Die Mützenprediger und das Schweigen der Liga
San Francisco, diese Stadt, die sich selbst so gerne als Schwelle zur Zukunft inszeniert, hat in diesen Tagen ein Schauspiel geboten, das in seiner Theatralik an die großen Inszenierungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts erinnert — nur dass diesmal die Bühne ein Baseballfeld ist und die Akteure Männer sind, die glauben, dass ein Vers auf einer Mütze genügt, um Geschichte zu schreiben. Oder zu beenden. Oder beides, was in der Politik der Geste meist auf dasselbe hinausläuft.
Landen Roupp, Pitcher der Giants, trug eine Pride-Night-Mütze. Auf dieser Mütze, so berichten es die Chronisten der Gegenwart, standen biblische Verse. Man stelle sich das vor: das Regenbogen-Emblem, das seit Jahren als Visitenkarte der Sichtbarkeit dient, und daneben — oder darüber, oder darunter, je nach Lesart — ein Wort aus jenem Buch, das in diesen Angelegenheiten stets mehr zitiert als gelesen wird. Es ist eine Geste von einer Doppelbödigkeit, die in den Archiven der Heuchelei einen besonderen Platz verdient. Man bekennt sich zur Sichtbarkeit einer Minderheit und kassiert im selben Atemzug den Beifall jener ein, die Sichtbarkeit nie als Tugend verstanden haben. Die Archdiocese, diese wachsame Hüterin der richtigen Gesinnung, verteidigte das Recht des Spielers, seinen Glauben auszudrücken. Sie tat dies mit jener Bestimmtheit, mit der man in Genf Protokolle unterzeichnet, von denen man bereits beim ersten Federstrich weiß, dass sie Makulatur sind.
Bürgermeister Daniel Lurie kritisierte die Spieler. Er sprach von einem Angriff auf den Pride-Monat, auf die LGBTQ+-Gemeinschaft. Das Wort „Angriff" leistet hier schwere Arbeit. Eine Mütze ist kein Angriff. Ein Vers ist keine Kugel. Doch im Theater der Identitätspolitik wiegt die Semiose schwerer als die Syntax. Wenn ein Pitcher das Regenbogen-Trikot verweigert und an dessen Stelle einen Bibelvers setzt, liest sich die Geste als Kriegserklärung. Und Kriegserklärungen, in unserer Zeit, sind performative Akte, die niemand mehr zurücknehmen kann, weil niemand mehr die Bühne verlässt, sobald er sie betreten hat.
Die MLB warnte die Giants-Pitcher. Warnte. Was für ein Wort. Was bedeutet es, einen Profisportler zu warnen? Es bedeutet, dass die Liga weiß, dass sie nicht befehlen, nur suggerieren kann. Es bedeutet, dass der Apparat der unternehmerischen Inklusion auf ein Zahnrad gestoßen ist, das er nicht zu drehen vermag. Die Spieler weigerten sich, die Regenbogen-Trikots zu tragen. Sie taten es nicht heimlich, nicht verschämt, nicht mit dem entschuldigenden Lächeln derer, die zugleich um Verzeihung bitten für ihre eigene Überzeugung. Sie sagten nein. In einer Kultur, die das So-tun-als-ob zur bürgerlichen Tugend erhoben hat, ist ein klares Nein beinahe schon revolutionär.
Doch dann ist da die andere Geschichte. Die York Revolution, ein Team, dessen Name bereits wie ein Versprechen klingt, das die Französische Revolution nie ganz einzulösen vermochte, hat ein Spiel forfeited. Ein Wort, das in der Diplomatie den Entzug der Zustimmung bezeichnet, den Moment, in dem eine Partei sagt: Wir spielen nicht mehr mit. Das Spiel wurde forfeited, weil ein Spieler sich weigerte. Was genau er verweigerte, darüber schweigen die Protokolle, doch der Mechanismus ist altbekannt: Die Überzeugung eines Einzelnen wird zur Konsequenz von zweiumdzwanzig. So funktioniert es immer. Einer kniet, ein ganzes Team verliert. Einer verweigert, eine ganze Liga erzittert.
Ich trage Handschuhe beim Schreiben, wie immer. Man kann die Dinge nur berühren, wenn man sie nicht berührt. Diese kleine Geste der Distanz, die ich mir bewahrt habe durch alle Säle hindurch — durch Genf, durch die lächelnden Gesichter, die sagten: „Wir werden uns an die Vereinbarung halten" — diese Geste passt zu dem, was ich hier beobachte. Die Hände der Spieler stecken in Handschuhen, wenn sie werfen. Die Hände der Bischöfe stecken in Handschuhen, wenn sie segnen. Die Hände der Bürgermeister stecken in Handschuhen, wenn sie kritisieren. Alle behandschuht. Alle berührungsängstlich. Alle in der Lage, zuzuschlagen, ohne dass man die Spur der Finger sähe.
In Genf habe ich Verträge gesehen, die niemals eingehalten wurden. Ich habe Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während sie logen. Ich habe gelernt, dass das Lächeln die gefährlichste Geste der Macht ist — gefährlicher als die Faust, gefährlicher als das Wort. Wenn ein Mann lächelt und die Wahrheit sagt, ist er ein Freund. Wenn ein Mann lächelt und lügt, ist er ein Politiker. Wenn ein Mann lächelt und einen Bibelvers auf eine Pride-Mütze stickt, ist er ein Theologe der Kompromisslosigkeit, und das ist die seltenste und, in gewisser Weise, die ehrlichste Spezies, die unsere Zeit hervorgebracht hat.
Man wird mir vorwerfen, dass ich keine Position beziehe. Das ist richtig. Ich beziehe keine Position. Ich beobachte die Mechanik. Ich sehe, wie eine Mütze zur Glaubensfrage wird. Ich sehe, wie ein Trikot zur Menschenrechtsdeklaration wird. Ich sehe, wie eine Warnung zur Kapitulation wird. Ich sehe, wie ein Forfeit zum Präzedenzfall wird. All dies geschieht in einer Zeit, die sich einbildet, über die Symbolik der Vergangenheit erhaben zu sein, und die doch jede Geste mit einer Bedeutsamkeit auflädt, die diese Geste niemals tragen kann.
Es wird weitere Mützen geben. Es wird weitere Verse geben. Es wird weitere Forfeits geben. Und es wird, verlassen Sie sich darauf, weitere Bürgermeister geben, die das Wort „Angriff" benutzen, als wäre eine Mütze eine Granate. Die Bühne wird nicht abgebaut. Die Scheinwerfer werden nicht gelöscht. Die Spieler werden weiterhin werfen, die Bischöfe weiterhin segnen, die Bürgermeister weiterhin reden, und ich werde weiterhin zuschauen, mit Handschuhen, mit der Kälte einer Frau, die nichts mehr überrascht und dennoch, manchmal, in den späten Stunden, ein leises Bedauern empfindet — nicht über die Mützen, nicht über die Verse, sondern über die erschreckende Bereitwilligkeit, mit der wir alle, Spieler wie Zuschauer, Bischöfe wie Bürgermeister, uns von den Kostümen der Macht verkleiden lassen, als wären sie unsere eigene Haut.