Atomdrähte nach Isfahan: Teheran vermint die eigenen Tunnel
Die Frequenz ist eindeutig. Die Internationale Atomenergiebehörde hat am Mittwoch eine Resolution durchgestellt, die Iran auffordert, sämtliche Anreicherung von Uran zu stoppen — Forschung, Entwicklung, Schwerwasser, alles. Einundzwanzig Stimmen dafür. Drei dagegen: Russland, China und Niger. Niger — ein Land, das selbst zu den größten Uranproduzenten der Welt gehört und seit Jahren ein Geschäft über den Verkauf seines Erzes an Iran verhandelt. Da liegt das Metall, von dem die ganze Geschichte erzählt: wer es hat, hat die Macht.
Ich habe in meinem Berufsleben Drähte ausgewertet, die in den Abgrund führen. Telegraphie, Funk, Radar. Neue Technologien sind keine Magie, sondern Werkzeuge. Die Frage ist immer: in wessen Händen. Urananreicherung ist auch nur eine Frequenz — man dreht am Regler, und irgendwann hört man ein Signal, das niemand hören will. Sechzig Prozent Anreicherung, rund zweihundert Kilogramm, lagern in den Tunneln von Isfahan. Technisch nur einen Katzensprung von Waffenmaterial entfernt. Ich übersetze für den Mann in der Suppenküche: genug Stoff, um in der falschen Konstellation eine Stadt auszulöschen.
Die IAEA unter ihrem Chef Rafael Grossi fordert seit Jahren Zugang zu den Anreicherungsanlagen. Iran hat immer nur kurze Inspektionen im Kraftwerk Bushehr zugelassen, die übrigen Standorte blieben verschlossen. Im Juni 2025 erklärte die Behörde Iran erstmals seit zwei Jahrzehnten als völkerrechtswidrig. Kurz darauf ließ Präsident Trump drei kritische Anreicherungsanlagen bombardieren. Der zwölf Tage dauernde Krieg mit Israel folgte. Isfahan blieb weitgehend intakt — der einzige große Standort, der durchkam. Und dort liegt der Schatz: mehr als die Hälfte des gesamten iranischen Bestands an hochangereichertem Uran.
Nun melden fünf Quellen aus dem Umfeld der US-Geheimdienste, Iran habe in den vergangenen Wochen die Tunnelzugänge vermint und Durchgänge absichtlich zum Einsturz gebracht. Sprengladungen an den Eingängen, kollabierte Passagen. Schutzmaßnahme, vielleicht. Falle, vielleicht. Auf jeden Fall ein Signal in Richtung Washington. Trump erwog im späten März, Bodentruppen zur Beschlagnahmung des Materials zu schicken. Der Plan wurde verworfen — zu riskant, heißt es. Aber genau das dürfte Teheran die Idee gegeben haben, seine Anlagen gegen einen Zugriff zu sichern. Logik der Drähte: wer eine Leitung unterbricht, kontrolliert das Gespräch.
Das Friedensabkommen, das an diesem Wochenende unterzeichnet werden soll, verlangt von Iran, das angereicherte Uran auszuhändigen. Es soll vor Ort zerstört und aus dem Land transportiert werden. Die neuen Barrieren in Isfahan machen das kompliziert. Die Tunnel müssen freigeräumt und entmint werden, bevor man das empfindliche Material überhaupt bewegen kann. Und das ist der eigentliche Dreh: Iran kann später behaupten, Teile des hochangereicherten Urans seien nicht mehr bergbar. Nicht auffindbar. Unzugänglich.
Scott Roecker, ehemaliger Leiter des Amtes für Nuklearmaterialentfernung in der Nationalen Nuclear Security Administration, bringt es auf den Punkt: „Ich würde mir Sorgen machen, dass Iran behauptet, ein Teil des hochangereicherten Urans sei nicht mehr zu bergen. Wir hätten nicht die volle Gewissheit, dass Iran nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder Zugang dazu erlangen könnte."
Ich höre die Frequenz, die andere überhören. Die Resolution ist ein Signal. Aber Signale können gesendet, verzerrt, zurückgewiesen werden. Russland, China und Niger sagen nein. Iran schweigt und vermint. Washington verhandelt und droht. Und in den Tunneln unter Isfahan liegt der Stoff, der darüber entscheidet, ob aus dem Abkommen ein Frieden wird oder nur eine Pause zwischen den Frequenzen.
Die Drähte summen. Ich bleibe dran.