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Zwölf Nullen, ein Lächeln, und die Mathematik der Macht

21. Juni 2026 — — — Kastner

Er hat uns einmal mehr daran erinnert, dass die Geschichte nicht von Völkern geschrieben wird, sondern von denen, die sich einbilden, größer zu sein als die Zahlen. 2026, dieses seltsame Jahr, in dem die Menschheit offenbar nichts Besseres zu tun hat, als einen ihrer Mitbürger zum ersten Billionär der Weltgeschichte zu küren — wenn auch, wie es in solchen Fällen höflich heißt, "nur auf dem Papier". Das Papier, man erinnere sich, war schon immer der bevorzugte Stoff der Mächtigen.

Es war ein Freitag, als SpaceX, diese Raketenfirma, die weniger als neunzehn Milliarden Dollar Umsatz macht und tief in den roten Zahlen steckt, den größten Börsengang aller Zeiten hinlegte. Man darf sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen: der größte Börsengang aller Zeiten. Für ein Unternehmen, das Geld verbrennt, als gäbe es kein Morgen — und in seinem Geschäftsfeld gibt es bekanntlich häufig kein Morgen. Die Börse hat gejubelt. Die Börse jubelt immer, wenn sie jemanden findet, der ihr Geschichten erzählt, die schöner sind als die Bilanzen.

Elon Musk, Multimilliardär, nun also Multimilliardär mit einem Vermögen, das eine Eins ist, gefolgt von zwölf Nullen. Man schreibt das so leicht hin, diese zwölf Nullen. Sie sehen aus wie eine kleine Verzierung, wie das Ornament auf einem Tafelaufsatz aus einer Zeit, in der die Reichen noch Geschmack hatten. Aber sie sind kein Ornament. Sie sind die Mathematik der Scham.

Ich habe in Genf Männer erlebt, die lächelnd Zahlen in den Raum stellten, die niemand nachprüfen sollte. Es ist das älteste Spiel der Macht: nicht lügen, sondern die Größenordnung verschieben. Dem Gesprächspartner einreden, dass eine Million und eine Milliarde sich ungefähr so zueinander verhalten wie eine Milliarde und eine Billion. Drei Nullen, drei weitere Nullen — easy, sagen die Strategen. Easy, sagt der Mensch auf der Straße, der intuitiv den Sprung von der Million zur Milliarde genauso gewaltig einschätzt wie den von der Milliarde zur Billion. Eine wunderbare Verwechslung. Sie macht den Unterschied zwischen einem reichen Mann und einem Mann, der reicher ist als sechsundvierzig Prozent der ärmsten Bevölkerung dieser Welt, zu einer freundlichen Petitesse.

Dietmar Deffner hat es ausgesprochen, ganz nüchtern, im deutschen Fernsehen: "Musk ist reicher als 46 Prozent der ärmsten Bevölkerung der Welt." Diesen Satz sollte man sich merken. Nicht weil er schockiert — Schock ist die billigste Währung der Gegenwart —, sondern weil er eine Form besitzt, die keiner mehr hören will. Sechsundvierzig Prozent. Eine Zahl, hinter der Gesichter verschwinden, ganze Landstriche, ganze Lebensläufe. Ein einziges Vermögen, gleich schwer wie die Armut von fast der halben Menschheit.

Wer eine Million besitzt, hat eine kluge Stimme im "Spektrum" angemerkt, muss neunhundertneunundneunzig weitere Millionen verdienen, um Milliardärin zu werden. Wer Milliardärin ist, muss hingegen neunhundertneunundneunzigtausendneunhundertneunundneunzig weitere Millionen ergattern, bis sie Billionärin ist. So geht das. Immer weiter. Immer dieselbe Mechanik. Und immer derselbe Trick: dass uns das Gehirn, dieses wunderbar fehlerhafte Instrument, sagt, die Sprünge seien gleich groß. Drei Nullen, immer drei Nullen.

Die Wahrheit ist: Sie sind es nicht. Sie verzehnfachen sich, jedes Mal. Aber wer will das schon hören, wenn die Geschichte, die ihm erzählt wird, so schön ist? Ein Mann, der Raketen baut. Ein Mann, der Autos baut. Ein Mann, der das Weltall besiedeln will. Ein Mann, dessen Bilanz rot ist, dessen Aktionäre dennoch klatschen, dessen Vermögen dennoch wächst. Es ist, als würde jemand gleichzeitig ein Haus abreißen und dafür ein Königreich erhalten.

Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Nicht weil ich zart besaitet bin, sondern weil man die Tinte nicht auf der Haut haben will. Sie hinterlässt Flecken, die schwer wieder abgehen. Was Musk betrifft, so hat er keine Tinte an den Händen. Er hat Zahlen. Zahlen, die so groß sind, dass niemand mehr nachprüft, was sie bedeuten. Und das, meine Damen und Herren, ist der eigentliche Börsengang: nicht der einer Raketenfirma, sondern der einer Vorstellungskraft, die wir nicht mehr bezwingen können.

Man hat mir früher, in den Korridoren, in denen Verträge unterzeichnet und nie eingehalten wurden, beigebracht, auf den Anhang zu achten. Auf das Kleingedruckte. Auf die Stelle, an der, zwischen den Wohltätigkeitsbekundungen, ein Satz steht wie: "Abgesehen von den moralischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen." Abgesehen von. Das ist die schönste Floskel der Macht. Sie räumt beiseite, was wichtig wäre, mit der Höflichkeit einer Handbewegung.

Hier also mein bescheidener Vorschlag für ein neues Jahr, ein neues Jahrzehnt, ein neues Jahrhundert: Wir hören auf, die Nullen zu zählen. Wir fangen an, sie zu wiegen. Und wenn sie zu schwer werden, dann fragen wir, wer sie hält, und warum wir glauben, dass einer allein sie tragen darf.

Die zwölf Nullen des Herrn Musk sind kein Vermögen. Sie sind ein Fragezeichen, das sich aufgerichtet hat und nun auf uns alle herabschaut. Und wir, wir schauen zurück, höflich lächelnd, wie man es uns beigebracht hat, und reichen dem Größeren die Hand, ohne uns zu fragen, ob wir damit nicht längst unsere eigene losgelassen haben.

✦ Ende des Artikels ✦
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