← Zurück zur Titelseite Technologie

GESTÖRTE FREQUENZ — LONDON ERKLÄRT DEN WIDERSTAND ZUM TERROR

19. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

London. Das Berufungsgericht hat die Taste gedrückt. Das Signal steht: Palestine Action bleibt im Register der verbotenen Sender. Wer die Antenne auf diese Gruppe richtet, sendet auf der Frequenz des Terrors — so will es die Krone, so will es das Parlament, so will es nun auch das Recht.

Die Vorgeschichte ist simpel, wenn man die Drähte kennt. Im Juli vergangenen Jahres wurde die Gruppe proscribiert — ein altes Wort aus den Archiven der Irland-Krise, wieder hervorgekramt und neu verkabelt. Direkt nach der Aktion auf dem Luftwaffenstützpunkt Brize Norton in Oxfordshire. Am 20. Juni 2025 brachen Aktivisten ein, zwei Militärflugzeuge wurden mit roter Farbe besprüht. Das Unterhaus hob den Hörer ab, wählte die Nummer, die Maschine lief. Tage später stand die Gruppe auf der Liste.

Dann schaltete sich das High Court ein. Im Februar dieses Jahres befand ein Gericht in London das Verbot als rechtswidrig. Ein seltener Moment auf der Leitung — die Justiz, die dem Sender untersagt, den Empfänger abzuschalten. Die Regierung legte Berufung ein. Am vergangenen Montag kassierte das Berufungsgericht die Entscheidung. Die Frequenz bleibt belegt. Der Störsender bleibt stummgeschaltet.

Palestine Action ist sechs Jahre alt. Eine britische Protestgruppe, gegründet mit dem Auftrag, jene Firmen zu markieren, die an der Kette des israelischen Rüstungskonzerns hängen. Elbit Systems aus Haifa, Leonardo aus Italien, Thales aus Frankreich, Teledyne aus den Vereinigten Staaten. Alles börsennotierte Unternehmen, alles Lieferanten der westlichen Verteidigungsapparate. Die Methode der Aktivisten ist physisch, nicht virtuell. Dachbesetzungen, Fabrikbrüche, Farbe auf Beton und Metall.

Die Akte ist lang. 2021 saßen Aktivisten sechs Tage auf dem Dach von UAV Tactical Systems in Leicester, einer Tochter von Elbit. 2022 brachen sie in eine Thales-Fabrik in Glasgow ein und beschädigten Waffen im Wert von über einer Million Pfund. 2024 dann Elbit nahe Bristol, wieder eine Million Pfund Schaden. Die Polizei summiert: Millionen an Sachschäden, registriert als kriminelle Energie.

Vier Aktivisten wurden wegen Sachbeschädigung an einer britischen Anlage eines israelischen Waffenherstellers verurteilt. Das Strafmaß wird nun auf Basis einer "terroristischen Verbindung" bemessen. Das ist der eigentliche Schritt — wer eine Fabrik streift, begeht nicht mehr Sachbeschädigung, sondern sendet auf der Terrorfrequenz. Die Semantik ist die Waffe.

Zack Polanski, einer der Sprecher der Gruppe, nennt die Urteile "herzzerreißend". Erinnert wird in diesem Zusammenhang an eine Polizistin, deren Rücken bei einer der Aktionen brach. Das Echo kreuzt sich auf den Drähten, wenn man genau hinhört.

Die Frage ist immer dieselbe. Wer kontrolliert die Welle? Wer legt fest, welche Frequenz Terror ist und welche legitimer Widerstand? Elbit baut Drohnen. Leonardo baut Flugzeuge. Thales baut Radars und Sensoren. Teledyne baut Kameras. Das ist keine Phantomindustrie. Das sind die Auftragnehmer des westlichen Bündnisses, diejenigen, deren Technik über Wohnblocks im Nahen Osten fliegt. Palestine Action streicht die Außenmauern ihrer britischen Niederlassungen rot an. Die Krone sagt: Terror. Die Aktivisten sagen: Notwehr. Das Berufungsgericht hat die Taste gedrückt und das Wort auf den Sender gelegt.

Man muss kein Techniker sein, um zu verstehen, wie ein Störsender funktioniert. Er überlagert das Signal, das er unterbrechen will. Die Regierung hat entschieden, dass dieser Störsender ausgeschaltet wird. Nicht der Rüstungsexport. Nicht die Waffenlieferung. Nicht die Fabrik. Nur die Stimme, die sagt: Hier ist eine Fabrik.

Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Die Drähte summen. London hat den Apparat justiert. Wer jetzt noch sendet, wird selbst zum Signal.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite