Acht Milliarden Pfund Verlust: Kapitalertragsteuer spaltet die Hauptstädte
1937. Die Drähte summen. Ich übersetze.
London. Die Korridore der Macht tragen Zahlen, die schwerer wiegen als das Kupfer in den Kabeln unter ihnen. Andy Burnham, Bürgermeister der britischen Hauptstadt, hat Pläne vorgelegt, die das Schatzamt bis zu acht Milliarden Pfund pro Jahr kosten könnten. Die Reform der Kapitalertragsteuer, so warnen Experten, würde Investoren vom Verkauf ihrer Vermögenswerte abhalten — und dem Fiskus genau die Einnahmen entziehen, die er sich erhofft.
Die Rechnung ist einfach, und sie ist brutal. Wer höhere Steuern fürchtet, verkauft nicht. Wer nicht verkauft, zahlt keine Abgabe. Die Schreibtische der Berater füllen sich mit Mandanten, die ihre Portfolios einfrieren, ihre Gewinne nicht realisieren, ihre Anteile halten. Acht Milliarden wandern aus den Büchern des Treasury — wohin, das weiß noch niemand genau.
Burnhams Kalkül stützt sich auf die Annahme, dass höhere Sätze auch höhere Einnahmen bringen. Die Kritiker widersprechen. Die Elastizität des Marktes, sagen sie, sei nicht null. Sie sei hoch. Sie arbeite gegen den Fiskus.
Die Debatte ist nicht auf die britische Insel beschränkt. In Washington verfolgt man den entgegengesetzten Kurs. Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses, sprach sich am Mittwoch im Wirtschaftssender Fox Business, in der Sendung Kudlow, für eine Anhebung der Befreiungsgrenze bei der Kapitalertragsteuer aus. Konkret: Wer sein Haus verkauft, um ein neues zu erwerben, soll weniger Steuer zahlen als bisher. Die Idee ist Teil eines dritten Versöhnungsgesetzes, das die republikanische Mehrheit noch in dieser Sitzungsperiode durch das Parlament bringen will.
Johnson nennt es einen Vorteil für jedermann. Der durchschnittliche Hauseigentümer bekomme mehr Zugang zum Markt. Familien, die ihr Nest vergrößern wollen. Mittelständler. Bauern. Alle profitierten.
Larry Kudlow, Gastgeber der Sendung, brachte weitere Vorschläge ins Spiel: Die Steuer an die Inflation anzupassen oder die Befreiungsgrenze deutlich anzuheben. Beides, so Kudlow, würde Familien helfen, die ihr Haus gegen ein größeres tauschen wollen — den klassischen Aufstieg in die eigenen vier Wände. Johnson hörte zu. Er nickte. Er stimmte zu — auf die vorsichtige Art eines Mannes, der eine Mehrheit braucht und nicht zu viel versprechen will.
Drei Versöhnungsgesetze hat die republikanische Fraktion bereits verabschiedet. Ein drittes ist in Arbeit. Johnson muss die verschiedenen Lager innerhalb seiner Konferenz zusammenbringen — Regionalinteressen, Caucus-Forderungen, die Mathematik der Mehrheiten. Knochenarbeit, auch wenn die modernen Drähte den Austausch erleichtern.
Doch manche Ideen, so Johnson, seien schwer abzulehnen. Wer will schon dem Wähler erklären, dass er dessen Eigenheimverkauf stärker besteuern will? Die politische Mechanik arbeitet gegen die fiskalische Vernunft — ein Phänomen, das älter ist als jede einzelne Steuer.
Auf der anderen Seite des Atlantiks rechnet Burnhams Team mit den Folgen einer Erhöhung. Die Warnungen kommen von Steuerberatern und Wirtschaftsforschern. Wenn die Sätze steigen, sinkt die Verkaufsbereitschaft. Und ohne Verkauf keine Steuer. Der Markt ist kein gehorsamer Diener des Staates. Er ist ein Gesprächspartner, und er antwortet — aber nicht immer in der Sprache, die der Fragesteller erwartet.
Was bleibt, ist eine Rechnung mit zwei Unbekannten. London will mehr kassieren und riskiert, weniger zu bekommen. Washington will lockern und hofft, die Mittelschicht damit zu erreichen. Beide Hauptstädte spielen dasselbe Spiel mit entgegengesetzten Vorzeichen.
Zwischen ihnen stehen jene, die von beiden Seiten gleichermaßen betroffen sind: Hausbesitzer, deren Eigenheim zum Spekulationsobjekt wird, sobald die Politik es berührt. Kleine Anleger, die weder Berater noch Steueranwälte bezahlen können. Bauern, deren Land sich an den Regeln der Stadtmenschen messen lassen muss. Die Drähte tragen ihre Namen nicht. Die Depeschen sprechen von Kapital, von Märkten, von Befreiungsgrenzen. Die Gesichter hinter den Zahlen bleiben im Rauschen.
Die Übersetzung läuft. Manche Frequenzen bleiben gestört — nicht weil sie verschluckt werden, sondern weil die Antworten nicht in den Kabeln liegen, sondern in den Köpfen derer, die sie deuten.