Er notierte Kupfer. Das Gold verschwand. Er ist tot
Murari Babu, 54, ist tot. Er starb am 13. Juni 2026 um 0:48 Uhr im Amrita Hospital in Kochi, hieß es aus dem Haus. Man sagte, er sei "seit einiger Zeit krank gewesen", und ich notiere dieses Wort "seit einiger Zeit" mit jener Sorgfalt, die man Wendungen widmet, die das Wesentliche verstecken. Babu stammte aus Perunna, Changanassery, im Distrikt Kottayam. Das ist eine jener kleinen Biographien, die niemand erfindet: ein Verwaltungsbeamter aus Kerala, der in den Annalen eines Tempels auftaucht, weil er das Gewicht von Göttern verändert hat.
Krankheit, sagen sie. Tod, sagen sie. Was sie nicht sagen, ist die Reihenfolge.
Babu war der zweite Angeklagte im Verfahren um den Diebstahl von Gold von den Dwarapalaka-Skulpturen des Sabarimala-Tempels und der sechste Angeklagte in einer zweiten Sache, die den Diebstahl von Gold aus den Türrahmen des Sanctum Sanctorum betraf. Am 23. Oktober 2025 wurde er vom Dienst suspendiert und verhaftet. Man hatte festgestellt, dass er — so die Sonderuntersuchungsgruppe SIT — die Goldplatten an den Idolen in den Akten als Kupferplatten geführt habe. Ein Strich, ein Wort, eine winzige Fälschung im Register — und ein Gott verliert sein Gewicht.
Das ist die Mechanik der Macht, die niemand erklären muss, weil jeder sie kennt. Wer die Eintragung macht, macht das Ding. Wer das Ding umetikettiert, besitzt es noch nicht, aber er hat es transportfähig gemacht. Gold wird zu Kupfer, Kupfer wird zu "Renovierung", Renovierung wird zur Übergabe an Unnikrishnan Potti, den Hauptangeklagten — angeblich, immer angeblich —, und am Ende steht ein Lieferwagen, der Blattgold trägt, das nirgendwo mehr aufgeführt ist.
Ich habe in Genf Verträge gesehen, die genau so funktionierten. Ein Absatz, ein Paragraf, eine Handschrift, die das "nicht" strich oder das "sowie" einfügte, und schon war ein Land um seinen Hafen, um seine Quote, um seine Souveränität erleichtert. Die Sprache tat die Arbeit. Die Sprache tat immer die Arbeit.
Babu war, nach allem, was die Akten hergeben, kein Meister. Er war 2019 ein mittlerer Verwaltungsbeamter des Sabarimala-Tempels, zuständig für die Empfehlung von Reparaturen an den goldkaschierten Kupferverkleidungen der Dwarapalaka-Idole und an den goldkaschierten Kupferplatten der Nord- und Südsäulen. Er empfahl. Er empfahl unehrlich, sagt die Anklage. Was heißt das? Das heißt: Er unterschrieb, was andere wollten, und das Gold floss dahin, wohin Gold fließt, wenn Männer es anfassen — in andere Hände, in andere Bilanzen, in andere Länder. Smart Creations, eine Firma, die den Plättentausch ohne Erlaubnis des High Court entgegennahm, ist eine dieser Adressen.
Dann kam das SIT. Dann kam das High Court. Dann kam das, was in Indien Justiz heißt und was in Wahrheit Geduld heißt: 92 Tage wartete das Gericht auf die Anklageschrift. Die 92 Tage verstrichen. Am 23. Januar wurde Babu vom Vigilance Court in Kollam gegen Kaution freigelassen, weil die SIT ihre Frist versäumt hatte. Das Gericht tat seine Pflicht. Die SIT tat ihre Pflicht nicht. Und ein Mann, der vielleicht klein war, vielleicht groß, vielleicht beides, ging nach Hause, um weiter krank zu sein.
Am 13. Juni 2026, Punkt 0:48 Uhr, hörte er auf, krank zu sein.
Indes — die Akte schweigt nicht, sie spricht nur leiser. Am selben Tag, an dem Babu starb, abends um 19:49 Uhr, gab das SIT eine Vorladung an P.S. Prashanth, den ehemaligen Präsidenten des Travancore Devaswom Board, und an Ajikumar, ein ehemaliges Vorstandsmitglied, heraus. Sie sollen nächste Woche erscheinen. Ermittelt wird nun auch in die Transaktionen des Jahres 2025 hinein — auf Anordnung des High Court. Am 14. Juni wird das SIT den Tempel Sabarimala erreichen, um weitere Proben zu entnehmen. Das Gold, das als Kupfer galt, soll als das untersucht werden, was es war.
Man darf sich, mit aller Kühle, die mir noch bleibt, eine kleine Archäologie der Verzögerung vorstellen. Jahre vergehen. Akten werden geführt, korrigiert, nicht korrigiert. Beamte sterben — einer jetzt, vielleicht weitere später. Präsidenten werden vorgeladen. Proben werden genommen. Das Gold bleibt verschwunden oder ist es nicht; die Welt wird es vielleicht nie erfahren. Was wir wissen, ist die Form: ein Verwaltungsbeamter notiert Kupfer; ein Tempel verliert sein Gold; ein Mann wird verhaftet; ein Mann wird krank; ein Mann stirbt; eine Untersuchung beginnt dort, wo sie längst hätte beginnen müssen.
1937 dachte man in Genf noch, dass Zeit helfe. Dass eine Konferenz, ein Protokoll, eine Unterschrift den Frieden befördere. Ich habe damals gelernt, dass die Uhr der Diplomatie nicht die Uhr der Geschichte ist. Die Diplomatie zählt Sekunden. Die Geschichte zählt, was in den Sekunden verschwindet.
Heute zählt Indien das Gold von Sabarimala. Es zählt ungenau. Es wird weiter zählen.
Und die Handschuhe? Die trägt man weiter.