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Indiens grüne Komitees

19. Juni 2026 — — — Prof. Kessler

Mysuru, im Juni. Ein Mann namens Vadnal Jagadish sitzt im Büro des Deputy Commissioner, vor ihm die Karte Karnatakas, hinter ihm eine Stadt, die einst für ihre Paläste berühmt war. Heute ist sie für ihre Ausschüsse berühmt. Jagadish, Vorsitzender des Karnataka Biodiversity Board, hat eine klare Botschaft: In jedem Taluk, in jeder Verwaltungseinheit, soll ein Biodiversity Management Committee entstehen. Wer sich weigert, dem droht er mit dem Gesetz. Die Naturschutzpolitik des einundzwanzigsten Jahrhunderts beginnt, wie so oft, mit einer Strafandrohung.

Ich kenne diese Dramaturgie. Dreißig Jahre in Laboren und Pressekonferenzen haben mich gelehrt: Wenn die Sprache zuerst kommt und die Mittel später, dann fehlen am Ende beide. Doch hören wir genau hin, was hier verlangt wird, bevor wir die Pfeife anzünden.

Die BMCs sind nach dem Biodiversity Act vorgeschrieben. Ihre Architektur verrät mehr über den Geist, der sie schuf, als über den Wald, den sie schützen sollen. Der Panchayat-Präsident führt den Vorsitz, der Panchayat Development Officer, kurz PDO, übernimmt das Protokoll. Hinzu kommen lokale Umweltbegeisterte, Ayurveda-Praktizierende und Sozialarbeiter. Eine schöne Mischung, die mehr über Inklusion aussagt als über Effizienz. Die Säge kennt keine Inklusion. Die Axt fragt nicht nach Berufsgruppen.

Was sollen diese Ausschüsse leisten? Jagadish nennt es selbst: Sie sollen die Augen und Ohren der Forstbehörde auf Graswurzelebene sein. Koordiniert mit dem Forest Department sollen sie illegale Aktivitäten melden, Baumfällung, Schmuggel mit Forstprodukten. Mit begrenztem Forstpersonal, so seine Logik, brauche man Informanten im eigenen Dorf. Ein Ausschuss, der zugleich Beteiligung und Anzeige ist, der zugleich schützt und überwacht.

Hier riecht der Versuch nach mehreren Dingen gleichzeitig. Nach Bürgerbeteiligung, nach Überwachung, nach dem uralten Trick, Verantwortung nach unten zu delegieren, wo weder Budget noch Befehlsgewalt vorhanden sind. Ein Ausschuss ohne Budget ist ein Dekor. Eine Kommission ohne Befugnisse ist ein Alibi. Die Frage ist nicht, ob die BMCs gegründet werden, das ist Verwaltungsroutine. Die Frage ist, was geschieht, wenn das erste Stück Holz den Wald verlässt und der Dorfvorsteher entscheiden muss, ob er den eigenen Cousin anzeigt.

Dann die Details, die das Bild ergänzen. Jagadish sorgt sich um das Lingambudhi Lake in Mysuru, in das Abwasser fließt. Er fordert den Schutz des Waldreichtums der Chamundi-Hügel. Das sind konkrete Probleme, handfest und messbar. Ein See lässt sich chemisch analysieren, ein Hügel kartieren, ein Baumbestand zählen. Doch wer hat die Mittel, die Messungen vorzunehmen? Wer kontrolliert, ob die Abwassereinleitung gestoppt wird? Der Ausschuss, der gerade erst entstehen soll, oder eine andere Behörde, die seit Jahren zusieht?

Der Forscher Preetham vom Karnataka Biodiversity Board nennt ein weiteres Schlagwort: People's Biodiversity Registers, kurz PBRs. Register, in denen das Wissen der lokalen Bevölkerung über Pflanzen, Tiere und Ökosysteme festgehalten werden soll. Ein ehrgeiziges Projekt. Auch ein verdächtiges. Wer schreibt in diese Register? Wer prüft die Einträge? Und wer entscheidet später, ob das Wissen eines Kräuterkundigen als traditionelles Recht anerkannt wird oder als öffentliches Eigentum, das patentiert werden kann? Die Geschichte der Bioprospektion kennt Fälle, in denen lokales Wissen gesammelt und anschließend kommerzialisiert wurde, ohne dass die Gemeinden davon erfuhren.

Ich notiere die Liste der Beteiligten noch einmal. Panchayat-Präsident, PDO, Umweltbegeisterte, Ayurveda-Praktizierende, Sozialarbeiter. Kein Wildbiologe, kein Forstwissenschaftler, kein Ökologe. Die Fachwissenschaft, die ein solches Komitee beraten sollte, fehlt im offiziellen Aufbau. Stattdessen steht die Verwaltung im Zentrum, umrahmt von gutem Willen. Guter Wille ist eine edle Sache. Er misst keine Populationen, zählt keine Arten, analysiert keine Bodenproben.

Was bleibt, ist die Architektur eines Systems, das vieles sein will: bürgernah, integrativ, schützend, überwachend. Ein Komitee, das den Wald retten soll, während die Verwaltung es gründet, und während dieselbe Verwaltung das Abwasser in den See leitet, der den See tötet. Diesen Widerspruch muss man aushalten können, um diese Politik zu verstehen.

Die Pfeife ist kalt geworden, die Aktennotiz noch nicht ganz. Ein Ausschuss wird gegründet, ein Register begonnen, ein Gesetz angedroht. Das ist der erste Akt. Der zweite beginnt, wenn der erste Baum fällt und niemand hinschaut, oder wenn alle hinschauen und trotzdem nichts geschieht.

Wessen Augen sehen wirklich hin, wenn das Holz den Wald verlässt?

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