Ein alter Mann, ein Spiegel voller Algen und die Eitelkeit der Macht
Manche Reden sind wie die Möbel in Empfangshallen — sie sollen beeindrucken, doch wer näher tritt, sieht die Furnierkanten. In Hanover, Maryland, hat sich am vergangenen Wochenende Joe Biden erhoben, zehn Minuten lang, und Donald Trump einen Verlierer genannt. Eine kleine Vokabel, gewichtig wie ein Urteil, ausgesprochen bei einer Spendengala der Demokratischen Partei. Es war, wie die BBC vermerkt, eine seiner deutlichsten Attacken bisher.
Biden zählte auf, was er „vanity projects" nennt: den Abriss von Teilen des Ostflügels des Weißen Hauses zugunsten eines neuen Ballsaals, die Anbringung des Trump-Namens am Kennedy Center, den Bau eines Triumphbogens zu eigenen Ehren, und — die Pointe, die kleine, perfide Pointe — die Anstellung eines eigenen Pool-Mannes für den Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial. Vierhundert Millionen Dollar für den Saal, vierzehn Komma sieben Millionen für das Wasserbecken. Letzteres, so darf man ergänzen, ist seit der Renovierung von Algen heimgesucht, weshalb die Nationalparkverwaltung und der Präsident gemeinsam auf Vandalismus zeigen, als handle es sich um eine Naturkatastrophe mit politischer Agenda. Man neigt in Washington dazu, die Schuld bei den Göttern zu suchen, wenn die eigenen Pläne an der Biologie scheitern.
Zum Kennedy Center vermerkte die BBC, dass ein Gericht inzwischen die Entfernung des Trump-Namens von der Fassade angeordnet hat. Eine schöne Symbolik: Der Name wird weggeklagt, der Bau bleibt. Auch das ist eine Form vanitäter Architektur — nur eben in der Spalte der Justiz statt derjenigen der Steine.
Biden sprach ferner über den 6. Januar 2021 und über das, was ihn, so wörtlich, „wütend" mache: dass Trump den Steuerzahler heranziehen wolle, um diejenigen zu entschädigen, die das Kapitol stürmten. Der Versuch der Administration, Personen zu kompensieren, die sich nach eigener Aussage zu Unrecht im Visier der Ermittler sahen, wurde Berichten zufolge fallengelassen und von einem Richter blockiert. Trump selbst hat Bidens Auslassungen nicht direkt beantwortet. Er nannte ihn auf Truth Social einen „crooked politician" und griff zum bewährten Spitznamen „Sleepy Joe", einmal im Monat, wie auf Vorrat.
Was hier vorliegt, ist eine jener Reden, die sich als historisch inszenieren und doch vor allem akustisch funktionieren. Biden, sichtbar gezeichnet, von Hecklern unterbrochen, beim Abgang von der Bühne unsicher auf den Beinen — so überliefert es die Daily Mail. Es war sein Auftritt, exakt zwei Jahre nach dem Debakel-Duell gegen Trump im Juni 2024, das seine Kandidatur beendete und Kamala Harris auf das Ticket hob, die verlor. Wer die Mechanik der Macht kennt, weiß, dass Spendengalas keine Umfragen verändern. Sie verändern Tonlagen. Sie definieren, wer in welcher Saison noch eine Stimme hat und wer nur noch ein Echo ist.
Die Ironie dieser Szene verdient festgehalten zu werden. Ein früherer Präsident wirft seinem Nachfolger vor, die Hauptstadt mit Denkmälern zu sich selbst zu bepflastern, während er selbst vor einem Saal spricht, in dem Spenden gesammelt werden, damit jemand anderes in vier Jahren versuchen kann, jenen Mann zu besiegen, der gerade einen Ballsaal baut. Das Washingtoner Spiel kennt nur eine Regel: Wer das größte Gebäude errichtet, hat die längste Rede. Und wer die längste Rede hält, hat noch nicht gewonnen, aber er steht noch.
Am Ende bleibt die Frage, die in Genf oft offener Raum war als die Verträge selbst: Was ist Substanz, und was ist Spiegelwasser. Der Reflecting Pool, vierzehn Komma sieben Millionen Dollar schwer, gibt derzeit keine Antwort. Er ist grün, und die Verantwortlichen zeigen in alle Richtungen. Bidens „Loser" war keine Diagnose. Es war ein Adjektiv, das an einem Sommerabend über einen Saal fegte und am nächsten Morgen in den Zeitungen stand, zwischen den Meldungen über Hitzewellen, Bahnhöfe und Hitzköpfe. Mehr nicht. Aber in Washington ist mehr selten genug.