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Zwei Städte, ein Riss — die Demokratische Partei vor ihrer eigenen Tür

24. Juni 2026 — — — Kastner

Washington hat gewählt. New York hat gewarnt. Und zwischen diesen beiden Städten öffnet sich ein Spalt, der tiefer reicht als jede Wahlurne, die in dieser Woche geleert wurde.

Robert White, dreiundsechzig Komma zwei Prozent, Stadtverordneter der Hauptstadt, wird der erste neue Delegierte des Kongresses aus Washington seit sechsunddreißig Jahren. Eleanor Holmes Norton, neunundachtzig, ging. Sie ging, weil sie gehen musste, und sie ging, wie sie gehalten hatte: mit Händen, die sich an ein Möbelstück klammern, das niemand mehr sehen wollte. Die Polizei notierte in einem Bericht das Wort „Demenz, frühes Stadium". Betrüger, die sich als Reinigungskraft ausgaben, zogen viertausendvierhundert Dollar von ihrer Kreditkarte, ohne dass die Frau es bemerkte, der diese Stadt sechsunddreißig Jahre lang ihr Gesicht geliehen hatte. Das ist keine Bosheit. Das ist das Ende eines sehr langen Marsches, bei dem niemand den Stuhl beiseite gerückt hat.

White tritt in diesen Schatten mit dem Versprechen, wacher zu sein, jünger, hungriger. Seine Gegenkandidatin Brooke Pinto, einundzwanzig Komma fünf Prozent, brachte das Geld mit, das Gesetz-und-Ordnung-Programm, das Geschäftsfreundliche, und eine siebenundsechzigseitige Oppositionsforschungs-Akte, deren Schwärzungen so nachlässig gesetzt waren, dass Whites Privatadresse lesbar blieb. Sie entschuldigte sich später. Das ist das Mindeste, was man in einer Stadt tut, in der die Mächtigen voneinander wissen, wo sie wohnen.

Doch dies ist nicht die Geschichte eines lokalen Wahlkampfs. Dies ist die Geschichte einer Partei, die sich gerade selbst zerlegt, sehr leise, sehr methodisch, mit dem Lächeln von Männern, die nicht zugeben wollen, dass sie bluten.

Denn in derselben Woche, in der Washington den Wechsel vollzog, stand Zohran Mamdani, vierunddreißig, demokratischer Sozialist und Bürgermeister von New York, im Kings Theatre in Brooklyn und sprach das aus, was die Establishment-Demokraten seit Monaten nicht über die Lippen bringen wollten. „Wenn wir unseren Job weiterhin als Verwaltung des Niedergangs verstehen", sagte er vor Tausenden, „statt als Lieferung materieller Veränderung für arbeitende Menschen — diese alte Denkweise wird am Dienstag verlieren, und sie wird in South Carolina verlieren und in New Hampshire, und sie wird die zweihundertsiebzig Wahlmännerstimten verfehlen." Das Publikum applaudierte. Bernie Sanders, vierundachtzig, neben ihm, sagte: „Herumdoktern an den Rändern wird nicht mehr funktionieren in diesem gefährlichen und beispiellosen Moment der amerikanischen Geschichte."

Hakeem Jeffries, der Fraktionsführer im Repräsentantenhaus, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Adriano Espaillat im dreizehnten Bezirk unterstützt — gegen den Mamdani nun Darializa Avila Chevalier ins Rennen schickt. Gouverneurin Kathy Hochul stand neben Dan Goldman im zehnten Bezirk, gegen den der ehemalige Stadtkontrolleur Brad Lander antritt. Im siebten Bezirk, offen, geht Assembly Member Claire Valdez ins Feld. Zwei Apparate. Zwei Flügel. Eine Stadt. Jeffries, von Fox 5 gefragt, ob er und Mamdani sich „grundsätzlich uneinig" seien, antwortete genau so: Man habe sich geeinigt, „nachdrücklich uneinig" zu sein. Es ist die Sprache der Höflichkeit, die das Töten einleitet. Cory Booker, Senator von New Jersey, am Freitagmorgen auf CNN, widersprach nicht. Er sagte, die Partei müsse „weit weniger besorgt um sich selbst" sein. Das war genug. Das war schon zu viel.

Was hier zwischen Washington und New York stattgefunden hat, ist keine Scharmützel-Saison. Es ist die Ouvertüre zu einem Rennen um das Weiße Haus im Jahr zweitausendachtundzwanzig, das bereits begonnen hat, wie Mamdani es formulierte: „Es beginnt jetzt. Es beginnt am Dienstag." Die Vorwahlen am dreiundzwanzigsten Juni, die Frühwahl läuft noch bis zum einundzwanzigsten, gelten als Eröffnung eines längeren nationalen Kampfes.

Die Mechanismen sind alt. Ich habe sie in Genf gesehen. Ein Vertrag wird unterzeichnet, ein Protokoll wird aufgesetzt, und während die Kameras blitzen, lächeln die Männer, die wissen, dass sie den Text nicht halten werden. Hier verhält es sich nicht anders. Die Demokratische Partei hat in den vergangenen Monaten eine Serie progressiver Vorwahlsiege errungen — von New Jersey über Ohio bis Maine —, und sie hat diese Siege Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders zu verdanken, und einer Wählerschaft, die unter vierzig ist, die mietet, die weiß, dass sich die Gleichung nicht mehr rechnet. Die Partei hat diese Siege gefeiert, ohne die Konsequenzen zu ziehen.

Nortons Abgang war das Symbol, das niemand haben wollte. Eine Frau, die fünfunddreißig Jahre lang die Delegierte Washingtons gewesen war, ging nicht, weil sie gehen wollte, sondern weil die Maschinerie hinter ihr den Hebel umlegte. Sie konnte sich nicht erinnern, ob sie kandidiert. Sie wurde von Menschen betrogen, die ihre Tür putzen wollten und ihre Kreditkarte mitnahmen. Das ist die Hauptstadt der Macht, die ihre eigene Vertreterin nicht zu schützen vermochte. Siebenhunderttausend Einwohner, keine Stimme im Kongress. Vierundsechzig Prozent der Wähler Washingtons stimmen demokratisch, und sie erhalten einen Delegierten, der in Ausschüssen sitzen und zuhören darf, wie abgestimmt wird über das, was sie betrifft. Das ist die Architektur dieser Republik, die sich selbst eine Demokratie nennt.

White wird den Sitz im November mitnehmen, das weiß man in Washington. Er tritt an gegen Republikaner, die keine Chance haben, und gegen die Erinnerung an eine Frau, die sechsunddreißig Jahre lang das Gesicht einer halben Vertretung war. Er tritt an mit den Stimmen progressiver Wähler, die in seinem Programm mehr fanden als bei Pinto, deren Akte ihm die Adresse nahm und ihm den Sieg nicht nehmen konnte.

Er tritt an, während in New York ein vierunddreißigjähriger Bürgermeister der größten Stadt des Landes dem Fraktionsführer der eigenen Partei ins Gesicht sagt, dass das alte Denken verlieren wird. Und Cory Booker, am Freitagmorgen auf CNN, widerspricht nicht.

Das alte Denken hat immer gewonnen, in Genf und anderswo. Es verliert in dem Moment, in dem die Wähler aufhören zu wählen. Dies ist der Punkt, an dem wir uns befinden. Es ist kein lauter Punkt. Es ist ein sehr ruhiger Punkt, an dem sich die Netze zusammenziehen.

Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Man fasst die Dinge nicht mit bloßen Händen an, die noch warm sind.

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