Wie man Frieden nennt, was keiner ist
Man nennt es „Operation Enduring Peace". Man wählt diese Worte mit der gleichen pedantischen Sorgfalt, mit der ein Schneider einen Anzug zusammenfügt, bevor der Kunde erdolcht wird. Enduring. Ausdauernd. Frieden. Drei Silben, die zusammen nichts bedeuten, und gerade deshalb alles bedeuten können.
In den Tagen, bevor Lankien angegriffen wurde, trugen Ärzte Patientinnen aus dem lokalen Hospital. Frauen in den Wehen. Männer mit Schusswunden. Sie taten, was die Konventionen verlangen — nicht weil sie an die Konventionen glauben, sondern weil sie wissen, was kommt, wenn man sie nicht befolgt. Am Abend des dritten Februar, wenige Stunden nachdem die letzten Patienten fortgetragen worden waren, schlug eine Bombe in das leere Gebäude. Ein Krater im Lagerhaus. Eine Nachricht, die in keinem Hauptstadtbulletin erscheinen wird, weil sie zu jenen Nachrichten gehört, die das Protokoll nicht vorsieht.
Die südsudanesische Armee rückte vor, ostwärts durch Jonglei. Eine Region, die seit Langem als Hochburg oppositioneller Gruppen gilt, bewohnt von einem Teil der Nuer, einem Volk, das die Hauptstadt mit der gleichen Beständigkeit als staatsfeindlich einstuft, mit der ich einst in Genf das Wort „stabil" habe verwenden hören, während die Akten längst anderes belegten. Die Operation trägt den oben zitierten Namen. Satellitenbilder des Centre for Information Resilience, kombiniert mit verifizierten Videos und Zeugenaussagen, dokumentieren zwischen Ende Januar und Februar dreiundzwanzig Vorfälle, in denen zivile Strukturen zerstört wurden. Dreiundzwanzig. Die Zahl, die wir haben. Die wahre Zahl kennt niemand — denn in solchen Kriegen kennt die wahren Zahlen immer nur die Seite, die gewinnt.
Emmerson Gono, stellvertretender Missionsleiter von Ärzte ohne Grenzen, besuchte Lankien im April. Was er sah, fasste er in einen Satz, der in den Annalen der höflichen Verzweiflung einen festen Platz verdient: „Anything that can support the life of human beings was deliberately destroyed." Alles, was menschliches Leben erhalten kann, wurde vorsätzlich zerstört. Die Kühlkette zur Aufbewahrung von Impfstoffen verbrannt. Solarbetriebene Wasseranlagen demontiert. Fahrzeuge mit Kugeln durchsiebt und ihrer Teile beraubt. Der lokale Markt zu verbogenem Blech reduziert. Häuser am Stadtrand niedergebrannt.
Ich habe Verträge gelesen. Ich habe in Genf, in Wien, in Räumen gesessen, in denen Männer in guten Anzügen sprachen, als würde jedes Wort vor dem Sprechen gewogen. Ich weiß, wie Friedensabkommen aussehen, wenn sie frisch unterzeichnet sind — die Gesichter weich, die Hände fest, die Fotografen eifrig. Und ich weiß, wie dieselben Abkommen aussehen, wenn die Tinte trocknet. Die Worte ändern sich nicht. Die Taten schon. „Enduring Peace" ist ein solcher Name: gewählt, damit die Archive etwas enthalten, das nach Vernunft klingt, während das, was er beschreibt, das genaue Gegenteil ist.
Beide Seiten werden der Zerstörung beschuldigt — die Armee ebenso wie die Opposition, die in Richtung der äthiopischen Grenze gedrängt wird. So steht es in den Berichten. So steht es immer, wenn die Wahrheit zu einer geometrischen Figur werden soll, deren Ecken niemand sehen will. In Wahrheit, sagt mir das Gedächtnis an zu viele solcher Berichte, liegt die Verantwortung dort, wo die Mittel sind. Wo die Bomben sind. Wo die Logistik ist. Wo der Befehl erteilt und nicht mehr hinterfragt wird.
Die Bewohner flohen am Morgen des siebten Februar in die umliegenden Sümpfe, während Mörserfeuer auf die Stadt niederging. Manche kehrten zurück und beschrieben das Ausmaß der Zerstörung. Frauen, die in jenem Hospital lagen, fanden einen Krater. Männer, die an Schussverletzungen behandelt wurden, fanden Asche. Mehr als ein Dutzend Bewohner sprachen anschließend mit Reportern. Zehntausende, so melden die Berichte, seien an den Rand des Hungertodes gedrängt. Eine Zahl, die ich lese, ohne zu frösteln. Man muss so lesen. Wer fröstelt, kann nicht zuhören. Und wer nicht zuhört, kann nicht sehen, was zwischen den Zeilen steht.
Die Überschrift wird bleiben. „Operation Enduring Peace." Sie steht in den Protokollen, wenn die Bomben längst vergessen sind. Sie steht in den Berichten, wenn die Kinder, die in den Sümpfen geboren wurden, längst erwachsen sind. Sie steht da, hartnäckig, ausdauernd — enduring —, während das, was sie beschreibt, längst zu dem wurde, was Frieden immer war, wenn man ihn Männern überlässt, die lächeln, während sie logen.