Achzigtausend Dollar und das gemeinsame Konto
Es gibt Männer, die mit siebenunddreißig noch das Konto ihrer Mutter teilen, und es gibt Männer, die im selben Alter den Senat der Vereinigten Staaten erobern wollen. James Talarico, designierter Kandidat der Demokraten für den texanischen Senat, vereint beide Eigenschaften in einer Person.
Seine Finanzoffenlegung, eingereicht bei der zuständigen Bundesbehörde, weist ein Gemeinschaftskonto bei Wells Fargo aus, dessen Saldo sich zwischen fünfzehn- und fünfzigtausend Dollar bewegt. Es ist, so der Eintrag in nüchterner Amtssprache, "jointly held by the filer and the filer's mother." Tamara Talarico also, die Frau, die ihrem Sohn Umzugskosten in Höhe von 1.437,84 Dollar erstattete, als er zweiunddreißig war, und die zusammen mit ihrem Mann Mark — seinem Adoptivvater — im Jahr 2021 je fünftausend Dollar in dessen Wahlkampf um einen Sitz im texanischen Repräsentantenhaus investierte. Tamara Talarico spendete seit 2023 mehr als zweitausend Dollar an demokratische Kampagnen, darunter über vierhundertfünfzig an die aktuelle Senatsbewerbung ihres Sohnes. Man darf das familiäre Fürsorge nennen. Man darf es auch die unsichtbare Statik einer politischen Karriere nennen, getragen von den eigenen vier Wänden.
Nun zur anderen Seite der Bilanz.
Bis September 2025 erhielt Talarico von der Firma MAYA Consulting — heute firmierend unter dem Namen VIDA — Zahlungen in Höhe von mehr als achtzigtausend Dollar. MAYA ist keine gewöhnliche Beratungsgesellschaft. Sie versteht sich als Motor sogenannter "equitable educational opportunities" in texanischen Schuldistrikten. Sie organisiert "RaceTalks," die "systematic barriers" benennen und an Lösungen für die Abschaffung von Ungleichheiten arbeiten. Sie finanzierte eine Organisation, die für die Entfinanzierung einer metropolitanen Polizeibehörde lobbyierte. Das Selbstverständnis der Firma ist eindeutig: nicht Unternehmen, sondern Bewegung mit Honorarnote.
Im Jahr 2020 schrieb der Gründer Larkin Tackett ausführlich darüber, wie ihn seine Hautfarbe zwinge, "white supremacy culture with our clients and partners, and within our own organization" zu perpetuieren — trotz aller redlichen Anstrengung. Die Sprache ähnelt, mit verblüffender Treue, jener, die Talarico im Mai desselben Jahres verwendete. Damals twitterte er: "White skin gives me and every white American immunity from the virus. But we spread it wherever we go—through our words, our actions, and our systems. We don't have to be showing symptoms—like a white hood or a Confederate flag—to be contagious." Die einzige Kur gegen das Virus, fügte er hinzu, bestehe darin, "loudly and unequivocally that Black Lives Matter" zu proklamieren.
Die Diagnose wurde also auf Twitter ausgestellt; die Therapie wird auf Rechnung der Firma MAYA an die Schulbezirke ausgeliefert.
Als Abgeordneter brachte Talarico einen Gesetzentwurf ein, der große Schulbezirke zur Einstellung verpflichtender DEI-Beauftragter anhalten sollte. Er stimmte gegen SB14, einen Vorstoß, der geschlechtsverändernde chirurgische Eingriffe an Minderjährigen unterbinden wollte, und warnte, die Republikaner riskierten eine regelrechte Suizid-Epidemie unter Jugendlichen, sollten sie solche Beschränkungen verhängen. "Not treating extreme gender dysphoria can not only lead to suicide but can lead to psychological and physical harm to a child," erklärte er. Diese Positionen waren Teil seines politischen Profils. Sie waren auch — wie sich nun herausstellt — der Grund, weshalb eine bestimmte Beratungsfirma bereit war, einen Abgeordneten zu honorieren, der ihre Sprache sprach.
Nachdem er die Nominierung seiner Partei gesichert hatte, vollzog Talarico die Kehrtwende. In einem Gespräch mit einem prominenten texanischen Anwalt, der ihn unterstützt, räumte er ein, einige Aussagen zu "bereuen," und mäßigte seinen Kurs in der Geschlechtsfrage. Die Mechanik der Läuterung arbeitet seither auf Hochtouren. Man bürstet den Anzug, man putzt die Schuhe, man lernt neue Sätze.
Was bleibt, ist die Aktenlage. Eine Beratungsfirma, die Schulbezirke umerziehen und Polizeibehörden entfinanzieren will. Ein Kandidat, der achtzigtausend Dollar von ebendieser Firma erhält. Ein gemeinsames Konto bei Wells Fargo, auf den Namen von Mutter und Sohn. Und im November ein Wahlzettel, auf dem Talaricos Name stehen wird — gegenüber jenem des Republikaners Ken Paxton.
In Genf, wo ich einst Verträge las, die niemand halten wollte, nannte man solche Konstellationen höflich ein "mismatch of interests." Hier, in Texas, nennt man es schlicht Wahlkampf.