Bratislavas stille Bühne: Wie Indien die Slowakei für sich entdeckt
Manchmal genügt ein einziger Satz, um zu wissen, dass man einer Choreografie beiwohnt. Premierminister Narendra Modi, so verkündet es die indische Regierung in der ihr eigenen, vom Glanz der Republik gesättigten Sprache, sei der erste indische Premierminister, der die Slowakei seit deren Unabhängigkeit im Jahr 1993 besucht. Man möchte hinzufügen: und man sieht ihm an, dass er diese Premiere kennt. Dreiunddreißig Jahre lang hat Indien die kleine Republik am Rande der Karpaten nicht für würdig befunden, einen Staatsbesuch zu wagen — dann, im Juni 2026, öffnet sich der Himmel über Bratislava für eine Visite, die kaum vierundzwanzig Stunden dauert, aber sorgfältig gefüllt ist mit Memoranden, Fototerminen, Ehrengarden und freundlichen Worten, die nichts kosten und deshalb so großzügig verteilt werden.
Ich erinnere mich an Räume wie diesen. Schweres Holz, goldgerahmte Porträts von Männern, die sich für unsterblich hielten, ein langer Tisch, an dem man sich gegenüber saß, als handle Diplomatie vor allem um Sitzordnung. Die Bratislava Castle bildet da keine Ausnahme. Premier Robert Fico empfing seinen Gast mit militärischen Ehren; man inspizierte eine Ehrengarde, man lächelte, man schüttelte Hände mit der festen, geübten Geste von Männern, die wissen, dass die Kameras laufen und die Geschichte bereits mitschreibt. Hinter dem Vorhang freilich, das weiß jede ehemalige Diplomatin, werden zu solchen Stunden die eigentlichen Dinge verhandelt: kleine Zugeständnisse, größere Schulden, die sanfte Erpressung durch Handelsversprechen, die man später als gemeinsame Werte verkleidet.
Die Memoranden, die an diesem Montag unterzeichnet wurden, tragen vertraute Namen. Verteidigung. Arbeitsmobilität. Bildung. Digitale Technologie. Fortgeschrittene Fertigung. Grüne Technologien. Automobile. Eisenbahnen. Es sind die üblichen Verdächtigen, die immer dann aufmarschieren, wenn zwei Staaten sich neu umgarnen, ohne sich recht zu kennen. Modi sprach von einer "Comprehensive Partnership" — ein Begriff, der in der Sprache der Bürokratie bedeutet, dass man noch nicht sicher ist, was man voneinander will, sich aber die Tür nicht zuschlagen möchte. Verteidigung und Sicherheit, so die gemeinsame Erklärung, würden künftig "eine der zentralen Säulen" der Beziehungen bilden; eine "Letter of Intent" wurde unterzeichnet, in deren Rahmen man über Technologien, industrielle Kooperation, Kapazitätsaufbau und Forschung reden wolle. Man hat diese Sätze schon in Dutzenden Communiqués gelesen, stets mit demselben leisen Nachhall von Gewehrläufen und Budgetposten, die niemand öffentlich beziffern will.
Präsident Peter Pellegrini, stets ein Mann des korrekten Wortes, versicherte der versammelten Presse, die Slowakei unterstütze Indiens Bewerbung um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Es ist dies ein Satz, der nichts kostet und wenig wiegt, solange Bratislava nicht im Kreis der fünf Vetomächte sitzt und dort wohl auch niemals sitzen wird. Aber solche Sätze sind nie umsonst. Sie werden gesammelt, archiviert, in den eigenen Hauptstädten als Beweis heimgetragen, dass man Verbündete habe, dass man gehört werde, dass man nicht allein am Tisch der Mächtigen stehe. Ich habe in Genf gesehen, wie solche Zusicherungen — überreicht mit Handschlag und Kamerablitz — schon wenige Wochen später vergessen waren, sobald ein größeres Interesse ins Spiel kam.
Fico ist ein Mann, der lächelt, während er handelt. Man erinnert sich an seine politischen Wendungen, an seine Ausflüge zwischen Brüssel und Moskau, an die Kunst, jeder Seite ein wenig zu dienen, ohne sich wirklich festzulegen. Dass er nun Indien empfängt, fügt sich in eine Geografie der Annäherungen ein, die weniger von Ideologie als von Gelegenheit bestimmt wird. Indien seinerseits — und dies ist die interessantere Bewegung — setzt längst auf eine Politik der vielen kleinen Bündnisse, der sorgfältig geknüpften Netze. Die Slowakei ist nicht Frankreich, nicht Russland, nicht die Vereinigten Staaten; sie ist ein Mosaikstein, aber ein nützlicher, weil von hier aus Signale nach Brüssel, nach Berlin, vor allem aber nach Évian gesendet werden können, wo am sechzehnten und siebzehnten Juni der G7-Gipfel stattfand.
Denn das ist die zweite Bühne, die eigentliche Bühne dieser Reise. Modi war am dreizehnten Juni zu einer sechstägigen Tour aufgebrochen, die ihn über Nizza — wo er gemeinsam mit Präsident Macron den Kongress "Bharat Innovates" eröffnete, ein Treffen indischer Start-ups vor internationalem Kapital — nach Bratislava und weiter nach Évian führte. Indien, so der Premier in der ihm eigenen Rhetorik der großen Bögen, werde im Kreis der Sieben "die Stimme der Hoffnungen des Globalen Südens" einbringen. Eine schöne Phrase. Sie klingt nach Gerechtigkeit und schmeckt nach Verhandlungsmasse. Der Globale Süden, in der Sprache der G7, ist ein Klient, der um Aufmerksamkeit wirbt, kein Partner, der mitentscheidet. Modi weiß das. Er spielt es trotzdem, mit der Geduld eines Mannes, der das Spiel schon sehr lange kennt und niemals den nächsten Zug verrät.
Am achtzehnten Juni wird Paris betreten: VivaTech, die Messe für Technologie und Innovation, gemeinsam mit Macron, der Indien im Februar zur "Special Global Strategic Partnership" erhoben hatte. Es ist ein Programm, das mit dem Handschlag in Bratislava beginnt und in der Pose europäisch-indischer Zukunft endet. Die Slowakei war das Vorspiel, das höfliche Zwischenspiel auf dem Weg zu den Räumen, in denen tatsächlich gesprochen wird. Verteidigung, Arbeitsmobilität, ein ständiger Sitz im Sicherheitsrat, Handelsabkommen mit der EU — die Liste der Versprechen ist lang, wie sie es in solchen Stunden immer ist. Die Liste der Taten, das wissen wir, wird kürzer ausfallen.
Ich lehne mich zurück, ziehe die Handschuhe straffer und warte auf die nächste Überschrift. Sie wird nicht lange auf sich warten lassen.