Reservoir leer, Stadt schweigt
Spencer Pratts Büro brennt. Verdächtig, sagt er selbst. Donnerstagnachmittag rücken mehrere Einheiten der Los Angeles Fire Department an zum Highlands Circle, 1515 Palisades Drive — jenem Komplex, der den Palisades Fire im Januar 2025 überlebte und seither renoviert wird. Früher Restaurant Cosa Nostra, heute Pratts Kristallfirma. Keine Verletzten. Die Arson Unit ermittelt.
Ich übersetze: Ein Mann verliert sein Haus an ein Feuer, verliert seine Kandidatur um das Bürgermeisteramt, und jetzt brennt sein Büro. Zufälle gibt es. Aber hört auf die Frequenz.
Pratt verlor die Wahl gegen Amtsinhaberin Karen Bass. Dritter Platz. Hinter Bass und Ratsmitglied Nithya Raman. Er konzediert mit einem Video, redet von „commie animals" und „bombshell info" — Material, das er noch in der Hinterhand hält. Was er damit meint, sagt er nicht. Aber er sagt es laut genug, damit es jeder hört.
Am Sonntag darauf postet er auf X, er sei „stolz darauf, mit Karen Bass' Bruder gemeinsame Sache zu machen" beim Verklagen seiner Schwester wegen „rücksichtsloser Fahrlässigkeit". Das Thanksgiving-Essen werde sicher „awks". Kenneth Bass, 78, und seine Frau Cindy verloren ihr Haus in Malibu — „total burn down", steht in der Klageschrift, dazu Rauchvergiftung und seelische Schäden. Sie traten der Palisades Fire Litigation bei, einer Sammelklage vom 18. Mai 2026 gegen die Stadt Los Angeles, das Department of Water and Power, den Bundesstaat, das California Department of Parks and Recreation und Southern California Edison. 18 Beklagte, Tausende Kläger.
Aber hört genauer hin. Pratts eigene Klage liegt seit dem 21. Januar 2025 beim Gericht. Er und seine Frau Heidi Montag verklagen die Stadt und das LADWP. Im Zentrum: das Santa Ynez Reservoir. 117 Millionen Gallonen Fassungsvermögen. Seit Anfang 2024 außer Betrieb. Leer. Wegen Reparaturen, sagt die Stadt. Wegen Trinkwasservorschriften, sagen die Beamten.
Pratts Anwälte formulieren es anders. Sie sprechen von einer „bewussten Entscheidung", das Wassersystem mit geleertem Reservoir zu betreiben — als „Kostensparmaßnahme". Das Wasser, das in den Hydranten fehlte, als die Brände wüteten.
117 Millionen Gallonen. Kein technisches Versagen. Eine politische Entscheidung. Wer hat sie getroffen? Wer hat sie genehmigt? Wer hat profitiert?
Zwölf Menschen starben im Palisades Fire. Tausende Häuser brannten. Ein 117-Millionen-Gallonen-Reservoir stand seit über einem Jahr leer. Schwarz auf weiß in den Schadenersatzklagen.
Die Stadt argumentiert, kein Wassersystem hätte die extremen Winde und Feuerbedingungen bewältigen können. Pratt sagt: Das Reservoir war keine Naturkatastrophe. Das war Bürokratie.
Und jetzt brennt sein Büro. Wieder Pacific Palisades. Donnerstagnachmittag.
Ich frage mich, wer in diesem Fall wen bezahlt. Wer kontrolliert die Drähte. Wer dreht an den Reglern, wenn die Hydranten trockenlaufen und die Versicherungen kassieren. Wer profitiert, wenn ein Reality-TV-Star Bürgermeister werden will und scheitert und dann plötzlich sein Kristallladen in Flammen steht — ausgerechnet in jenem Gebäude, das den Flammen schon einmal getrotzt hat.
Pratt hat ein Motiv, laut zu sein. Er hat Klagen, er hat Sendebewusstsein, er hat Follower. Er sagt, es gäbe „skrupellose Leute in dieser Stadt, die alles tun würden, um die zum Schweigen zu bringen, die die Korruption aufdecken". Er dankt der Feuerwehr für das schnelle Eingreifen.
Schöne Worte. Aber ich bin Telegraphistin gewesen. Ich kenne das: Ein Signal kann Bedeutung tragen. Oder bloß Rauschen sein. Die Frage ist immer, wer den Sender bedient.
Das Feuer ist gelöscht. Die Ermittler schweigen noch. Das Reservoir schweigt seit 2024. Die zwölf Toten schweigen für immer.
Und Spencer Pratt? Der sendet weiter.