Die offene Meerenge und das Schweigen der Transponder
Es gibt Sätze, die klingen wie das Versprechen eines Mannes im hellen Anzug, der dir die Hand reicht, während die andere bereits in deiner Tasche steckt. "The Strait is already partially opened", sagte der Präsident dieser Tage in Évian-les-Bains, am Ufer des Genfer Sees, wo die Großen Sieben tagten und die Welt zusah, als wäre sie ein Schachbrett, auf dem Bauern geopfert werden, damit die Könige ihre kleinen Züge machen können. "They're doing a little hunting for a couple of mines that they've already found, but it's essentially ships are starting to go out now; on Friday it will be completely opened." Wir kennen diese Musik. Wir haben sie in München gehört, 1937, und wir haben sie in Genf gehört, als Männer in Vierteljahrhundert-Krawatten erklärten, dass der Frieden "im Wesentlichen gesichert" sei.
Was offen ist, fließt im Dunkeln. Das ist die neue Geografie der Meerenge. Schiffe gleiten an der omanischen Küste entlang, mit ausgeschalteten Transpondern, begleitet von der US-Marine auf einer Route, die keine Tradition kennt, nur die Not. Hundert Millionen Barrel Öl, sagt man, seien durch den iranischen Kordon geschleust worden - das, was vor dem Krieg in fünf Tagen durch die Meerenge floss, braucht nun über einen Monat. Zwanzig Millionen Barrel pro Tag waren es einmal. Heute sind es Schatten, die das Wasser trüben, und Schiffe, die nachts fahren, weil das iranische Regime nach eigenen Regeln entscheidet, was ein "rogue vessel" ist und was nicht. Teheran hat eine Mautstation am nördlichen Ufer installiert. Wer nicht zahlt, wird beschossen. So sieht die neue Souveränität aus: ein Kanonenboot, das den Preis des Friedens festlegt.
Die Internationale Energieagentur nennt es "die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes". Das ist eine jener Phrasen, die in Berichte geschrieben werden, damit die Geschichte später festhalten kann, dass irgendjemand es beim Namen genannt hat. Die Welthandelsorganisation registriert 95 Prozent weniger Rohölexporte aus den arabischen Golfhäfen, 99 Prozent weniger Tanker mit Flüssigerdgas. Rund ein Fünftel des Weltöls reist durch diese Meerenge - oder reiste, denn Präsens und Vergangenheit sind in Hormuz zu einer einzigen, schwitzenden Konjunktion verschmolzen.
Der Präsident sprach von einem "different set of leaders". "The first set is gone, the second set is gone, and we found the third set to be very smart - strong - very smart, but we ended up making a deal. I felt badly that we had to go back on the attack for two nights, and I thought a third, but we made it before that happened." Wir kennen das. Wir haben in Genf zugesehen, 1937 und später, wie Verträge unterzeichnet wurden, die niemand einhielt, und wie Männer in die Kameras lächelten, während ihre Hände andere Dinge unterschrieben. Das Memorandum of Understanding, sagte der Präsident, sei ein "very powerful document", "very different" von Obamas Joint Comprehensive Plan of Action, und werde "pretty soon" veröffentlicht. Vizepräsident JD Vance werde zur Unterzeichnung nach Genf reisen. Der Präsident selbst "may be involved, may not". So stehen die Dinge, wenn die Handschuhe über den Vertragstisch gelegt werden: man ist da, aber nicht wirklich, man unterschreibt, aber bindet sich nicht.
Frankreich und Großbritannien führen die Koalition für die Minenräumung und Patrouille. Frankreich, sagte Präsident Macron, sei bereit, seine "fair share of the burden" zu tragen. Das sind die Worte, die in Communiqués stehen, damit die Geschichte später festhalten kann, dass jemand Verantwortung übernommen hat. Die Last tragen. Das klingt wie das Tragen eines Sargs - man geht ein paar Schritte, dann überlässt man ihn den Trägern.
Während die Schiffe im Dunkeln fahren, sitzt China auf 1,3 Milliarden Barrel Lagerbestand und zapft sie ab, eine Million Barrel pro Tag. Die Chinesen kauften im Dezember noch 12,5 Millionen Barrel täglich; im Mai, Juni, Juli waren es noch sieben. Die Vereinigten Staaten, Brasilien, Kanada springen ein. Das sind die Puffer, die man aufbraucht, stillschweigend, mit Handschuhen, wie alles in diesem Geschäft. Brent fiel unter 80 Dollar, der Aktienmarkt schoss "like a rocket", und alle nickten, als hätten sie es nicht kommen sehen. Die Analysten von FGE NexantECA erwarten, dass "by July, things will change". Bis dahin segeln wir im Halbdunkel.
Die Welt spielt Schach, und man kennt die Züge. Der Präsident öffnet die Meerenge, das Öl fällt, die Lagerbestände schmelzen, und die Schiffe fahren ohne Licht, weil das die Bedingung des Lichts ist. Was offen aussieht, ist oft nur ein Schatten auf dem Wasser, den man von Évian aus für einen Sonnenstrahl hält.