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Die Kapitulation, parfümiert mit Öl

19. Juni 2026 — — — Kastner

Die Verhandlungen begannen, wie Verhandlungen zwischen Ungleichen immer beginnen: mit der Geste des Starken, der seine Schwäche noch nicht kennt. Oder sie nicht zeigen will. Wer an Tischen gesessen hat, wer Protokolle gelesen hat, die am nächsten Morgen bereits Makulatur waren, der erkennt das Muster früher als andere. Man setzt sich. Man lächelt. Man einigt sich auf Worte, die niemand halten muss. Und am Ende fragt man sich, wer hier wen überlistet hat.

Was im Persischen Golf geschehen ist, lässt sich nicht mehr als Verhandlung tarnen. Es war eine Kapitulation, getarnt als Verhandlung, getarnt als Frieden, getarnt als der ganz normale Lauf der Dinge in einer Welt, in der die Begriffe ihren Sinn verloren haben wie Handschuhe auf einem Schlachtfeld. Die Vereinigten Staaten — jenes Land, das noch vor Wochen glaubte, die Ordnung der Welt wie ein Spiel beherrschen zu können — sitzen nun am Tisch und unterschreiben, was der Iran ihnen diktiert. Die Straße von Hormus ist frei. Die iranische Flagge weht über der Durchfahrt. Und Washington? Washington applaudiert.

Man darf das nicht laut sagen, natürlich. Man muss es leise sagen, in der Sprache der Frauen, die wissen, dass Wahrheit am gefährlichsten ist, wenn sie niemand ausspricht. Aber die Fakten sprechen, auch wenn die Kameras schweigen: Die USA befinden sich in einer schwächeren Position als zu Beginn dieses Krieges. Sie haben Terrain verloren — nicht auf den Landkarten der Generäle, sondern in den Köpfen der Beobachter, in den Kassen der Börsen, in den Berechnungen jener, die geduldig zugesehen haben, wie sich ein Imperium selbst zerlegt. Der Iran hat den USA „einen Schlag ins Gesicht" verpasst. Er hat Verhandlungen über die freie Schifffahrt erzwungen — nicht erfleht, nicht erbeten, sondern erzwungen. Das ist die Sprache, die gesprochen wird, wenn die Hände der Starken zittern.

Und dann dieser Deal. Er wird ein Erfolg genannt, natürlich. Es werden alle Deals Erfolg genannt, die es erlauben, das Wort „Erfolg" in einen Satz zu bauen. Aber in den Redaktionen, in den Kanzleien, in den Büros jener Analysten, die keine Mitteilungen lesen, sondern Protokolle, da munkelt man etwas anderes. „Trump's Iran Deal", schrieb kürzlich ein Kommentator mit der Präzision eines Mannes, der schon viele solcher Sätze geschrieben hat, „smacks of appeasement." Es riecht nach Beschwichtigung. Es riecht nach dem schalen Atem jener, die zu lange zu viel gewollt haben und am Ende zu wenig bekamen.

Doch hier beginnt das Spiel der Widersprüche, und Widersprüche sind das Brot der Mächtigen. Quelle A — die Stimme der Vernunft, die Stimme derjenigen, die wissen, dass Vertrauen eine Währung ist, die man nicht drucken kann — sagt unmissverständlich: Die USA sind als Sicherheitsgarant schwächer geworden. Sie können nicht mehr garantieren, was sie gestern garantierten. Sie können nicht mehr schützen, wofür sie bezahlt wurden. Die Welt hat das gesehen, und die Welt vergisst nicht. Quelle B hingegen — und Quelle B spricht aus den Korridoren der Macht, aus den Instituten, die von denselben Männern finanziert werden, die morgens die Kriege planen und abends die Waffenstillstände feiern — Quelle B sagt: Die USA sind militärisch überlegen. Absolut. Total. Immer noch. Die Flugzeugträger sind da, die Raketen sind da, das Budget ist da.

Beide Aussagen sind wahr. Das ist das Geniale daran. Die USA sind militärisch überlegen und sie sind als Garant schwächer als zuvor. Wie das sein kann? Ganz einfach: Wer seine Macht nicht einzusetzen wagt, verliert sie, auch wenn er sie besitzt. Eine Waffe auf dem Kaminsims schreckt niemanden ab, wenn der Besitzer beim Anblick des Einbrechers ins Nebenzimmer geht. Die Straße von Hormus ist heute offen, weil der Iran sie offen haben wollte. Nicht weil Amerika sie öffnete. Sondern weil Amerika einsehen musste, dass es sie nicht geschlossen halten konnte — nicht gegen den Willen eines Landes, das den Hebel der Weltwirtschaft in der Hand hält.

Was im Golf geschehen ist, ist nicht das Ende der amerikanischen Macht. Aber es ist das Ende der Illusion, dass diese Macht allein durch ihre Existenz wirkt. Man muss sie einsetzen, oder man verliert sie. Man muss verhandeln können, oder man wird verhandelt. Der Iran hat verhandelt. Die USA wurden verhandelt. Und der Deal, der da unterzeichnet wurde, dieser Deal, der nach Appeasement riecht, nach Öl und nach dem schalen Atem der Erleichterung, dieser Deal ist der Beweis dafür, dass die Welt sich verändert hat, ohne dass irgendjemand in Washington es bemerkt hätte.

Draußen regnet es. Die Handschuhe liegen auf dem Tisch, neben einer Tasse Tee, die längst kalt ist. Morgen werden die Zeitungen schreiben, was sie heute schon geschrieben haben: dass Frieden sei, dass Verhandlung sei, dass die Straße von Hormus offen sei. Sie werden nicht schreiben, was eine Kolumnistin schreiben darf. Sie werden nicht schreiben, dass die freie Durchfahrt teuer erkauft wurde. Nicht mit Geld. Mit etwas, das kein Staat drucken kann und keine Flotte schützen kann: mit Glaubwürdigkeit.

In zwei Jahren werden wir zurückschauen und uns fragen, wann es begann. Die Antwort ist einfach: Es begann, als die freie Schifffahrt zur Verhandlungsmasse wurde, und als die mächtigste Nation der Erde feststellen musste, dass ein Land, das seine Ölhähne schließen kann, mächtiger ist als jede Flugzeugträgergruppe, die jemals in See gestochen ist. Der Iran hat den USA einen Schlag ins Gesicht verpasst. Und Amerika hat höflich „Danke" gesagt.

So ist das, meine Damen und Herren, in einer Zeit, in der die Wahrheit Handschuhe trägt und die Lüge nackt einhergeht.

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