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Apollo, Castlelake und das höfliche Lächeln des easyJet-Vorstands

12. Juli 2026 — — — Kastner

Es gibt Sätze, die wie eine Verneigung klingen und eine Übernahme meinen. „Minded to recommend" — mit dieser Formulierung hat der Vorstand der britischen Billigfluglinie easyJet am Freitag ein Angebot der US-Investmentgesellschaft Apollo aufgenommen, das das Unternehmen mit £5,7 Milliarden bewertet, umgerechnet £7,15 je Aktie, vollständig in bar. Wenige Tage zuvor hatte derselbe Vorstand noch „in principle" einem Konkurrenzangebot von Castlelake zugestimmt — £6,90 pro Aktie, £5,5 Milliarden insgesamt, bereits das fünfte Nachbessern einer Offerte, die Analysten zuvor als zu niedrig eingestuft hatten. Die Empfehlung wurde nicht aufgehoben. Sie wanderte, von einem Namen zum anderen, mit unverändert höflicher Miene.

Apollo hat in seiner Stellungnahme angekündigt, die bestehende Strategie der Airline zu stützen, das Management im Amt zu belassen und das Unternehmen nicht aufzubrechen. Die Flotte solle modernisiert, das Zusatzgeschäft ausgebaut, die Ferientochter holidays zu einem „strukturell differenzierten Ertragsstrom" entwickelt werden. Das ist die Sprache, in der Private Equity den Aufsichtsrat begrüßt. Sie bedeutet: Wir zerlegen nicht, wir verwalten, wir nehmen das Geld mit. Die Zusage, den Bestand zu wahren, ist dabei keine Nebensache — sie ist die Eintrittskarte in die weitere Verhandlung.

Die zweite Bühne der Geschichte betrifft Stelios Haji-Ioannou, den Gründer, der mit seiner Familie noch immer mehr als fünfzehn Prozent der Anteile hält. Sollte das Apollo-Angebot erfolgreich sein, winkt ihm ein Erlös von £855 Millionen, sofern er sich zum Verkauf seiner Anteile entschließt. Apollo hat ihm angeboten, auch unter neuer Eigentümerschaft investiert zu bleiben, anstatt ihn beim Delisting zum Ausstieg zu zwingen. Die bestehende Markenlizenz, über die Haji-Ioannou Tantiemen aus dem Fluggeschäft bezieht, soll nach dem Willen Apolls fortbestehen. Es ist die Geste eines Käufers, der einen prominenten Aktionär weder verlieren noch verprellen will. Haji-Ioannou selbst hat sich zu den Versuchen, seine frühere Firma zu kaufen, bislang nicht geäußert.

Eine regulatorische Fußnote gehört zur Architektur jedes solchen Geschäfts. Die EU verlangt, dass europäische Fluggesellschaften mehrheitlich in der Hand von Investoren innerhalb der Region sein müssen. Apollo ist amerikanisch, Castlelake ebenso. Welche Konstruktionen am Ende stehen werden, welche Zustimmungen einzuholen sind, welche politischen Räume sich öffnen oder schließen — all das ist auf der Karte derzeit noch ein weißer Fleck. Großbritannien, das nach dem Brexit eigene Wege geht, mag dabei über Spielräume verfügen, die noch zu prüfen sein werden. Die Analysten jedenfalls haben bereits gesprochen, und die Sprache war deutlich: Wer bietet, schaut; wer warten kann, gewinnt.

Was bleibt, ist ein Vorgang von bemerkenswerter Klarheit in seiner Mechanik. Der easyJet-Vorstand hat seine Empfehlung von Castlelake zu Apollo verlagert, nachdem er das fünfte Angebot der ersten Seite noch am Dienstag „in principle" angenommen hatte. „Minded to recommend" ist dabei kein Versprechen, sondern eine vorläufige, formelle, höfliche Auskunft an die eigenen Aktionäre. Die Castlelake-Offerte ist damit nicht vom Tisch — sie ist nur nicht mehr empfohlen. easyJet, das einst für £29,99 nach Nizza flog, ist heute ein £5,7-Milliarden-Objekt, um das zwei Bieter mit dem nötigen Ernst werben. Apollo hat das Wort, der Vorstand hat den Blick, der Markt wartet. Man spricht noch. Die Handschuhe sind weiß. Man lächelt weiter.

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