Der Nachrichtenmann, der sein Gedächtnis verliert
Es gibt Nachrichten, die brauchen keinen Kommentar. Sie sind ihr eigener. Bill Ritter, 76 Jahre alt, Anchorman des Senders WABC in New York, hat am Freitagabend seinem Publikum mitgeteilt, dass er an Alzheimer im Frühstadium erkrankt ist. Es war seine letzte Nachrichtensendung. Der Mann, der beinahe drei Jahrzehnte lang Fakten ins Wohnzimmer von New York trug, wird künftig über jene Krankheit berichten, die ihm selbst das Wort langsam aus der Hand nimmt.
Man könnte jetzt schweigen. Man könnte es bei Mitleid bewenden lassen. Doch wer dreißig Jahre lang Forschung gesehen hat — ihre Versprechen und ihre Leichen —, der weiß: Eine Diagnose ist keine Tragödie. Eine Diagnose ist ein Datensatz. Und was die Ärzte Ritter sagen, die Behandlung halte die Krankheit "in Schach, für den Augenblick", ist exakt jene Formulierung, die ich aus unzähligen klinischen Studien kenne. "Für den Augenblick." Das ist die größte, die höflichste Lüge der modernen Medizin. Sie steht in jedem Beipackzettel, in jeder Pressemitteilung, in jedem Abschiedsgespräch eines Arztes mit seinem Patienten.
Ritters Vater starb an Alzheimer. Die genetische Komponente ist keine Volksweisheit, sondern Realität. Das Apolipoprotein-E-Gen, Träger des epsilon-4-Allels, vervierfacht das Erkrankungsrisiko. Man fragt sich, ob die behandelnden Ärzte diese Frage mit ihm besprochen haben. Man fragt sich auch, welche "Behandlungen" genau gemeint sind. Lecanemab? Donanemab? Monoklonale Antikörper gegen Beta-Amyloid, jenes Protein, das sich seit Alois Alzheimer im Jahr 1906 in den Gehirnen ablagert wie Schimmel in einer feuchten Wohnung? Die großen Studien, die ich kenne, zeigen eine Verlangsamung des Verfalls um wenige Monate. Nicht um Jahre. Die Pharmakonzerne sprechen von "klinisch signifikanter Verlangsamung". Die Patienten und ihre Familien sprechen von einem guten Sommer mehr, vielleicht zwei. Mehr nicht.
Ritter wird dem Sender erhalten bleiben. WABC hat angekündigt, er solle künftig über Alzheimer und ähnliche neurologische Erkrankungen berichten, über Patienten und Familien, über die Preise der Behandlung. Man nennt das in der Branche "Impact Journalism". In der Wissenschaft nennt man es "patient advocacy". In meinem schwarzen Notizbuch steht ein anderes Wort: Marketing. Ein Sender, der einen prominenten Erkrankten vor die Kamera setzt, um über die Krankheit zu berichten, ist ein Sender, der die Aufmerksamkeit des Publikums in eine bestimmte Richtung lenkt. Welche Richtung das ist, bestimmt jener, der das Budget für die Rechercheabteilung bereitstellt.
Die Zahl, die mich stutzen lässt, steht wörtlich in der Mitteilung des Senders: Die Kosten der Behandlung und der Pflege seien "schlicht unerschwinglich". Das ist wahr. Eine Alzheimer-Erkrankung kostet in den Vereinigten Staaten im Spätstadium mehrere Hundertausend Dollar pro Patient, verteilt auf Jahre der Pflege, der Medikation, der Heimeinweisung. Die neuen Antikörpertherapien kosten zwischen 26.000 und 28.000 Dollar im Jahr — und das ohne jede Gewissheit, dass sie wirken. Eine Gesellschaft, die diese Rechnung nicht bezahlen kann, hat keine medizinische Ethik. Sie hat eine Buchführung.
Ritter sagte in seiner Abschiedsnachricht, er wolle "die Wahrheit und die Fakten" berichten, "wo auch immer sie fallen mögen". Ein schöner Satz. Ich kenne ihn. Ich habe ihn oft gehört. Er fällt immer, wenn jemand gehen muss. Er fällt immer, wenn die Kameras warm sind und das Scheinwerferlicht gnädig auf ein Gesicht fällt, das sich bald nicht mehr erinnern wird, dass es jemals etwas gesagt hat.
Was mir bleibt, ist ein kalter Pfeifenkopf auf dem Schreibtisch und die Frage, was wir eigentlich messen, wenn wir "Heilung" sagen. Die Wissenschaft misst Amyloid-Plaques im Nervenwasser. Sie misst kognitive Testwerte. Sie misst die Verzögerung eines einzigen Punktes auf einer Skala. Was sie nicht misst, ist der Moment, in dem ein Mann seiner Frau nicht mehr sagen kann, wie sie heißt. Diesen Moment messen wir nicht. Diesen Moment erleben wir.
Was bleibt, ist ein Mann, der in New York City seit dem Juni 1998 Abend für Abend um sechs Uhr ins Wohnzimmer von Millionen sprach. Ein Mann, der Bill Beutel im Jahr 1999 am späten Sessel ablöste und bald zur selben Institution wurde, die er vorher nur beobachtet hatte. Ein Vater dreier Kinder, dem ein Enkel unterwegs ist, während sein eigenes Gedächtnis langsam abdankt. Die Tragödie liegt nicht in der Diagnose. Sie liegt in der bescheidenen Erkenntnis, dass die Medizin unseres Jahrhunderts Alzheimer weder heilen noch sicher verhindern kann. Wir haben es seit Generationen versprochen. Wir haben das Versprechen in jedem Wahlkampf erneuert, in jeder Spendengala, in jeder Pressekonferenz. Wir haben das Versprechen gebrochen.
Wem, frage ich Sie zum Schluss, wem glauben wir, wenn der Wahrheitssprecher selbst bald nicht mehr weiß, was Wahrheit war?