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1937. Die Grenzen werden dichter. Ich zähle die Menschen davor

26. Juni 2026 — — — M. Silber

Zwei Kliniken in Florida. Auf dem Papier: HIV-Behandlung. In der Wirklichkeit: nichts. Jean Jethro Alexandre, haitianischer Staatsbürger, hat dort Patientenlisten geführt, die keine Patienten waren. Rezepte ausgestellt für Medikamente, die niemand bekam. Auf dem Papier $58 Millionen eingereicht. Das Geld kassiert. Die Pillen in den Müll.

Ich sitze an einem Schreibtisch und lese das Urteil. $14,3 Millionen Wiedergutmachung. Gefängnis. So steht es da, trocken wie ein Lieferschein. Hinter dem Satz stehen Menschen, die nicht wissen, dass ihre Krankheit behandelt wurde – weil sie nicht behandelt wurde.

Das Programm heißt 340B. Gebaut, damit Kliniken mit knappen Budgets Medikamente günstiger einkaufen und die Ersparnis an Patienten weitergeben. Eine noble Idee. Wie so viele noble Ideen hat sie sich in eine Futterkrippe verwandelt. $5 Milliarden im Jahr 2010. $66 Milliarden im Jahr 2023. Die Kurve geht steil nach oben, und an ihrem Fuß liegen die Schwächsten.

Alexandre hat das System nicht erfunden. Er hat es benutzt. Kickbacks an Rekrutierer. Kickbacks an „Patienten", die bereit waren, sich etwas verschreiben zu lassen. Gefälschte Abgabeprotokolle. Und dann: Entsorgung. Die Medikamente – subventioniert vom Steuerzahler für einkommensschwache HIV-Kranke – wurden weggeworfen. Nicht weil sie schlecht waren. Sondern weil niemand da war, der sie nehmen sollte.

Wie viele Alexandres es gibt, weiß ich nicht. Das Weiße Haus hat eine Betrugs-Taskforce. JD Vance leitet sie, Andrew Ferguson sitzt mit am Tisch. Die Ankläger sagen: Behandelt diesen Fall nicht als Einzelfall. Sie haben recht. Wer mit einer so großen Subvention so leichtes Spiel hat, lädt Diebe ein. Das ist kein Zufall. Das ist Architektur.

Zweite Geschichte. Louisiana. Scharmaine Lawson Baker, neunundfünfzig, Krankenschwester, Expertin für Medicare-Regelungen, Autorin von Büchern über medizinische Notwendigkeit. Sie hat Krebs-Gentests angeordnet – nach Telefonaten, die meist unter dreißig Sekunden dauerten. Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs-Tests. Für Männer. Sie hat die Ergebnisse nie angesehen. Auch dann nicht, wenn die Ergebnisse zeigten, dass Patienten Varianten in sich trugen, die sie zu Krebs prädestinieren. $12 Millionen an falschen Abrechnungen. $1,5 Millionen Wiedergutmachung. Sieben Jahre Gefängnis.

Eine Frau, die anderen beibrachte, wie man es richtig macht, hat es selbst nicht getan. Die Pointe schreibt sich von selbst.

Ich denke an die Männer, die erfuhren, dass sie auf Eierstockkrebs getestet wurden. Ich denke an die Patienten mit Krebs-Varianten, die nie informiert wurden. Ich denke an ihre Kinder, die heute nicht wissen, dass ihr Vater gefährdet war. Das steht in keinem Urteil. Das steht in keiner Pressemitteilung. Das steht in Körpern, die weiterleben, ohne zu wissen, warum.

Ich fülle Formulare aus. Für Menschen, die niemand haben will. Die P-Paragrafen, die S-Sätze, die Anlagen. Anderswo füllen andere Menschen Formulare aus – mit erfundenen Diagnosen, erfundenen Patienten, erfundenen Behandlungen. Beide Seiten arbeiten mit Papier. Nur die eine Seite arbeitet für Menschen. Die andere gegen sie.

Ich habe einen kleinen Koffer unter dem Schreibtisch. Für alle Fälle. Heute Abend denke ich nicht an den Koffer. Ich denke an die Patienten, die ihre Testergebnisse nie bekommen haben. Und an die Medikamente, die im Müll gelandet sind, statt in Körpern, die sie gebraucht hätten.

$66 Milliarden im Jahr 2023. Die Zahl ist mir egal. Die Menschen hinter der Zahl nicht.

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