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Verträge auf Bildschirmen, Kriege in Sichtweite, Frieden im Kleingedruckten

19. Juni 2026 — — — Kastner

Die Karten liegen aus, der Tisch ist rund, und doch spielt jeder allein. Wenn sich kommende Woche am Rande des G7-Forums die Staatschefs versammeln, um über den Nahen Osten zu sprechen, wird Iran das Wort sein, das in jedem Nebensatz mitschwingt — auch dort, wo man es nicht ausspricht. Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen unterzeichnet, oder werden es unterzeichnen, oder haben es bereits unterzeichnet, je nachdem, von welcher Tageszeit und welcher Quelle man spricht. Fest steht: Die Meerenge von Hormuz soll wieder geöffnet werden. Fest steht ebenso: Sollte Iran die Vereinbarung nicht einhalten, werden die Vereinigten Staaten militärische Schritte wiederaufnehmen.

Man darf sich erinnern, wie Verträge aussehen, wenn sie noch frisch sind. Glänzende Hüllen, goldene Kugelschreiber, Hände, die sich finden und Fotografen speisen. Man darf sich ebenso erinnern, wie sie aussehen, wenn sie alt sind: zerknittert, uminterpretiert, vergilbt in Archiven, die niemand mehr öffnet. In früheren Räumen habe ich gelernt, dass das Papier geduldig ist und die Hände, die es beschreiben, es selten sind.

Die Inszenierung dieser Tage trägt alle Zeichen der Zeit. Ein amerikanisch-iranisches Abkommen, das womöglich per Bildschirm unterzeichnet wird — das ist nicht nur ein technisches Detail, es ist ein politisches Geständnis. Wer sich nicht in denselben Raum setzt, hat sich bereits distanziert. Man mag das Bild der Verständigung verkaufen; wer genauer hinsieht, sieht die Schnittstellen, an denen dieses Bild reißt. Eine Unterzeichnung in Abwesenheit ist das Eingeständnis, dass Anwesenheit gefährlich wäre. Es ist die Form, in der Kriege verhindert werden sollen, indem man so tut, als habe man sie nicht begonnen.

In Paris sagt man, die Energiepreise würden sinken. Macron spricht von der Vereinbarung wie ein Makler von einer Wohnung, die er noch nie betreten hat. In Washington sagt man das Gegenteil, nur mit anderem Akzent. Verteidigungsminister Hegseth lässt durchsickern, dass eine Seeblockade nicht ausgeschlossen sei — als wolle er sich die Option offenhalten, morgen das zu tun, was er heute zu verhindern vorgibt. Das ist die Grammatik der Macht: Man spricht von Frieden und legt die Flotte bereit.

Die Meerenge von Hormuz ist keine Fußnote. Sie ist die Ader, durch die ein nicht unbeträchtlicher Teil des Handels fließt. Sie ist die Ader, an deren Verengung Volkswirtschaften ersticken können. Wenn sie wieder geöffnet wird, soll das heißen: Die Ware fließt, die Tankschiffe fahren, die Preise beruhigen sich. Wenn sie nicht geöffnet wird — oder nur halb, oder nur zeitweise, oder nur unter Bedingungen, die morgen nicht mehr gelten —, dann hat das Wort Öl wieder jenen bitteren Beigeschmack, den es immer hatte, wenn Politik es sich einverleibt hat.

Die Waffenruhe, die im Raum steht, ist eine zarte Konstruktion. Sie hat keinen anderen Halt als das Versprechen, dass morgen nicht das eintritt, was heute möglich wäre. Die Vereinigten Staaten sagen, sie würden militärisch handeln, wenn Iran sich nicht an die Vereinbarung halte. Das ist keine Drohung, die man ausspricht, um sie wahr zu machen; es ist eine Drohung, die man ausspricht, damit sie nicht wahr werden muss. Aber sie steht im Raum, und Räume haben ein Gedächtnis.

Trump wird sich kommende Woche mit den Führern des Nahen Ostens treffen, am Rand eines Forums, das ursprünglich einmal für andere Sorgen gemacht war. Man wird Hände schütteln. Man wird Erklärungen verlesen. Man wird sagen, der Frieden sei nah, dauerhaft, der Region endlich vergönnt. Man wird es mit demselben Tonfall sagen, mit dem man vor Jahren andere Abkommen besiegelte, die heute nur noch Historiker kennen.

Ich sitze mit weißen Handschuhen und lese die Meldungen zum dritten Mal. Es steht alles drin, was man wissen muss, und nichts, was man wissen sollte. Man erfährt, dass die Vereinigten Staaten ein Abkommen unterzeichnet haben, das die wirtschaftliche Krise abwenden soll. Man erfährt, dass dieses Abkommen möglicherweise aus der Ferne unterzeichnet wurde. Man erfährt, dass es zu Öffnung, Waffenruhe und Verständigung führen soll. Man erfährt nicht, wer im Raum war, als es darum ging, das letzte Wort zu formulieren. Man erfährt nicht, welche Klausel im Kleingedruckten steht, diejenige, die alles andere zur Fußnote macht.

Draußen regnet es. Drinnen zündet jemand eine Zigarette an und liest die Schlagzeilen mit dem Ausdruck eines Mannes, der schon viele Schlagzeilen gelesen hat. Die Welt spielt Schach, und die Züge sind bekannt, und doch wird jeder so tun, als sei das Spiel neu. Ich kenne das Spiel. Ich kenne die Hände, die es spielen, und ich weiß, wie sie sich waschen, nachdem sie fertig sind.

Es gibt keinen Grund zur Aufregung. Es gibt allen Grund, wachsam zu sein. Die Meerenge wird geöffnet werden, der Waffenstillstand wird beginnen, der Vertrag wird unterzeichnet — auf Papier, auf Bildschirm, in einem Protokoll, das man in Jahren hervorholen wird, um zu zeigen, was man damals alles versprochen hat. Das ist die Mechanik. Das ist das Spiel. Und ich, mit meinen Handschuhen und meinem Notizbuch, schreibe es auf, weil irgendjemand es aufschreiben muss, auch wenn es niemand liest.

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