Die Geometrie des Verlorenen
In Gulyam, einem Dorf im Halaharvi-Mandal des Kurnool-Distrikts, betrat am Donnerstag ein Mann namens Mahesh mit einer Frau namens Neelavati und einem einjährigen Kind ein Baumwollfeld und trank dort, wie die Polizei mitteilt, eine giftige Substanz. Neelavati und das Kind starben auf der Stelle. Mahesh, der fünfzehn Jahre in Karnataka gearbeitet hatte und kürzlich in sein Heimatdorf zurückgekehrt war, schwebt im Krankenhaus von Adoni zwischen Leben und Tod. Die Polizei prüft, ob die Frau und das Kind gezwungen wurden, das Pestizid zu sich zu nehmen, bevor Mahesh es selbst versuchte. Man spricht von familiären Streitigkeiten. Man spricht — das ist die Sprache der Behörden, wenn sie nicht wissen, was sie sagen sollen.
Drei Tage später, am Sonntag, kentert ein Boot auf dem Krishna nahe dem Dorf Konuru im Palnadu-Distrikt. Die Insassen — zehn an der Zahl, aus Marrichettupalem und Chilakaluripet angereist — hatten im Haus eines gewissen K. Gangaiah ein Fest besucht und waren anschließend zu einer Bootsfahrt aufgebrochen. Keine Schwimmwesten, sagt der Augenzeuge Ramana. Gegen vierzehn Uhr trifft das Boot eine Sandbank und kentert. Vier ertrinken: Battula Karthik, zwölf Jahre. Konatha Chaitanya, sechsundzwanzig. Gandham Saini, zehn. Gandham Sandhya, acht. Sechs werden von Dorfbewohnern an Land gezogen. Nicht von der Polizei, nicht von der Wasserbehörde, nicht vom Distriktsammler. Von jenen, die zufällig am Fluss standen.
Am Samstagabend fiel in Kosigi, ebenfalls Kurnool, hundert Komma sechs Millimeter Regen in einer Nacht. Aluru verzeichnete fünfundneunzig Komma zwei. Bethamcherla im benachbarten Nandyal-Distrikt siebenundsiebzig Komma zwei. Dhone siebenundfünfzig. In Pedakaduburu stand das Wasser in den Häusern, weil es, wie die Bewohner seit Jahren sagen, keine Abwasserkanäle und keine betonierten Straßen gibt. Reisvorräte verdarben. Kleidung verdarb. Möbel verdarben. Zwischen Halaharvi und Gulyam — also jenem Dorf, in dem am Donnerstag ein Kind auf einem Baumwollfeld starb — kam der Verkehr zum Erliegen, weil Wasser über die Straße bei Cheruvanka floss. Kappala Vanka trat bei Kadivella im Yemmiganur-Mandal über die Ufer und unterbrach die Verbindung zwischen Yemmiganur und Pathikonda. Mallela Vagu bei Ganjahalli im Gonegandla-Mandal folgte. In Anantapur, Hindupur, Puttaparthi, Tadipatri und Dharmavaram behinderte der Regen den Verkehr; neun Mandals des Distrikts Anantapur erhielten mäßige bis heftige Schauer.
Man sieht, wenn man sehen will, eine Geometrie. Ein Feld, auf dem eine Familie an dem stirbt, was dort wächst, um es zu ernten. Ein Fluss, auf dem Boote ohne Schwimmwesten fahren, weil es in einem wasserreichen Distrikt keine Schwimmwesten gibt. Ein Dorf, das bei jedem Regen überflutet, weil niemand einen Kanal gebaut hat. Die Linien dieser Geometrie verlaufen nicht durch die Büros, in denen die Pressemitteilungen verfasst werden. Sie verlaufen durch Baumwollfelder, durch Sandbänke, durch unbefestigte Straßen, die nach jedem Schauer zu Bächen werden.
Chief Minister N. Chandrababu Naidu, der sich bei Bekanntwerden des Unglücks auf einer Auslandsreise befand, sprach von Betroffenheit. Er kündigte eine Entschädigung von fünf Lakhs je Verstorbenem an, wies den Distriktsammler an, den Betrag unverzüglich auszuzahlen, und ordnete eine umfassende Untersuchung durch ein gemeinsames Team aus Revenue, Polizei und Wasserressourcen an. Y.S. Jagan Mohan Reddy, Präsident der YSRCP, sprach seinerseits von Schock und übermittelte sein Beileid. Beide taten, was Politiker tun, wenn vier Kinder ertrinken: sie sprachen. Das Wort Beileid hat in solchen Momenten eine bemerkenswerte Eigenschaft — es kostet nichts, es erzeugt keine Schwimmweste, es baut keinen Kanal. Es füllt die Zeit bis zur nächsten Meldung.
Die Polizei von Andhra Pradesh registrierte im Jahr 2024, wie aus dem NCRB-Bericht hervorgeht, 19.952 Fälle von Verbrechen gegen Frauen. Die Zahl steht in einer anderen Spalte derselben Zeitung, und doch gehört sie hierher. Denn Mahalakshmi, vierzig, aus M. Birepalli im Hindupur-Mandal des Sri Sathya Sai-Distrikts, trank Gift und gab es ihren beiden Kindern. Der zehnjährige Rishi starb. Die zwölfjährige Srinidhi kämpft im Distriktkrankenhaus von Anantapur um ihr Leben. Die Polizei sagt: finanzielle Schwierigkeiten. Sie sagt das in der Regel, wenn eine Frau in einem Distriktdorf sich und ihre Kinder tötet. Sie hat damit vermutlich nicht unrecht. Nur: die Frage, warum die Schwierigkeiten da sind, warum das Geld fehlt, warum eine Frau keinen anderen Ausweg sieht als das Pestizid, das ohnehin überall herumsteht — diese Frage stellt die Polizei nicht. Und kein Chief Minister, keine Pressemitteilung, keine Helpline, die in Klammern unter den Artikel gesetzt wird wie ein Hustenbonbon am Krankenbett, wird sie beantworten. Tele-MANAS, 14416, gebührenfrei. Die Polizei ist unter 100 erreichbar. Beides ist richtig. Beides ist nicht genug.
Eine Schwimmweste wäre mehr gewesen. Ein Abwasserkanal wäre mehr gewesen. Eine Schule, die Mahalakshmi tagsüber aufnimmt, während sie auf die Ernte wartet, wäre mehr gewesen. Ein Einkommen, das nicht davon abhängt, dass Mahesh nach Karnataka geht und nach fünfzehn Jahren zurückkehrt, ohne dass ihn etwas anderes erwartet als das Feld und das Gift.
Vielleicht ist die Architektur dahinter nicht boshaft. Sie ist schlimmer. Sie ist gleichgültig. Und Gleichgültigkeit, das weiß jede, die einmal an einem Tisch saß, an dem niemand zuhörte, ist die höflichste Form der Gewalt, die eine Verwaltung ihren Bürgerinnen antun kann.
Es wird weiter regnen. Die nächsten fünf Lakhs werden gezahlt, die nächsten Untersuchungen angeordnet, die nächsten Beileidsbekundungen verfasst. Und im nächsten Juni werden wir, wenn wir die Zeitung aufschlagen, wieder über ein Baumwollfeld lesen, wieder über einen Fluss, wieder über ein Dorf, das unter Wasser steht. Nicht weil man in diesem Bundesstaat nicht wüsste, wie man Schwimmwesten herstellt. Nicht weil die Verwaltung von Andhra Pradesh nicht wüsste, wie man einen Kanal baut. Sondern weil das Brett, auf dem gespielt wird, bereits zugeschnitten ist. Die Züge sind notiert. Nur wird die Partie nicht mehr zu Ende gespielt.