ZWEI BODYCAMS, EIN TOD: WAS DIE KAMERAS ÜBER SOUTHAMPTON SAGEN
Southampton, Dezember vergangenen Jahres. Henry Nowak, achtzehn, anglopolnischer Student, liegt auf dem Pflaster und sagt, er sei erstochen. Ein Polizist antwortet: "Ich glaube nicht, Kumpel." Der Junge stirbt.
Sein Mörder, Vikrum Digwa, steht keine zehn Schritte entfernt und erzählt den Beamten seine Version. Nowak habe ihn als "Paki" beschimpft, seinen Turban gepackt, ihn geschlagen, sei betrunken gewesen. Nichts davon stimmt. Richter William Mousley KC stellt später fest: Nowak hatte weniger getrunken als die britische Promillegrenze.
Neues Körperkamera-Material, das die Hampshire-Polizei am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Kronanwaltschaft an die BBC übergab, dokumentiert den Täter bei der Arbeit. Ruhig, wiederholt, glaubwürdig — für jeden, der nicht hinschauen will. "But I've been racially attacked", sagt Digwa im Video. "I know, mate, I know", antwortet der Beamte. "I'm not saying you've done anything, mate."
Digwa wird nicht in Handschellen gelegt. Nicht bei der Befragung, nicht bei der Festnahme. Nowak wird in Handschellen gelegt, während er verblutet.
Die Fakten, damit man sie ordnen kann: Im Dezember wurde Nowak mit einem traditionellen sikhischen Zeremonialmesser, dem Kirpan, viermal in die Brust gestochen. Digwa durfte die Waffe nach britischem Recht bei sich tragen — religiöse Ausnahme. Im Juni wurde er wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, Mindeststrafe einundzwanzig Jahre. Dazu eine Strafe wegen Messertragens in der Öffentlichkeit.
Zwei Videos, zwei Behandlungen, ein Toter.
Das erste, drei Minuten lang, Anfang Juni veröffentlicht, zeigt den sterbenden Nowak. "I've been stabbed", sagt er. "Don't think you have, mate", kommt zurück. Ein zweiter Beamter sagt: "He hasn't been stabbed." Die Polizei brauchte fast acht Minuten, um Nowaks vier Stichwunden zu finden. Der Film löste Proteste und Ausschreitungen in England aus.
Das zweite Video, veröffentlicht am 26. Juni, zeigt Digwa nach der Tat. Er habe sich verteidigt, sagt er. "He then started escalating the situation. Called me a Paki and all sorts of stuff", so Digwa im Wortlaut. Dann, beinahe erklärend: "So I'm a Sikh." Sein Vater Moga Singh unterstützt die Version vor den Beamten: "The gentleman that's on the floor assaulted my son."
Die Aufnahmen zeigen Polizisten, die der Darstellung folgen. Sie sichern den Tatort, befragen den Täter, legen den später Toten — den jetzt noch Sterbenden — in Eisen.
Ein pensionierter Detective Chief Inspector aus London, Mike Neville, sagt dem Sender TalkTV, was jeder sagt, der zuhört: Die Hampshire-Polizei tröpfele das Material. Sie scheine es nach und nach freizugeben, statt alles auf einmal, "damit wir es fast vergessen". Die Jungbeamten vor Ort würden als Sündenböcke aufgestellt für jene, die oben sitzen und die Protokolle schreiben. Nigel Farage, Chef der Partei Reform UK, formuliert es politischer: Eine Ideologie von Diversität, Gleichstellung und Inklusion habe den britischen Staat bis in die Polizei hinein durchdrungen und schaffe Anreize, Rassismus-Vorwürfe bevorzugt zu behandeln.
Behauptungen, über die zu berichten ist, nicht welche, die ich bewerte.
Was bleibt: ein Sterbender in Handschellen, sein Mörder frei stehend, ein Richter, der die Geschichte zerpflückt, und eine Behörde, die ihren Veröffentlichungsrhythmus wählt. Die Technik urteilt nicht. Sie speichert. Und sie speichert zuverlässig.