Hafizpur: Bronze zersägt, Kameras laufen
Hapur, Uttar Pradesh. In der Nacht von Freitag auf Samstag, den 13. Juni 2026, haben Unbekannte die Bronzestatue von Dr. B.R. Ambedkar in Ghungrala zerstört. Das Dorf liegt im Zuständigkeitsbereich der Hafizpur-Polizeistation. Die Figur stand im öffentlichen Raum, Denkmal und Adresse zugleich — jetzt ist sie Bruch und Beweisstück.
Die Täter kamen in den frühen Morgenstunden. Was genau sie benutzten, ist nicht überliefert. Was überliefert ist: die Wut der Bewohner. Ghungrala und die umliegenden Dörfer sind mehrheitlich dalitisch geprägt. Ambedkar ist für sie nicht Denkmal von gestern, sondern Verfassungsurkunde von heute. Wer die Figur zerstört, zerstört das Dokument, das sie über sich selbst in der Hand halten.
Bis Samstagabend saßen die Dorfbewohner auf der Straße. Sie forderten die Festnahme der Täter, sie forderten — wörtlich — die „strengste Bestrafung". Erst als höherrangige Polizeibeamte erschienen, die Statue eigenhändig wieder aufstellten und zusicherten, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole, wurde die Demonstration beendet. Die Polizei blieb. Eine große Zahl von Beamten, heißt es, soll weitere Zwischenfälle verhindern.
Die Frage, die mich interessiert, ist nicht die Tat. Die Frage ist die Kette danach. Wer hat die Kameras? Wer bedient sie? Wer entscheidet, was sie sehen?
Die Polizei wertet CCTV-Aufnahmen und anderes elektronisches Material aus. Ein Fall wurde unter einschlägigen Sektionen des Bharatiya Nyaya Sanhita registriert — das neue Strafgesetzbuch, das 2023 den Indian Penal Code ablöste. Es geht um Sachbeschädigung, möglicherweise um mehr. Die Polizei spricht von „bedeutsamen Anstrengungen" zur Festnahme. Die Opposition spricht von einem „organisierten Muster".
Hier wird es interessant. Anil Yadav, ranghoher Kongresspolitiker aus Uttar Pradesh, nennt die Tat Teil einer Kette. „Feudale Kräfte, unterstützt von der BJP-Regierung", so Yadav, „demütigen systematisch die dalitische Bevölkerung." Angriffe auf Ambedkar-Statuen seien „weit verbreitet unter dem BJP-Regime", ein „vollständiges Versagen von Recht und Ordnung". Das ist eine schwere Anklage. Sie unterstellt nicht Einzeltäter, sondern Struktur.
Die Samajwadi Party formuliert es im Jargon der Verfassung. „Ein Affront gegen die Werte der Gleichheit, Würde und Gerechtigkeit", heißt es in einer Erklärung. Die Partei ruft zu „unparteiischer Untersuchung" auf und verweist auf ihr Bündnis-Kürzel PDA — Pichhda, Dalit, Alpasankhyak. Hinten, unten, wenig. Die Marginalisierten. Das ist der Adressat dieser Statue. Wer sie zerstört, sendet eine Nachricht — ob er es weiß oder nicht.
Vikas Gautam, ein Dorfbewohner, sagt: „Wenn die Täter nicht gefasst werden, sind wir gezwungen, eine große Bewegung zu starten." Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen. Es ist die Erinnerung daran, dass dalitische Mobilisierung in Indien eine eigene Geschichte hat, eine eigene Grammatik, eine eigene Wucht.
Die Kameras laufen weiter. Sie laufen in Ghungrala, sie laufen in Hapur, sie laufen überall. Nur die Bilder, die sie liefern, entscheiden, ob aus einer zerbrochenen Statue ein Fall wird oder ein weiterer Eintrag in der Akte der unbeachteten Demütigungen. Wer die Aufnahmen kontrolliert, kontrolliert auch, was die Nacht vom 12. Juni bedeutet.
Eine Statue wurde wieder aufgestellt. Sie steht. Aber sie steht auf einem Fundament, das gerade neu verhandelt wird.