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Apfels Bucht: Staffel zwei im Anmarsch, und der Fluch trägt neue Namen

4. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte tragen seltsame Fracht diese Tage. Eine Insel namens Widow's Bay, irgendwo an der amerikanischen Küste, und ein Fluch, der älter ist als jeder Radiosender, den ich je eingestellt habe. Apple — jene Firma, die einst mit fallendem Obst die Welt beglückte und heute bewegte Bilder über Draht in die Wohnzimmer schiebt — hat grünes Licht gegeben für eine zweite Staffel. Die Maschine läuft. Die Quote stimmt. Der Fluch bleibt.

Zehn Folgen umfasste das erste Kapitel, zehn Folgen Horror-Comedy, erdacht von Katie Dippold. Wer Dippold kennt, weiß: Hier wird nicht einfach nur gesprungen und gekreischt wie in den billigen Schauermärchen, die um Mitternacht über die Bildfläche flackern. Hier wird mit Pointen gemordet. Hier sitzt das Grauen neben dem Witz auf der Couch und trinkt Tee, ohne zu wissen, dass Pulver drin ist. Die Kritikerseite Rotten Tomatoes, sonst ein Hort der Verzweiflung für jeden mittelmäßigen Film, vergibt siebenundneunzig Prozent. Bei sechsundsiebzig professionellen Bewertungen. Die Zahl zählt. Die Zahl entscheidet.

Die Handlung, für jene, die den Anschluss verpasst haben: Ein Bürgermeister namens Tom Loftis, gespielt von Matthew Rhys mit dem müden Blick eines Mannes, der zu viel weiß, versucht im Staffelfinale eine alte Frau umzubringen. Nicht aus Bosheit. Aus Not. Die Insel steht unter einem Fluch, niedergeschrieben in Blut und Erbe, und nur das Ende des letzten lebenden Nachfahren des Inselgründers Richard Warren kann ihn brechen. Warren, dargestellt von Hamish Linklater, hat vor Generationen die Bucht besiedelt und einen Pakt geschlossen — mit wem, bleibt offen.

Evan ist der Enkel. Ein Kind, dargestellt von Kingston Rumi Southwick. Kinder sind schwer umzubringen, selbst in schlechten Drehbüchern, selbst in guten. Also greift Tom zur Großmutter. Ruth, gespielt von K Callan, eine Frau mit Kräutergarten und zu vielen Geheimnissen für ihr Alter. Er zerdrückt Pillen, streut das Pulver in ihren Tee. Dann, als sie auf der Couch zu schlafen scheint, ein Kissen übers Gesicht. Ruth plappert die ganze Zeit über ihre Kräuter. Sie merkt nichts. Oder sie merkt alles. In Widow's Bay weiß man nie, was die Alte weiß.

Die Wahrheit kommt ans Licht, wie immer in solchen Geschichten, im falschen Moment: Ruth ist die Mutter von Toms verstorbener Ehefrau. Sie hatte einst eine Affäre mit einem verheirateten Mann, bekam ein Kind, gab es fort. Dieses Kind wuchs auf, heiratete Tom, starb. Und nun sitzt Tom vor seiner Schwiegermutter, ohne es zu wissen — und versucht, sie zu erstechen. Das ist das Material, aus dem Albträume gemacht werden. Und Lacher, wenn das Timing stimmt. In Widow's Bay stimmt das Timing immer.

Währenddessen tobt ein Sturm über der Insel, einer jener filmischen Stürme, die nur in Studios entstehen und dennoch das Gebälk beben lassen. Patricia, dargestellt von Kate O'Flynn mit dem Gesicht einer Frau, die Verantwortung trägt und ihr nicht gewachsen ist, und Wyck, Stephen Root mit dem Aussehen eines müden Bibliothekars aus einer Kleinstadt irgendwo in Neuengland, leiten das Notquartier. Das eingelagerte Essen ist verschimmelt. Die Menschen beginnen zu kämpfen. Die Bande zivilisierten Verhaltens reißt schneller, als man Amen sagen kann.

Sheriff Bechir, Kevin Carroll mit müden Augen und dem Gewicht eines Gesetzeshüters, das auf einer verfluchten Insel nichts zählt, erfährt, dass seine Frau hochschwanger ist und die Wehen eingesetzt haben. Das Kind soll nicht in den Fluch hineingeboren werden. Nicht seines. Nicht dort. Also greift Bechir zur Waffe, geht zu Ruths Haus und schießt.

„Ich werde mein Kind nicht verdammen", sagt er zu Tom. „Patricia sagte, du würdest es beenden."

Würde. Konjunktiv. In Widow's Bay ein gefährliches Wort. In jedem Drehbuch ein gefährliches Wort.

Die Schauspielerin Kate O'Flynn, im Gespräch mit dem Branchenblatt Decider, lässt durchblicken, was sie selbst noch nicht weiß: „Ich glaube, Dale wird das Wissen nicht für sich behalten. Ich wäre sehr überrascht." Sie will wissen, was mit Bechir und seiner Frau geschieht. Die Zuschauer wollen es auch. Apple will es auch — denn ohne diese Frage keine zweite Staffel.

Und hier, liebe Leser, wird die Maschinerie sichtbar, die ich seit Jahren beobachte: Apple hat die zweite Staffel bereits vor dem Finale angekündigt. Am elften Juni, sechs Tage vor dem letzten Akt der ersten Staffel. Das ist kein Vertrauen in das Produkt. Das ist Kalkül. Reine Quoten-Arithmetik. Die Serie steht regelmäßig auf Platz eins der Apple-TV-Charts. Da wird nicht gewartet, bis die Bilanz stimmt. Da wird verlängert, solange die Bilanz noch stimmt.

Matt Cherniss, Apples Programmdirektor, sagt den Satz, den Programmdirektoren immer sagen, wenn das Produkt läuft: „Vom ersten Moment an waren die Zuschauer hooked." Gehört. Hundertmal gehört. Bei jedem Sender, bei jedem Studio, seit Marconi den ersten Funken durch die Luft jagte.

Die Maschine kennt keine Gnade. Die Maschine kennt Quote.

Wer zahlt den Preis? Die Insel. Immer die Insel. Und am Ende, wie immer, der Zuschauer, der für das Privileg bezahlt, andere leiden zu sehen, ohne selbst aufstehen zu müssen.

Mein Kaffee ist kalt. Mein Lötkolben glüht. Die nächste Staffel ist bereits in Produktion, irgendwo in den Studios dieser Welt, wo Cutterinnen und Cutter arbeiten, während wir schlafen. Der Fluch wird weitergetragen. Die Quote wird weiter stimmen. Die Drähte werden weiter summen.

Bis dahin: Gute Nacht, Widow's Bay. Wir sehen uns wieder.

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