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Wenn der Totenkopf lächelt: Anatomie einer Kandidatur

19. Juni 2026 — — — Kastner

Maine hat gewählt. Der Sieger trägt ein Totenkopf-Emblem auf der Brust, pikante Nachrichten auf dem Telefon und die Bürde der Erlösung im Blick. Graham Platner, Veteran und Designerkandidat zweier sozialistischer Operateure aus Washington, hat am Dienstag die Vorwahl der Demokraten gewonnen, mit dem Segen von Bernie Sanders. Im November tritt er gegen Susan Collins an, jene Senatorin, die das Kunststück vollbringt, in einem Staat wiedergewählt zu werden, der sie regelmäßig vergessen möchte. Collins ist die perfekte Projektionsfläche für jeden, der das Washingtoner Spiel satt hat. Platner ist ihr perfekter Gegner — alles, was dieses Spiel hervorgebracht hat, nur ohne die Anständigkeit, es zu verbergen.

Beginnen wir bei den Händen, die ihn formten. Daniel Moraff und Leanne Fan, ein Paar Strategen mit dem Instinkt von Talentspähern, haben Platner rekrutiert. Sie suchten den perfekten Kandidaten und fanden bei einem anderen Bewerber — so berichtet es das Wall Street Journal in einer seltenen Visite — ein „Skelett im Schrank". Einen Skandal, bereit, bei Bedarf ans Licht gezerrt zu werden. Es ist das älteste Manöver der Politik: den eigenen Mann aufstellen, indem man den anderen zerstört. Die Moraff-Methode. Sie haben einen Totenkopf auf der Haut eines Marine übersehen — oder haben ihn gesehen und beschlossen, er sei Marketing, nicht Mahnung. Beides wäre möglich. Beides wäre verräterisch.

Im September, so berichtet seine frühere politische Direktorin Genevieve McDonald, habe Platner ihr vom Tattoo erzählt. Es sei „nur eine Militärsache", versicherte er. Sie blieb vorerst — sie kannte das Leben jener, die Platner als „Working People" zu vertreten vorgibt: kommerzielle Hummerboot-Kapitänin, ehemalige Abgeordnete, Schulratsvorsitzende. Im Oktober ging sie. Sie hatte den Sexting-Skandal an die Öffentlichkeit getragen. In der Washington Post schrieb sie die politische Autopsie: „Ein Muster unehrlichen Verhaltens, das unmöglich zu ignorieren ist." Er habe versichert, es gebe keine weiteren Skelette im Schrank. Dann kamen neue — Vorwürfe ehemaliger Freundinnen wegen körperlicher Misshandlung. Sie habe sich, sagte sie, von der Kampagne „gaslighten" lassen. Das ist das Wort einer Frau, die erkannte, dass der Mann, dem sie diente, sich selbst nicht kannte — oder kannte und das Vergessen vorzog.

Es hätte ein Ende geben können. Stattdessen kam Paige Loud, die in dieser Woche ihre Vorwahl im zweiten Kongressdistrikt verlor und nun endlich aussprechen durfte, was sie dachte. Sie nannte Moraff ein „misogynistisches, sexistisches Stück Scheiße, das fürchterlich lügt". Das ist keine Kolumne. Das ist eine Diagnose, direkt auf die Haut tätowiert. Der Kandidat war nominiert. Die Maske gefallen.

Nun also Hunter Biden. Der Sohn, der Erbe, der ewige Junior — 2024 verurteilt wegen Lügen über Drogenkonsum beim Waffenkauf, begnadigt vom eigenen Vater, seit sieben Jahren nüchtern, seit Mai auf medialer Blitztour zur Wiederherstellung seiner zerschmetterten Reputation. Er sitzt bei Gavin Newsom im Podcast, im Poncho-Westernhemd, dem Kostüm eines Mannes, der die Vergangenheit als Maske trägt. Er verteidigt Platner: zu 99,9 Prozent sicher, dass er kein Nazi sei. Nichts deute darauf hin, dass er ein „missbräuchlicher, misogyner oder rassistischer Mensch" sei. Die meisten Politiker würden den „Show me your phone"-Test nicht überstehen, sagt er, und meint es als Trost. Er vergleicht Platners Traumata mit den eigenen Drogensüchten und dem, was er „Courage" nennt. Er witzelt, er würde für das Präsidentenamt kandidieren — aber nur als Vizepräsident von Newsom. Die Demut des Erben, der die Bühne nicht verlassen will.

Es ist, als würde ein Ertrinkender den anderen retten und beide behaupten, das Wasser sei Selbstverwirklichung. Hunter Biden ist die perfekte Verteidigung für Graham Platner, weil er selbst die Verwandlung von Skandal in Mythos durchlaufen hat. Sein Vater hat ihm die Anklage wegen hinterzogener Steuern weggepardont. Nun tritt er auf, um einem anderen Absolution zu erteilen. Das ist nicht Politik. Das ist Theologie, und zwar eine, die in die Hölle führt.

Man könnte lachen, wenn es nicht so ernst wäre. Man könnte weinen, wenn die Tränen nicht so abgenutzt wären. Man könnte schweigen, wenn das Schweigen nicht bereits Einverständnis wäre.

Was hier geschieht, ist nicht das Versagen eines Kandidaten. Es ist die Logik einer Maschine, die glaubt, jeden Mangel absorbieren zu können, solange das Etikett stimmt. Sozialist, Veteran, Arbeitervertreter — die Marke ist intakt, also wird geliefert. Dass dieser Mann eine Tätowierung mit Bezug zu Himmlers SS, eine Ehe voller Geheimnisse und ein Team voller Narzissten mitbringt, wird als Kollateralschaden behandelt. Ich kenne diesen Mechanismus. Man unterschreibt, was man nicht halten wird, und die Unterschrift zählt. Der Inhalt ist Dekoration.

Die Wähler entscheiden im November — zwischen einem Totenkopf und einer Frau, die seit dreißig Jahren denkt, sie sei unsterblich. Collins ist nur die letzte überlebende Form einer aussterbenden Spezies. Bleiben wir bei Platner: einem Tattoo, das er nicht kennen will, einer Ehe, die er nicht führen konnte, einer Kampagne, die er nicht verdient, und einer Partei, die ihn dennoch trägt — weil die Alternative das Eingeständnis wäre, dass das eigene Urteilsvermögen selbst ein Totenkopf war.

Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Eine Angewohnheit, die man lernt, wenn man versteht, dass jede Berührung Spuren hinterlässt. Platner scheint das nicht zu wissen. Er berührt alles. Und überall bleiben die Abdrücke von etwas, das er nicht benennen will.

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