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Makerfield, oder: Wie das Volk seinen Henker wählt

21. Juni 2026 — — — Kastner

Man stelle sich einen Tisch vor, an dem Gentlemen sitzen, die einander die Hände reichen, während ihre Füße nach den Schienbeinen des Gegenübers treten. So ungefähr sieht britische Politik im Sommer des Jahres 2026 aus, und wer je in Genf an einem Verhandlungstisch saß, der weiß: Es kommt nicht darauf an, was oben gesagt wird. Es kommt darauf an, was unten getan wird. Die Handschuhe trägt man in solchen Räumen nicht, um die Hände zu schützen. Man trägt sie, um keine Spuren zu hinterlassen.

In Makerfield, einem blauen Arbeiterviertel im Norden Englands, findet diese Woche eine Nachwahl statt. Sie könnte das Ende von Sir Keir Starmer besiegeln — jenes Mannes, der einst versprach, die Labour-Partei aus dem Sumpf des Corbynismus zu ziehen, um sie dann, auf eine Weise, die niemand mehr recht zu beschreiben vermag, genau dort wieder abzulegen. Die Wähler, denen er einst die Hand drückte, haben das nicht vergessen. Sie haben es nur höflich übergangen, bis es unhöflich wurde.

Der Mechanismus ist so alt wie die englische Parlamentsgeschichte, und gerade deshalb so zuverlässig. Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester, ehemaliger Minister unter Tony Blair, ein Mann mit dem ehrgeizigen Lächeln eines Menschen, der das Lächeln vor dem Spiegel übt, möchte Starmer aus dem Amt hebeln. Dazu braucht er einen Sitz im Unterhaus. Also räumte der amtierende Labour-Abgeordnete seinen Platz. In Westminster nennt man das eine "coronation". In der Sprache der Mechanik ist es eine Hinrichtung mit eigener Hand.

Aber Burnham hat die Rechnung ohne das Volk gemacht. Die Wähler von Makerfield waren einst das Rückgrat der Labour-Partei — die Bergarbeiter, die Fabrikarbeiter, die Menschen, die morgens um fünf aufstehen und nicht wissen, ob ihr Arbeitsplatz am Abend noch existiert. Diese Wähler fühlen sich von Labour nicht mehr vertreten. Sie sehen eine Partei der intellektuellen Eliten, der Londoner Stadtteile, in denen das Wort "white privilege" so leicht fällt wie der Regen. Sie sehen eine Partei, die Masseneinwanderung förderte und über Geschlecht und Rasse dozierte, während ihre Krankenhäuser verfielen und ihre Straßen unsicher wurden. Sie sehen, kurz gesagt, den Verrat.

Also treten sie aus. Sie treten über zu Nigel Farage und seiner Reform-Partei, und hier wird die Sache interessant, denn Farage ist jener Mann, der das Königreich in den Brexit stürzte und seither das Wetter macht. Er ist der ewige Außenseiter, der zum Insider wurde, ohne jemals einer zu sein. In Makerfield liegt seine Partei gleichauf mit Labour. Auf des Messers Schneide, wie man sagt.

Doch Farage hat sein Schimmern eingebüßt. Politische Kehrtwendungen, dazu der Umstand, dass prominente Politiker der verachteten Conservative Party zu ihm überliefen wie Ratten von einem sinkenden Schiff, haben den Verdacht genährt, dass auch er nur ein Politiker sei. Einer jener Männer, die das Richtige sagen, bevor es schlimm wird, und das Falsche tun, wenn niemand mehr hinsieht.

Während all dessen beobachtet man in Washington mit wachsender Beunruhigung den Niedergang des britischen Modells. Vizepräsident J.D. Vance, der Tech-Mogul Elon Musk — sie alle sprechen von der Erosion einer historischen Identität, die einmal das Selbstbewusstsein der Welt war. Man mag über diese Männer denken, was man will, aber sie haben ein Gespür für tektonische Verschiebungen. Sie wittern den Riss, lange bevor er die Oberfläche erreicht.

Über allem schwebt das Gespenst des 22. Juli. An diesem Tag soll in London ein Gipfel zwischen Großbritannien und der Europäischen Union stattfinden, ein "Reset-Deal", wie man ihn nennt, als wäre Außenpolitik eine Tiefkühlpizza, die man nach Anleitung wieder warm macht. Ob Sir Keir dann noch Premierminister sein wird, ist die Frage, die alle anderen Fragen aufhebt. In Westminster sagt man, er befinde sich in einem "vulkanischen Zorn" über Burnhams Verrat. Man sagt auch, er höre nur noch auf seine Frau. Beides, so darf man annehmen, ist wahr.

Die Tory-Vorsitzende Kemi Badenoch hat unterdessen erklärt, sie werde niemals ein Bündnis mit Farage eingehen. Das ist, diplomatisch gesprochen, eine Position. In der Sprache der Mechanik ist es ein selbstgelegter Stolperstein.

Makerfield also, in der Architektur dieser Woche, ist mehr als eine Nachwahl. Es ist ein Schachbrett, auf dem die Bauern sich einigermaßen sicher wähnen, während die Könige längst wissen, dass das Spiel verloren ist. Die Frage ist nicht, wer in Makerfield gewinnt. Die Frage ist, was nach Makerfield noch übrig bleibt von einem Land, das sich nicht mehr im Spiegel erkennt.

In Genf habe ich einmal einen Mann erlebt, der einen Vertrag unterzeichnete und dabei lächelte. Er wusste, dass er ihn brechen würde. Alle wussten es. Die Feder kratzte über das Papier, die Kameras blitzten, und die Welt applaudiert einem Schauspiel, das nur die Eingeweihten durchschauen. In Makerfield, dieser Woche, wird wieder unterschrieben. Es ist immer wieder dasselbe Papier. Nur die Handschrift ändert sich.

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