen machen will, und manchmal auch an Gebäuden, die man nur eine Weile leiser stellen möchte.
Es lohnt sich, den Mechanismus zu betrachten, nicht die Person. Ein Name auf einem Gebäude ist kein Kompliment. Er ist ein Vertrag. Er wird vergeben von einer Körperschaft, die sich bindet, und er wird angenommen von einer, die sich ehrt. In dem Moment, in dem ein Richter festhält, dass dieser Vertrag nicht von einer Exekutive, sondern allein vom Kongress zu lösen ist, sagt er etwas über die Republik. Er sagt: Auch der Mächtigste unterliegt dem Verfahren. Auch der lauteste Name wird leiser, wenn das Gesetz ihn streicht.
Dass die Berufung läuft, ändert daran wenig. Die Frist läuft. Die Arbeiter arbeiten. Die Kameras filmen. Und das Kennedy Center, das einst ein Geschenk an die Kultur war, ist für ein paar Tage vor allem ein Geschenk an diejenigen, die zusehen dürfen, wie ein Name, der über Nacht angeschraubt wurde, tags darauf unter Gerüst und Lärm wieder abgenommen wird.
Manche fragen, was bleibt. Ein Gebäude bleibt. Ein Konzertsaal bleibt. Das Gedächtnis einer Stadt bleibt, und in diesem Gedächtnis wird der Name Kennedy fortleben, nicht weil er auf Marmor steht, sondern weil er von dort verschwunden ist, und nichts prägt sich so tief ein wie eine Lücke, die einmal ein Name war.
Wir werden sehen, was die Berufung bringt. Wir werden sehen, ob das Gerüst stehen bleibt. Wir werden die Buchstaben zählen, die fehlen. Und wir werden uns erinnern, dass es immer Männer gab, die lächelnd unterschrieben, was sie nicht halten wollten. Die Mechanik hat sich nicht geändert. Sie ist nur lauter geworden.