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Midas, Bambi und das fünf Millionen Pfund schwere Weltall

23. Juni 2026 — — — Kastner

Manche Namen sind keine Namen, sie sind Visitenkarten, die das Kind noch nicht einmal aussprechen kann. Molly-Mae Hague, deren Tochter den Waldgeist-Namen Bambi trägt, hat ihren neugeborenen Sohn Midas getauft, und das ist, als würde man einem Säugling eine Visitenkarte um den Hals hängen, auf der in Goldbuchstaben steht: Erwartet von mir. Der mythische König aus Phrygien verwandelte bekanntlich alles, was er berührte, in Gold, und es ist schwer, nicht an die schiefe Logik des Mythos zu denken, in der Berührung zur Gier wird und Gier zur Strafe. Doch in der Architektur des modernen Ruhms, in dieser sorgfältig komponierten Welt aus Make-up-Paletten und Millionen-Pfund-Villen, bedeutet Midas schlicht: Alles, was dieses Kind anfasst, wird zu Content. Das Raumfahrt-Themenzimmer ist die Bühne, die Wiege ist der Vertrag, und der Name ist die Klausel, die niemand verhandelt.

Man betrete das £5-Millionen-Anwesen der jungen Familie — man betrete es nicht wirklich, man werde eingelassen, via gestylter Instagram-Posts, die das Privateigentum in halböffentliches Spektakel verwandeln. Bambis neues Zimmer erstrahlt im Makeover-Glanz, das des Bruders im Sternennebel-Look, und beide Räume sind weniger Kinderzimmer als Set-Designs für eine fortlaufende Erzählung, in der das eigene Leben zur permanenten Bühne wird. Molly-Mae, einst Influencerin, dann Love-Island-Gewinnerin, dann Markenbotschafterin für Schönheit und Selbstoptimierung, versteht instinktiv, wofür Diplomaten Jahrzehnte brauchen: dass Sichtbarkeit eine Verhandlungsmasse ist, und dass man Kindern am besten einen Namen gibt, der sich selbst vermarktet, bevor sie laufen können.

Bambi. Midas. Wald und Gold. Die Natur, vermählt mit dem Kapital. Es ist ein Symbolismus, der in seiner Schamlosigkeit fast wieder ehrlich wirkt, weil er gar nicht mehr so tut, als sei er etwas anderes als das, was er ist: eine Verpackung. Und während die Fans sich empören — wie könne man einem Kind einen solch schwer auszusprechenden Namen geben, fragt das Volk, das selbst seine Hunde nach Kaffeegetränken benennt —, staunt ein anderer Teil der Öffentlichkeit über das, was die Boulevard-Presse huldvoll als post-baby look bezeichnet, als sei Schwangerschaft eine Art chemischer Prozess, aus dem die Frau als veredelte Version ihrer selbst hervorgeht. Die Stirn glatt, das Haar geföhnter denn je, die Proportionen des Körpers in jene Norm zurückgeführt, die das Kapital als fit und ready definiert. Man bewundert nicht die Genesung, man bewundert die Performance der Genesung, und das ist ein feiner, aber wesentlicher Unterschied.

Hinter dem Vorhang, meine Damen und Herren, spielt sich dasselbe ab wie in jedem Vertragsraum, in dem ich je gesessen habe. Es wird ein Dokument aufgesetzt, es werden Unterschriften gesammelt, und im Kleingedruckten steht, was die Kameras nie zeigen. Der Kinderwagen ist ein Statement, die Namenswahl eine Pressemitteilung, das Themenzimmer ein Drehbuch, und das £5-Millionen-Haus ist die Sicherheit, die man sich verschafft, weil man weiß, dass die Halbwertszeit der Aufmerksamkeit kürzer ist als die einer politischen Mode. Man nennt die Mechanismen beim Namen, die Bambi und Midas am Ende einmal verstehen werden, wenn überhaupt: dass sie nicht nur Kinder sind, sondern auch Figuren in einer Geschichte, die ihre Eltern begonnen haben, und die sie, ob sie wollen oder nicht, weiterschreiben müssen.

Ich trage Handschuhe, immer. Auch wenn ich das hier schreibe. Besonders dann.

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