Neunhundert Millionen für Tankcontainer — Die Prepper-Box der Uni-Chefin
Die Drähte summen. Ich höre, was andere nicht hören wollen. Neunhundert Millionen Euro für Stahlblech mit Sprit drin. Tankcontainer, technische Spezifikation TCK 9 m³. Das sind Würfel mit neun Kubikmetern Inhalt, konstruiert für den militärischen Kraftstofftransport. Zweihundert Stück bereits bestellt. Viertausend weitere sollen hinzukommen, so steht es in der Drucksache 3561 des Haushaltsausschusses. Die Preise haben sich verdoppelt. Die Haushälter im Bundestag wollen das nicht einfach hinnehmen.
Das ist das Muster, das ich seit Jahren auf den Frequenzen höre. Erst wird bestellt. Dann wird nachverhandelt. Dann kostet das Stück plötzlich das Doppelte. Wer profitiert? Die Rüstungsindustrie, die in einem Markt ohne nennenswerten Konkurrenzdruck ihre Preise diktieren kann. Wer zahlt? Der Steuerzahler, der die Schuldenbremse außer Kraft setzen musste, damit das Geld überhaupt fließt. Die Bundeswehr hat gerade viel Geld, heißt es in den Depeschen aus Berlin. Viel Geld, das doppelt so teuer ist wie ursprünglich veranschlagt. Das ist keine Panne. Das ist ein Strukturmerkmal der Beschaffung.
Aber das ist nur die eine Frequenz. Die andere kommt aus München-Neubiberg, von der Bundeswehruniversität. Eva-Maria Kern ist seit 2023 Präsidentin dieser Einrichtung. Eine Ingenieurin. Eine Professorin für Wissenschaftsmanagement. Eine gebürtige Österreicherin, die in deutschen Diensten steht. Sie sagt, was viele denken und wenige aussprechen: Es könnten schwere Zeiten kommen. Sie fordert ein Umdenken — in der Politik, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft insgesamt. Sie hat eine Prepper-Box im eigenen Keller.
Das ist das Detail, das die Leserinnen und Leser nachts wachhält. Eine Frau, die eine Universität leitet, die den Nachwuchs der Offiziere ausbildet, hält Vorräte im Keller bereit. Nicht für sich allein. Für alle Fälle. Natürlich will niemand sein Kind im Krieg wissen, sagt sie. Aber die Box steht im Keller, und die Tankcontainer werden bestellt. Die Logik ist kalt: Wer den Ernstfall für möglich hält, muss ihn vorbereiten. Wer ihn vorbereitet, muss Geld ausgeben. Wer Geld ausgibt, muss kontrollieren, wer es bekommt.
Kern will eine Wissenschaft, die sich mit Verteidigung auseinandersetzt. Sie will den Dialog mit jungen Menschen suchen, um sie zu stärken, um sie auf multiple Krisen vorzubereiten. Die junge Generation soll nicht als Kanonenfutter enden — oder soll sie es doch? Die Debatte über den Wehrdienst spaltet das Land. Sieben Stimmen aus dem Münchner Umland, sieben verschiedene Antworten. Die einen wären bereit, ihr Land zu verteidigen. Die anderen wollen nicht verheizt werden.
Ich bin Technologiereporterin. Ich übersetze Frequenzen. Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee, und die Tasten klappern, seit man mir erlaubt hat, sie zu drücken. Frauen hatten in diesem Beruf nichts verloren. Ich schreibe trotzdem.
Was ich hier höre, auf der Leitung zwischen Berlin und München: Eine Gesellschaft rüstet sich für den Ernstfall, ohne die Strukturen zu reformieren, die den Ernstfall produzieren. Neunhundert Millionen für Stahlblech, das plötzlich das Doppelte kostet, weil der Markt es hergibt. Eine Uni-Präsidentin mit Vorräten im Keller, die gleichzeitig nach einer Wissenschaft ruft, die den Ernstfall überhaupt denkbar macht. Junge Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen die Uniform anziehen müssen. Eltern, die ihre Kinder in eine Unsicherheit schicken, für die es keinen Plan gibt — nur eine Prepper-Box und eine Beschaffungsliste.
Wer kontrolliert das? Theoretisch der Haushaltsausschuss, der die ungewöhnlichen Forderungen prüft. Praktisch diejenigen, die das Blech liefern und den Zeitpunkt der Verdopplung bestimmen. Wer profitiert? Die Industrie, die Aufträge ohne Wettbewerb erhält, weil der Staat in Eile ist. Wer zahlt den Preis? Die junge Generation, die in eine Zukunft geschickt wird, die keine Zukunft sein muss, wenn die Drähte weiter so summen.
Die nächste Frequenz ist bereits auf der Leitung. Sie kommt aus den Werkshallen, in denen die Container geschweißt werden. Aus den Kasernen, in denen die Pläne sortiert werden. Aus den Kellern derjenigen, die wissen, was kommen kann.
Ich höre hin. Ich übersetze. Die Depesche geht raus.