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Die Maschinengewehre und die Richter

20. Juni 2026 — — — Kastner

Man schickt junge Männer in die Kälte, gibt ihnen Gewehre in die Hand und befiehlt ihnen, das Gehörte zu vergessen. Später, Jahrzehnte später, klagen die einen wegen Tinnitus, die anderen werden von Richtern vorgeladen, die nie in jenem Land waren. So sieht die britische Sorgfalt aus, wenn sie sich um die eigenen Leute kümmert.

Ein Soldat, dessen Name in den Akten wie ein Versprecher im Protokoll steht, verlangt fünfundsiebzigtausend Pfund vom Verteidigungsministerium. Er behauptet, sein Gehör sei auf einem Truppenübungsplatz ruiniert worden, als er sich auf den Dienst in Nordirland vorbereitete. Maschinengewehre, ohrenbetäubend, tagaus tagein. Er hat überlebt. Er ist trotzdem taub.

Man stelle sich das vor: Ein junger Mann, vielleicht neunzehn, steht im Schlamm von Wiltshire und lässt sich das Trommelfell zerreißen, damit er bereit ist für Belfast, für Derry, für die Straßen, auf denen britische Soldaten später als Angeklagte vor Gericht gestellt wurden. Er hat nur seine Pflicht getan. Das Land hat seine Pflicht getan — ihn zu schicken, nicht, ihn zu schützen.

Während dieser Soldat also um die Anerkennung seiner Schäden kämpft, stehen die Veteranen der Special Air Service und ihrer Schwesterregimenter vor den Toren der Macht und fordern, was man eine Selbstverständlichkeit nennen könnte, wäre dies ein zivilisiertes Land: Schafft die Gesetze ab, die uns jagen.

Die sogenannte Legacy-Gesetzgebung, jenes fein gesponnene Netz aus dem Northern Ireland Troubles (Legacy and Reconciliation) Act und seinen Vorgängern, erlaubt es, Soldaten noch nach Jahrzehnten wegen Taten während des Konflikts strafrechtlich zu verfolgen. Terroristen wurden durch Frühentlassungen auf freien Fuß gesetzt. Ihre Opfer warten noch immer auf Gerechtigkeit. Und die Männer, die im Auftrag der Krone dort standen, werden nun von Anwälten verfolgt, die sich ein neues Betätigungsfeld suchen, seit die einstigen IRA-Offiziere in ihren Vororten Golf spielen.

Ich kenne diese Mechanik. Ich habe in Genf an Tischen gesessen, an denen Männer lächelnd unterschrieben, was sie nie halten wollten. Ich habe zugesehen, wie die Sprache der Versöhnung zur Sprache der Verfolgung wurde, sobald die Kameras ausgingen. Das hier ist nur die Fortsetzung in Uniform.

Die Special-Forces-Veteranen, jene stillen Profis, die nie ein Buch schreiben und nie eine Klage verlieren, weil sie gar nicht erst klagen, treten nun an die Öffentlichkeit. Sie fordern Labour auf, das Gesetz zu kippen. Sie sagen, die Verfolgung von Veteranen sei ein Verrat an denen, die man losgeschickt hat. Sie sagen es leise, wie es ihre Art ist. Sie sagen es nicht in Zeitungen, sondern in den Sälen, in denen die Macht tatsächlich zuhört — zumindest solange es keine Wähler kostet.

Labour zögert. Natürlich zögert Labour. Man ist ein Mann des Rechtsstaats, heißt es, ein Anwalt der Anwälte, einer, der das Gesetz ernst nimmt. Das ist das Problem. Es gibt Momente, in denen das Gesetz bar jeder Gnade ist, in denen es nur den Schwachen beißt, und der Starke — der Staat, der General, der Minister — steht hinter einer Mauer aus Zuständigkeiten und sagt: Wir prüfen.

Was wird geprüft? Die Akten sind alt. Die Zeugen sterben. Die Soldaten altern. Irgendwann, in zehn oder zwanzig Jahren, wird es keine Verfahren mehr geben, weil es keine Beschuldigten mehr gibt. Das ist die leiseste Form der Erledigung: Warten, bis die Akte sich von selbst schließt. Dann kann man sagen, man habe Gerechtigkeit gesucht. Man habe sie nur nicht mehr finden können.

Der Soldat mit dem Tinnitus wird seine fünfundsiebzigtausend Pfund vielleicht bekommen. Vielleicht auch nicht. Das britische Recht ist ein Labyrinth, und wer mit einem kaputten Gehör hineingeht, hört die Urteile nur noch gedämpft. Die Veteranen, die um die Abschaffung der Legacy-Gesetze kämpfen, werden vielleicht gehört. Vielleicht nicht. Sie haben keine Verbündeten in den Büros, wo die Befehle geschrieben werden, und keine Anwälte, die in der Fleet Street mit dem Bleistift wedeln.

Was bleibt, ist die Frage, die niemand stellen will, weil ihre Antwort das ganze britische Selbstverständnis berührt: Darf ein Staat seine Soldaten in einen Einsatz schicken, der nie als Krieg bezeichnet wurde, ihnen befehlen zu schießen, und sie fünfzig Jahre später vor Gericht zerren, weil das, was sie taten, damals nötig und heute unerträglich ist?

Die Antwort der Veteranen ist klar. Sie sagen: Wir haben getan, was man uns befohlen hat. Wenn das Verbrechen war, dann war der Befehl das Verbrechen. Verfolgt die Befehle. Verfolgt nicht die Männer, die ihr selbst ausgebildet habt, auf Übungsplätzen, deren Lärm sie bis heute nicht vergessen haben.

Es gibt eine Art, wie die Mächtigen mit den Geopferten umgehen: Man ehrt sie mit Paraden, schmückt sie mit Medaillen, und wenn sie unbequem werden, schickt man das Schatzkanzleramt, das Justizministerium, die Anwaltskanzlei. So entsteht die Würde des Staates — als Summe kleiner Demütigungen, die nie offiziell so heißen.

1937 ist lange her. Aber die Maschinerie ist dieselbe. Man gibt jungen Männern Waffen in die Hand, nennt es Dienst, vergisst es, und wenn die Knochen knacken, schreibt man ein Gesetz, das die Schuldigen sucht — und findet immer die falschen.

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