Sechs Tage Hitzedom über dem Königreich
Es gibt Sätze, die in den Protokollen stehen, und es gibt Sätze, die in den Köpfen derjenigen stehen, die sie einst unterschrieben haben. Wenn das Met Office dieser Tage verkündet, die Temperaturen würden sich ab Donnerstag auf 30 Grad zubewegen, dann ist das keine meteorologische Vorhersage — es ist die nüchterne Beobachtung eines Staates, der seine eigene Hitzewelle mit dem klinischen Auge eines Buchhalters zur Kenntnis nimmt, der die Bilanzsumme des kommenden Quartals prüft.
Die britische Regierung, so melden die Agenturen, hat eine Hitzegesundheitswarnung herausgegeben — gelb, wohlgemerkt, nicht orange, nicht rot. Eine gelbe Warnung, als handele es sich um eine Wetterkapriole und nicht um eine sechs Tage währende Hitzekuppel, die London am Wochenende heißer werden lässt als Ibiza, als sei die geographische Hierarchie der Wärme lediglich eine Frage der Verwaltung. Hunderte Schulen werden vorzeitig schließen. Die Bevölkerung wird angewiesen, Reisen auf das Notwendigste zu beschränken. Es ist, als empfehle ein Kapitän, dessen Schiff bereits Schlagseite hat, den Passagieren, sich setzen zu bleiben, während die Luken offen stehen und das Wasser steigt.
Ich habe in Genf Verträge gesehen, die nie eingehalten wurden. Ich habe Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während sie logen. Und ich habe gelernt, dass die gefährlichste Form der Täuschung nicht die ist, die man ausspricht, sondern jene, die man in Druckanweisungen verpackt und mit dem Wappen der Krone versieht. Wenn das Met Office von einem Hitzedom spricht — jenem atmosphärischen Phänomen, bei dem ein Hochdruckgebiet die warme Luft wie ein Deckel über einem Topf festhält —, dann ist auch dies eine Metapher, die über das Meteorologische hinausweist. Denn was ist ein Staat anderes als eine Ansammlung von Deckeln, die über Töpfe gehalten werden, damit niemand sieht, was darunter brodelt?
Die Schulen schließen. Das ist die humanitäre Geste, die immer dann erfolgt, wenn die Infrastruktur versagt — als wäre die vorzeitige Schließung eines Schulhauses ein Akt der Fürsorge und nicht das Eingeständnis dessen, dass die Räume nicht gebaut wurden für eine Welt, in der der Juni dreißig Grad misst. Man rät von nicht notwendigen Reisen ab. Man rät, als sei das Reisen eine Laune und nicht eine Notwendigkeit, eine Arbeitspendelei, ein Krankenbesuch, ein Weg zum nächsten Supermarkt, an dessen Kasse ohnehin die Schlange steht bei einer Temperatur, die den Asphalt flüssig werden lässt.
London, heißer als Ibiza. Der Satz klingt wie eine Pointe aus dem Munde eines Mannes, der das Klima für einen Witz hält, den die Geschichte über ihn erzählen wird. Er steht in den Meldungen, nüchtern, fast beiläufig, und niemand fragt, was es bedeutet, wenn eine Hauptstadt, die einst für ihren Nebel berühmt war, zur Konkurrenz für mediterrane Urlaubsziele wird. Niemand fragt, weil das Fragen eine politische Handlung wäre, und politische Handlungen erfordern Verantwortlichkeit, und Verantwortlichkeit ist, wie wir alle wissen, eine Währung, die in den Tresoren des Vereinigten Königreichs seit langem nicht mehr gewechselt wird.
Dann waren da die Gewitter. Sie kamen, bevor die Hitze kam, wie ein Vorhang, der fällt, bevor das eigentliche Stück beginnt. Das Land wurde von ihnen gebeutelt — so steht es in den Berichten, ein Verb, das an ältere Zeiten erinnert, an die Zeit, als das Wetter noch ein Akt der Natur war und nicht ein Symptom der Bilanzen, die anderswo geschrieben werden. Die Gewitter gingen, die Hitze blieb. Und mit der Hitze kam die Aussicht auf den heißesten Tag, den diese Insel je gemessen hat — keine Ausnahme mehr, sondern eine Visitenkarte, die das Klima regelmäßig abgibt, höflich, mit Handschlag, in einem Land, das den Handschlag erfunden zu haben glaubt.
Sechs Tage. Eine gelbe Warnung. Ein Hitzedom. Schulen, die schließen. Straßen, die leer bleiben sollen. Dies ist die Architektur der Fürsorge im einundzwanzigsten Jahrhundert: eine Regierung, die ihre Bürger vor der Sonne warnt, als wäre die Sonne ein ausländischer Aggressor, den man mit Reisebeschränkungen und Schulbesuchsverboten in Schach halten kann. Die Sonne aber, verehrte Leserinnen und Leser, lässt sich nicht einreisen. Sie lässt sich nicht aufhalten. Und sie lässt sich, allen Protokollen und gelben Warnungen zum Trotz, auch nicht um Erlaubnis fragen, bevor sie kommt.
Ich trage Handschuhe. Auch beim Schreiben. Besonders dann, wenn ich über Hitze schreibe.