Cauvery, Kalkül und die stille Kasse
Es gibt Sätze, die klingen wie Diplomatie und meinen das Gegenteil. Wenn G.K. Vasan die Regierung Tamil Nadus auffordert, „Cauvery-Wasser aus Karnataka sichern" zu lassen, dann steht da nicht die Bitte eines besorgten Politikers, sondern die nüchterne Inventur einer Niederlage, die sich seit Monaten ankündigt. Das Cauvery-Delta ist zur Dürrezone erklärt worden. Der Südwestmonsun, dieses launische Versprechen, das zwischen Juni und September über dem Subkontinent hängt wie ein unbeglichener Wechsel, schwächelt. In den Stauseen Karnatakas, von wo das Wasser kommen müsste, herrschen Füllstände, die jeder Hydrologe als demütigend bezeichnen würde, würde er nicht aus Höflichkeit schweigen.
Vasan sagt das, was Männer in solchen Konstellationen seit Jahrhunderten sagen: Er verlangt Verhandlung. Verhandlung mit einem Nachbarstaat, der gerade, in einer bemerkenswerten Demonstration politischer Prioritäten, fünfzig Labore für künstliche Intelligenz in seinen staatlichen Hochschulen einrichtet. Man darf sich fragen, ob die Algorithmen, die dort trainiert werden sollen, auch das Problem der Wasserverteilung lösen werden. Vermutlich nicht. Künstliche Intelligenz ist eine wunderbare Sache, solange die Flüsse noch fließen, aus denen die Kühlung ihrer Server gespeist wird. Wenn sie nicht mehr fließen, nützt auch das klügste Neuron nichts.
Es regnet, ein wenig, hier und da, in einigen Distrikten Tamil Nadus, verstreut bis Montag. Verstreut — das Wort klingt wie eine diplomatische Note. Verstreut wie die Hoffnung, verstreut wie die Antworten auf die Frage, wer in diesem Spiel eigentlich gewinnt. Die Meteorologen versichern das Übliche, die Politiker versichern das Nötige, und das Wasser, das eigentlich versichern sollte, dass Felder bewässert, Fischer ernährt, Städte getränkt werden, bleibt, wo es ist: irgendwo im Westen, hinter Staudämmen, die höher sind als die Vereinbarungen, die sie einst ermöglicht haben.
Dann das Weißbuch. Ein Weißbuch, das ist ein Dokument, in dem Regierungen die Wahrheit so lange zermahlen, bis sie sich wie eine Tagesordnung liest. Dieses hier berichtet, was alle ahnten und niemand aussprach: Die eigenen Steuereinnahmen des Staates brechen ein, und der Einbruch, der da gemeint ist, hat ein Gesicht, hat viele Gesichter, hat die Gesichter der Menschen, die zwischen den Zeilen nicht vorkommen. Wenn die Kasse schweigt, schweigt die Fürsorge mit. Die Programme Gruha Lakshmi und Gruha Jyothi, die einmal nach Hause und nach Licht klangen wie kleine Versprechen in einem großen Land, verlangen nun, dass ihre Empfänger sich neu bewerben. Neu bewerben — als wäre Wohlfahrt eine Stelle, die man alle paar Quartale verteidigen muss gegen den Verdacht, man habe sie nicht verdient.
Man beachte die Symmetrie. Während die Polizei Tamil Nadus mit verschärfter Härte gegen Rowdies und Drogenkriminelle vorgeht — als ließe sich das eine Elend durch die Bestrafung des anderen aufwiegen —, trocknet im Osten das Delta, und im Westen werden KI-Labore aus dem Boden gestampft, in einer Geste, die an jene berühmten Brücken erinnert, die man baut, wenn das Wasser schon weg ist. Die Ordnung muss gewahrt bleiben. Die Polizei sorgt dafür. Sie intensiviert ihren Zugriff, wie es in der Sprache der Pressemitteilungen heißt, auf jene, die man als das sichtbare Übel identifiziert hat, während das unsichtbare Übel in den Bilanzen sitzt und in den Wasserständen, die niemand mehr fotografiert.
Verträge, das weiß man in Genf, sind die höfliche Form der Erinnerung an das, was man sich nicht traut, mit Gewalt zu nehmen. Der Cauvery-Vertrag zwischen Karnataka und Tamil Nadu ist alt, älter als die meisten Männer, die heute über seine Einhaltung streiten, und er ist ungefähr so wasserdicht wie ein Sieb. Es gibt Schiedsstellen, es gibt Tribunale, es gibt die höfliche Fiktion, dass am Ende eine Lösung stehe, die beide Seiten tragen können. Was es nicht gibt, ist Wasser.
Die Ironie, und sie ist von jener Sorte, die man nur mit Handschuhen anrührt, liegt darin, dass die Regierung Tamil Nadus, sollte sie Vasan folgen, sich aufmachen muss, etwas zu verhandeln, das nicht verhandelbar ist. Man kann über Termine sprechen, über Mengen, über die Feinjustierung von Stauzielen, über die Übersetzung von Megalitern in die Sprache der Erleichterung. Man kann nicht über Knappheit sprechen, als wäre sie ein Verhandlungsgegenstand. Knappheit ist keine Position am Tisch, sie ist das Fehlen des Tisches.
Das Weißbuch sagt es, ohne es zu sagen. Die Kassen leeren sich, weil die Wirtschaft leidet, weil die Landwirtschaft leidet, weil das Wasser fehlt, weil der Monsun schwächelt, weil die Speicher in Karnataka leer sind, weil der Vertrag nicht greift, weil die Verhandlungen nicht fruchten, weil die Geduld nicht ewig ist. Eine Kette, in der jedes Glied ein anderes Glied der Schuld benennt und am Ende niemand verantwortlich ist. So funktioniert das. So funktioniert es seit Jahren, seit Jahrzehnten, vermutlich seit der ersten Stunde, in der ein Mensch einen Fluss einzudämmen beschloss und einem anderen sagte: Dies ist die Grenze deines Durstes.
Man stelle sich die Sitzung vor. Die Karten liegen auf dem Tisch, die Daten, die Modelle, die höflichen Drohungen. Irgendwo steht eine Vase mit Blumen, irgendwo summt ein Ventilator, und durch die Jalousien fällt das Licht eines Nachmittags, der nicht weiß, dass über ihn entschieden wird. Am Ende wird ein Kommuniqué herausgegeben, in dem das Wort „beiderseitig" vorkommt, und am Ende fließt etwas Wasser, das niemandem reicht, und die nächste Sitzung wird einberufen, und die nächste, und die nächste. Das ist die Maschine, und sie läuft, weil sie laufen muss, weil das ihre Funktion ist: nicht zu lösen, sondern zu verwalten.
Vasan hat recht, wenn er fordert. Er hat unrecht, wenn er glaubt, das Fordern könne etwas ändern. Die Verhandlungen über den Cauvery sind keine Verhandlungen zwischen Gleichen. Sie sind ein Theater, in dem die Kulissen aufwendiger sind als das Stück, das auf ihnen gespielt wird, und das Stück selbst ist alt, und das Publikum hat es schon gesehen, und das Publikum hat Durst.
Das Delta wartet. Die Kasse wartet. Die Menschen, deren Namen in keinem Weißbuch stehen, warten auf etwas, das sie nicht werden benennen können, wenn es kommt, weil es, wenn es kommt, nur Wasser sein wird. Nur Wasser. Als wäre Wasser jemals nur Wasser gewesen.