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Das Memorandum und die Schule, die niemand halten wird

25. Juni 2026 — — — Kastner

Manchmal, sagt man mir, beginne ein Drama am Rand der Bühne, dort, wo die Statisten ihre Hüte richten, bevor sie in eine Geschichte treten, die ihnen jemand anderes geschrieben hat. Im Sommer des Jahres zweitausendsechsundzwanzig, in jenem Amerika, das sich so gern als Schachspieler der Welt inszeniert, werden mehrere Partien gleichzeitig gespielt — und ich versichere Ihnen: Es sind mehr Figuren beteiligt, als das Publikum ahnt.

Beginnen wir in Wisconsin, im Siebten Kongressdistrikt, wo ein gewisser Michael Alfonso um ein Mandat wirbt. Sein Schwiegervater sitzt im Kabinett, genauer: Sean Duffy lenkt das Verkehrsministerium, und der Präsident himself hat ihm, Alfonso, das Wort „komplett und total" mit auf den Weg gegeben. „Pretty humbling", sagt der junge Mann, und man beachte, wie das Englische diese Demut in Watte packt, bevor sie auf den Markt getragen wird. Alfonso hört, so berichtet er, was die Wähler hören wollen: daß der Kongress dem Präsidenten nicht den Rücken decke, daß in drei Jahren, „when Trump is no longer the president", alles mit einem Federstrich zunichte sein könnte. Das Save Act ist noch nicht Gesetz. Das ist bemerkenswert, weil jenes Save Act seit Monaten als Rettung verkauft wird, und Rettungen, die nicht ankommen, sind das alte Lied der Macht.

Dann das Memorandum. Wer in Genf jemals an einem Verhandlungstisch gesessen hat, weiß, daß ein Memorandum of Understanding das diplomatische Äquivalent eines Händedrucks zwischen Fremden ist: höflich, folgenlos, jederzeit widerrufbar. Alfonso nennt es „die Schönheit dieses Friedensdeals", fügt aber, fast beiläufig, hinzu: „Es ist kein echter Friedensdeal." Man höre diese Worte. Der designierte Kongressabgeordnete spricht von einem Abkommen über die Straße von Hormuz, über das iranische Nuklearprogramm, und er tut es in der Sprache des Immobilienmaklers. „Only President Trump could denuclearize Iran in this short time", sagt er, und weiter, Trump sei „a masterclass of negotiation". Wer erinnert sich nicht an ältere Zusicherungen dieser Tonart? Sie stehen in Archiven, datiert, protokolliert, und die Männer, die sie gaben, lächeln heute anders. Trump, sagt Alfonso, „is the negotiator", und wer daran zweifle, „doesn't know President Trump". Dies ist der Ton der Hofschranzen, in jeder Sprache gleich.

Nun die Schule. Auch hier spielt man Schach, nur daß die Figuren diesmal Kinder heißen. In Wisconsin haben die beiden führenden demokratischen Kandidaten für das Gouverneursamt, Francesca Hong und Mandela Barnes, angekündigt, das Schulwahlprogramm abschaffen zu wollen. Sechzigtausend Schüler, die derzeit eines der choice programs besuchen, sollen wieder zurück auf ein Brett, das schon einmal verloren hat. Eine progressive Organisation namens Law Forward klagt parallel, gestützt auf eine Klausel aus dem Jahr zweitausend: die Volksschule müsse mit „sufficient resources" versorgt werden. Fünfundzwanzigtausend Dollar pro Schüler fließen heute nach Milwaukee — und dies, so sagt man uns, sei unzureichend. Wer in der Schweiz aufgewachsen ist, versteht solche Zahlen anders. Fünfundzwanzigtausend Dollar sind kein Mangel; sie sind eine Großzügigkeit, die das politische Auge nicht sehen will, weil es gerade woanders hinblickt.

Das Oberste Gericht von Wisconsin hat im Jahr zweitausenddrei die Mehrheit gewechselt. Progressiv, versteht sich. Tommy Thompson, der damalige Gouverneur, hatte 1990 mit Bürgerrechtsgruppen das erste Voucher-Programm des Landes durchgesetzt. Clint Bolick hat darüber geschrieben, in einem Buch, das den schlichten Titel Voucher Wars trägt. Damals trugen schwarze Eltern die Fahne der Schulwahl in Säle, in denen sie sonst nicht eingeladen waren. Das Wall Street Journal druckte drei Leitartikel. Das war neunzehnhundertneunzig. Heute will man dies alles zurückdrehen, und der Grund, den man angibt, ist das Wohl der Kinder. Man kennt diese Geste.

Schließlich das Haus gegenüber. Joy Reid, ehemals bei MSNBC, hat in einem Podcast mit Ta-Nehisi Coates erklärt, sie werde nicht mehr für Demokraten stimmen, solange diese die Beziehung zu Israel nicht beenden. „Nuclear-armed expansionist power", sagte sie. „They don't need our money." Das sind harte Worte, und sie kommen aus dem Mund einer Frau, die noch vor kurzem für Kamala Harris warb. Nun sagt sie: das Problem sei nicht Harris, das Problem sei die Partei. „The Democratic Party is as married to this Israel over everything, Israel no matter what, no matter how many people they kill." Man beachte die Syntax: Es ist die Sprache der Enttäuschten, und Enttäuschte, die öffentlich sprechen, sind gefährlicher als die Verärgerten, die schweigen.

In derselben Woche, am fünfzehnten Juni, steht Hillary Clinton in der 92NY und sagt über Trumps Gaza-Plan, er sei „the only game in town", eine „pathway to security for Israel, reconstruction for Gaza, and the possibility of self-determination". David Remnick interviewt. Clinton lobt einen Plan, den sie, hätte ein anderer ihn vorgelegt, zerrissen hätte. „A lot of people reject it", sagt sie, „because Trump did it." Dies ist eine präzise Diagnose des Mechanismus: nicht der Inhalt zählt, sondern die Herkunft. Und nun Reid, die ihre Stimme verweigern will. Man sieht die Bruchlinie. Sie verläuft nicht zwischen den Parteien, sondern durch sie hindurch, und sie reißt schneller, als die Strategen ahnen.

Was also bleibt vom Sommer des Jahres sechsundzwanzig? Ein Memorandum, das kein Vertrag ist. Eine Schulreform, die keine Reform ist, sondern ihre Abschaffung. Eine Partei, die sich vor unseren Augen entzweit, während sie nach außen geschlossen wirken möchte. Alfonso nennt das Versprechen der Demokraten an die Mittelschicht „the great lie of the left wing for my whole lifetime", und fügt hinzu, ihr Angebot sei „full-blown Marxism". Das ist starkes Wortmaterial, und es ist auch nicht ganz falsch, denn jede Partei, die ihre Wähler verliert, sucht die Schuld bei der anderen, niemals bei sich.

Ich trage Handschuhe, wenn ich dies schreibe. Auch beim Schreiben. Besonders beim Schreiben über Amerika im Juni zweitausendsechsundzwanzig, wo die Bretter aus Holz sind, die Figuren aus Fleisch, und die Züge, die wir sehen, nicht die sind, die gespielt werden. Man lerne das Memorandum zu lesen. Es ist, diplomatisch ausgedrückt, ein Versprechen, das man brechen kann, ohne daß die Tinte verschmiert.

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