Der Sarg wird teurer — Labour erhöht Nachlassgebühren um 75 Prozent
London, Juli 2026. Die Drähte summen. Eine Depesche aus dem Justizministerium, die nach Verwaltung riecht und nach Kasse.
Ab dem 13. Juli kostet die Beantragung eines Probate — der britischen Erbschaftsbescheinigung, ohne die niemand an die Konten eines Verstorbenen herankommt — nicht mehr 300, sondern 526 Pfund. Ein Sprung um 226 Pfund. Siebenundsiebzig Prozent mehr, ohne öffentliche Konsultation. Das Ministerium nennt das auf Anfrage „die Wiedergewinnung der Kosten eines sich stetig verbessernden Dienstes" — nebst Inflation und Investitionen in ein „effizientes und modernes Verfahren".
Die Frequenz ist mir bekannt. Begründungen klingen wie technische Notwendigkeiten, sind aber am Ende schlicht Mehreinnahmen. Wer zahlt? Trauernde Familien. Wer profitiert? Die Staatskasse. Wer wurde gefragt? Niemand.
Zur Mechanik: Probate ist die Urkunde, die einen Executor ermächtigt, Bankkonten zu öffnen, Schulden zu begleichen und Vermächtnisse auszuzahlen. Liegt der Nachlass über 5000 Pfund, ist die Gebühr fällig. Liegt er darunter, bleibt sie kostenlos. Nach Angaben von Co-op Legal Services braucht etwa jede zweite britische Familie nach einem Todesfall ein solches Dokument. Das ist keine Randgruppe — das ist die gesellschaftliche Mitte.
Die letzte Erhöhung liegt erst zwei Jahre zurück. 2024, unter Premier Rishi Sunak, stieg die Gebühr von 273 auf 300 Pfund. Damals gab es eine öffentliche Konsultation, wie das Verfahren es vorsieht. Diesmal: nichts. Keine Anhörung, keine Stellungnahme, keine Vorwarnung über die üblichen Kanäle. Nur eine Mitteilung, vergraben im Hintergrundrauschen des Ministeriums.
Scott Dixon, Verbraucherschutzexperte der Plattform The Complaints Resolver, bringt es auf den Punkt: „Das ist schockierend und riecht danach, trauernde Familien auszunutzen, die ohnehin mit einem Berg von Bürokratie konfrontiert sind." Wer je mit dem Probate-System zu tun hatte, werde kaum bestätigen können, dass eine 75-prozentige Erhöhung mit einem „immer besseren Dienst" zu rechtfertigen sei. Rückstände und Verzögerungen — die alten Beschwerden — bleiben ungelöst.
Die Probate-Solizitors im Land rechnen derweil mit einem Ansturm: Familien, die den Stichtag noch erreichen wollen, um den alten Tarif zu nutzen. Ein Wettrennen gegen die Uhr, ausgelöst von einer Gebühr, die just dann steigt, wenn den Betroffenen jede Minute für Anträge fehlt.
Die Technik dahinter ist simpel. Probate ist ein Formular, eine Gebühr, ein Stempel. Keine Magie, nur Bürokratie — und Bürokratie lässt sich skalieren. Nach oben, wenn es der Kasse dient. Die Sprache der Effizienz — „modern", „investieren", „verbessern" — liefert das Cover.
Was bleibt, sind drei Dinge: eine Zahl, ein Datum, ein System. 526 Pfund. Der 13. Juli. Und ein Ministerium, das auf eine Konsultation verzichtet, weil Trauer keine Lobby hat.
Ada Voss hört weiter. Die Drähte summen.