SpaceX vor dem Börsengang: Seefrau fischt Raketenteile, Aktien für den Mars
Rund 555 Millionen Aktien. 135 Dollar das Stück. 75 Milliarden, die eingesammelt werden sollen. Eine 27-jährige Frau, die Raketenteile aus dem Meer fischte und zehn Prozent ihres Lohns in Anteile steckte. Und ein Unternehmen, das mit 1,75 Billionen Dollar bewertet werden soll — bevor ein einziger Mars-Staub unter den Stiefeln knirscht.
Das ist die Rechnung, die am 12. Juni an der Börse aufgemacht wird. SpaceX, das Raumfahrtimperium des Elon Musk, will an die Öffentlichkeit. Die Geschichte der jungen Seefahrerin Maryellyn Musselman macht seit Tagen die Runde — zuerst beim US-Finanzportal Moneywise, dann weitergetragen.
Ich übersetze: Eine Frau auf einem Bergungsschiff, die mit anpackt, wenn Trümmer ins Wasser fallen. Zehn Prozent ihres Gehalts wandert in Firmenanteile. Keine abstrakte Wette, sagt sie. Teil ihrer Vergütung. Klingt nach Treue. Klingt nach: ich glaube an das, was wir hier bauen.
Klingt auch nach: gebündeltes Risiko.
Denn das ist der Kern, den man sich merken muss. Mitarbeiteraktien sind kein Geschenk. Sie sind eine Kette. Dein Einkommen hängt am selben Arbeitgeber wie dein Vermögen. Geht die Firma baden, verlierst du beides auf einmal. Geht sie durch die Decke, verdienst du doppelt — aber du darfst vielleicht monatelang nicht verkaufen.
Wer vor Jahren einstieg, zahlte einen Bruchteil dessen, was jetzt aufgerufen wird. Frühe Beschäftigte erhielten Pakete zu Bewertungen, die heute nach Kindergeld aussehen gegen die 1,75 Billionen, die Reuters der Firma zuschreibt. Wer jetzt kauft, kauft die Zukunft — und die ist teuer eingepreist.
Mars-Missionen. Satelliteninternet. KI-Infrastruktur. Anfang 2026 wurde SpaceX mit Musks KI-Firma xAI zusammengeführt. Rechenzentren, Satellitennetze, Raumfahrtprogramme — alles verschlingt Kapital, bevor es stabile Renditen liefert. Die Fantasie ist groß. Die Komplexität ist es auch.
Ich kenne das Muster. Als ich anfing, Drähte zu tippen, galten Telegraphenaktien als heißes Geld. Wer früh dabei war, wurde reich. Wer zu spät kam, zahlte die Quittung für eine Technologie, die noch lernen musste, was sie wirklich konnte. Die Drähte summten — aber wem gehörten sie?
SpaceX ist heute dominierend im kommerziellen Raumfahrtgeschäft. Das ist keine Behauptung, das ist Fakt. Raketen landen auf Plattformen im Meer. Starlink-Satelliten umkreisen die Erde wie ein metallener Schwarm. Das funktioniert. Aber eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar setzt voraus, dass alles gleichzeitig skaliert — und dass der Himmel den Plan aufnimmt.
Für Musselman und Tausende andere SpaceX-Beschäftigte geht es jetzt um Liquidität. Papiervermögen wird erst durch Verkauf real. Sperrfristen, interne Regeln, Marktbedingungen — wer wann wie viel loswerden kann, ist eine eigene Wissenschaft. Nach großen Börsengängen schwanken die Kurse oft heftig. Wer zu früh verkauft, verschenkt Gewinn. Wer zu spät verkauft, schaut in einen fallenden Kurs.
Mitarbeiteraktien können Vermögen schaffen, wenn Unternehmen stark wachsen. Sie bündeln aber alles in einer Hand. Für neue Anleger ist die Story weniger romantisch. Sie kaufen keine Vergangenheit. Sie kaufen eine extrem hoch bewertete Zukunft — inklusive aller Risiken, die Musk, xAI, Starlink und die noch unbezahlten Mars-Rechnungen mit sich bringen.
Die Frage ist nicht, ob Raketen fliegen. Die Frage ist, wer fliegt mit — und wer bleibt am Boden, wenn der Kurs korrigiert.
Ich sitze hier mit kaltem Kaffee und Lötzinn-Geruch und denke an eine Frau auf einem Schiff, die Teile aus dem Wasser holt. Zehn Prozent ihres Lohns. Das ist kein Zufall. Das ist eine Wette auf das, was man baut — und auf die, die es bezahlen.
Am 12. Juni wird sich zeigen, ob die Rechnung aufgeht.