FIFA SETZT BALOGUNS SPERRE AUS — UND KRITISIERT UEFA
Die Drähte summen wieder. Diesmal kommt das Signal aus Zürich, nicht aus irgendeinem Funkmast zwischen den Kontinenten, sondern aus dem Hauptquartier jenes Verbandes, der sich erlaubt, den Weltsport zu verwalten. Die FIFA hat die Sperre gegen den Spieler Folarin Balogun ausgesetzt. Gleichzeitig übt der Weltverband Kritik an der Entscheidung der UEFA im Zusammenhang mit der roten Karte des Spielers.
Was bedeutet das konkret? Ein Athlet erhält eine Disziplinarstrafe, ausgesprochen vom europäischen Dachverband. Normalerweise wäre die Sache damit erledigt — Unterinstanz spricht, Oberinstanz bestätigt oder verwirft. Doch diesmal greift die FIFA ein. Sie setzt die Sperre aus. Sie kritisiert die UEFA-Entscheidung. Sie macht sich zur Richterin über ein Urteil, das auf dem Platz gefällt wurde.
Die rote Karte selbst: Ein Schiedsrichter hat sie gezogen. Ein Unparteiischer, ausgestattet mit derselben Vollmacht, die jeder Schiedsrichter auf jedem Fußballplatz dieser Welt hat. Er sieht eine Szene, er entscheidet, er zeigt die Karte. Das ist das Fundament des Spiels — dass einer pfeift und alle anderen gehorchen, bis das Spiel zu Ende ist.
Nun also mischt sich die FIFA ein. Und hier wird die Sache interessant, weil die Frequenz plötzlich eine andere ist. Nach Äußerungen von Donald Trump verteidigt die FIFA den Schiedsrichter. Dieselbe Instanz, die eben noch die UEFA-Entscheidung kritisierte, springt dem Unparteiischen zur Seite. Das klingt auf den ersten Eindruck nach Widerspruch. Ist es auch.
Ein Verband, der die Suspendierung einer Sperre anordnet, weil er das Urteil der Unterinstanz für fehlerhaft hält — und zugleich den Schiedsrichter verteidigt, der auf dem Platz die rote Karte gezogen hat. Zwei Richtungen gleichzeitig. Wie ein Funker, der auf zwei Bändern gleichzeitig sendet und hofft, dass beide Empfänger ihn verstehen.
Die Frage, die sich aufdrängt, ist eine nach der Hierarchie. Wer entscheidet am Ende über die Spielregel? Der Schiedsrichter auf dem Platz, der die Szene sieht, wie sie ist, im Bruchteil einer Sekunde? Oder ein Verband in einem Konferenzraum, der hinterher das Urteil umstößt, den Schiedsrichter aber gleichzeitig in Schutz nimmt? Beides gleichzeitig geht nicht. Nicht sauber, nicht nachvollziehbar, nicht ohne dass irgendwo ein Rauschen im Signal bleibt.
Die FIFA hält sich bedeckt, was die genauen Gründe für die Aussetzung der Sperre betrifft. Die Kritik an der UEFA-Entscheidung wurde öffentlich formuliert, die Verteidigung des Schiedsrichters folgte auf politische Äußerungen. Die zeitliche Abfolge ist dabei kein Zufall — aber ob sie Ursache und Wirkung oder nur Koinzidenz ist, das steht in den Sternen.
Was bleibt, ist ein Bild: Eine Sportorganisation, die sich selbst zur höchsten Instanz erklärt, in eigener Sache urteilt und dabei die Hand nicht zittert, wenn sie gegen eine andere Organisation vorgeht — aber die Stimme hebt, wenn von außen Kritik kommt. Der Schiedsrichter auf dem Platz hat in dieser Konstellation keine starke Position. Er ist ausführendes Organ, nicht mehr. Wer ihn verteidigt, verteidigt ein Prinzip. Wer ihn im selben Atemzug durch eine ausgesetzte Sperre konterkariert, stellt dieses Prinzip infrage.
Balogun selbst steht im Zentrum, ohne selbst gehört zu werden. Sein Name taucht auf, seine Sperre wird ausgesetzt, sein Verein erfährt es vermutlich über dieselben Kanäle wie alle anderen. Was er davon hält, ob er sich als Sieger oder als Bauer auf einem Brett fühlt — das bleibt offen.
Die Drähte werden weiter summen. Die nächste Meldung kommt bestimmt.