← Zurück zur Titelseite Technologie

Westbank: 20 Verwundete, ein totes Kind, 13 neue Siedlungen

12. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Aus dem besetzten Westjordanland kommen Meldungen, die sich zu einem Muster fügen. Israelische Siedler griffen am Wochenende Palästinenser und israelische Menschenrechtsaktivisten in mehreren Gebieten an. Über 20 Menschen wurden verletzt. Die Vorfälle reichen von Steinwürfen über Pfefferspray bis zu offenen Überfällen — bei Abu Falah, bei Baytillu, bei Salfit.

Parallel melden palästinensische Quellen staatliche Gewalt. Israelische Soldaten beschlagnahmten ein zweistöckiges Haus im Dorf Zububa westlich von Dschenin. Eine elfköpfige Familie, Kinder inbegriffen, wurde aufgefordert zu gehen. Das Gebäude soll zum Militärposten umgewidmet werden. Weitere Häuser wurden durchsucht, Bewohner kurz festgenommen, einige misshandelt.

Bei al-Rashaida östlich von Bethlehem eröffneten Siedler das Feuer auf palästinensische Hirten. Bakr Rashaida, Leiter des Dorfrats, berichtet, die Angreifer hätten Schafe stehlen wollen. Anwohner stellten sich ihnen entgegen. Verletzt wurde niemand — die Schüsse aber waren in der Luft, registriert.

In al-Mughayyir nordöstlich von Ramallah griffen Siedler den westlichen Dorfrand an, während israelische Truppen gleichzeitig das Dorf betraten. Sie durchsuchten ein Haus, nahmen zwei junge Palästinenser fest und ließen sie später wieder frei. Anwohner werfen den Soldaten vor, die Siedler geschützt zu haben.

Die Landkarte der Verwüstung: nördlich von Turmus Ayya brannten Agrarflächen. In Qusra rissen Siedler rund 500 Olivenbäume aus. Weitere Angriffe trafen Jalud und Idna. In allen Fällen, übereinstimmend palästinensische und israelische Medien, hätten die israelischen Sicherheitskräfte nicht eingegriffen.

Der Palästinensische Rote Halbmond behandelt Verletzte nach einem Siedlerüberfall auf Khirbet Yarza im Jordantal — sieben Verwundete. Bei Khan al-Ahmar trieben Siedler Schafe in eine Beduinengemeinschaft, setzten Pfefferspray ein. Ein ATV, auf Film gebannt, fuhr auf Anwohner zu. Drei Palästinenser wurden festgenommen.

Im Südhebronischen Bergland eskalierte die Lage in Umm al-Kheir, Khallet al-Hummus und Khallet al-Louza. In Umm al-Kheir erklärten die israelischen Behörden Teile der Gemeinde zur geschlossenen Militärzone — Anwohner konnten ihr Vieh nicht mehr versorgen. In Umm Safa legten Siedler in der Nacht zum Freitag Feuer.

Nabil Abu Rudeineh, Sprecher des palästinensischen Präsidenten, forderte am Samstag dringend internationales Eingreifen. Die Lage drohe zu eskalieren.

Dann die Nachricht aus Deir Ammar, westlich von Ramallah. Der vier Monate alte Ahmad Marouf Zeid starb am Sonntagabend, bestätigt durch Ärzte des Arab Specialised Hospital. Israelische Soldaten hatten seinen Transport zum Krankenhaus mehr als eine Stunde lang blockiert. Tränengas wurde abgefeuert, um Palästinenser am Passieren des Kontrollpunkts zu hindern. Laila Ghannam, Gouverneurin von Ramallah und el-Bireh, sprach von einem „Flecken auf dem Gewissen der Menschheit". Ahmad war der einzige Sohn der Familie.

Am selben Tag erschossen israelische Soldaten einen 16-Jährigen im Flüchtlingslager Qalandia bei Ramallah. Zwei 14-Jährige wurden verletzt. Das palästinensische Gesundheitsministerium zählt seit Oktober 2023 mindestens 1.087 getötete Palästinenser im Westjordanland.

Parallel: Finanzminister Bezalel Smotrich sprach am Sonntag von einer „Revolution in der Siedlung". Das israelische Kabinett hatte zuvor die Errichtung 13 neuer Siedlungen im zentralen Westjordanland genehmigt — als illegal geltendes Bauprojekt entlang strategischer Korridore der Route 60, die Nablus, Ramallah und Bethlehem verbindet, mit Ausläufern Richtung Jordantal. Palästinensische Vertreter warnen, die Expansion isoliere Ost-Jerusalem weiter vom Rest des Westjordanlands und untergrabe jede Zweistaatenlösung.

Die Zahlen zum Ausbau: durchschnittlich acht Außenposten jährlich zwischen 2012 und 2022. 32 im Jahr 2023. 62 im Jahr 2024, gestützt von 75 Millionen Schekel — umgerechnet 20 Millionen Dollar — an staatlicher Finanzierung. 2025 dann 86 neue Außenposten, Rekord. Rund 500.000 israelische Siedler leben nach Schätzungen im Westjordanland, weitere 250.000 in Ost-Jerusalem.

Eine UN-Untersuchung beziffert den Anstieg der Siedlerangriffe auf palästinensische Dörfer und Agrarland seit 2023 mit 130 Prozent. Am Freitag zerstörten Siedler die Hauptstromleitung im Dorf al-Maniya. Die Gemeinde blieb im Dunkeln. Bei Tulkarem rissen Angreifer Schutznetze von Gewächshäusern und zerstörten lokale Familienbetriebe. Im Nordosten Jerusalems gingen die Angriffe weiter. Die Frequenz bleibt konstant. Die Drähte summen weiter.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite