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Begräbnisdiplomatie in Teheran — Indien verneigt sich, Europa fehlt

12. Juli 2026 — — — Kastner

Teheran im Juli. Die Stadt trägt Trauer wie einen Mantel aus schwerem schwarzem Samt, und die Hitze über den Dächern lässt alles wie einen Kupferstich aussehen. Fünfzehn bis zwanzig Millionen Menschen werden in diesen Tagen erwartet, auf den Straßen der Hauptstadt, in den Provinzstädten, in Ghom, in Maschhad — alle, um einem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der vier Jahrzehnte lang die Fäden dieses Landes in der Hand hielt. Ayatollah Ali Khamenei ist tot, gefallen während der Anfangsphase der amerikanisch-israelischen Operation „Epic Fury". Die Särge sind aufgereiht, seiner und die seiner Familie, in einer Moschee, und die Bilder gehen um die Welt, scharf und unbarmherzig.

Eine indische Delegation hat in diesen Tagen in Teheran ihre Aufwartung gemacht. Sie verneigt sich vor dem toten Ayatollah, wie es das Protokoll verlangt, doch wer die Geste beobachtet, sieht mehr als nur Höflichkeit — er sieht eine Rechnung, die noch nicht abgeschlossen ist. Delhi kommt, und Delhi kommt nicht allein. Oman steht auf der Liste, Katar steht auf der Liste, und, was die Korrespondenten mit hochgezogenen Brauen vermerkten: Saudi-Arabien, dessen Vizeaußenminister Waleid El Khereiji in der iranischen Hauptstadt eintraf, obwohl Riad offiziell nicht eingeladen war. Eine unerwartete Geste, die manche als kleines Tauwetter zwischen den Golfstaaten und Iran deuten, in einer Zeit, in der die Waffen schweigen sollen, damit die Friedensverhandlungen in Katar und in der Schweiz überhaupt eine Chance haben.

Die Europäer fehlen. Teheran hat unmissverständlich klargestellt, dass keine europäischen Regierungen geladen wurden, und diese Kühle ist eine Sprache für sich — sie schließt jene aus, die an der Seite Washingtons und Jerusalems standen. Wer zwischen den Zeilen liest, versteht die Mitteilung: Das Begräbnis ist auch eine Sitzordnung.

Parallel dazu hat Iran eine Warnung an die Vereinigten Staaten und an Israel gerichtet. Ali Abdollahi, Kommandeur des Khatam-al-Anbiya-Hauptquartiers, ließ über das Staatsmedium verlauten, man solle jeden Fehlkalkül vermeiden, denn die bewaffneten Streitkräfte würden auf jede Drohung mit harter Vergeltung antworten. Die Formulierung ist alt, ihre Pointe ist neu — sie kommt zu einem Moment, da die Trump-Administration ihre Militärschläge für die Dauer der Trauerfeiern aussetzt, während in Washington die Vorbereitungen für den 4. Juli laufen, den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit.

Moskau ist selbstverständlich angereist. Eine russische Delegation, angeführt von Dmitri Medwedew, einst Präsident, heute stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates. Die Kameras waren zur Stelle, als die Russen ihre Aufwartung machten. Und im Inland erwies Präsident Massud Peseschkian am Freitag dem verstorbenen Obersten Führer gemeinsam mit Regierungsvertretern die letzte Ehre, darunter Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf.

Die Trauerfeierlichkeiten werden sich über eine Woche hinziehen. Ghom, die schiitischen Zentren im Irak, am Ende Maschhad — am 9. Juli soll Khamenei in seiner Heimatstadt beigesetzt werden. Millionen werden trauern, und Millionen werden zuschauen, wie sich die Mächte der Region an einem offenen Grab die Hände reichen — oder verweigern.

In Genf nannte man das Begräbnisdiplomatie. Eine alte Form, deren Wirkungen niemand vorhersagen kann. Ich habe sie oft genug gesehen, früher, in Räumen mit schweren Vorhängen und leichteren Versprechen. Wer sich heute vor einem Sarg verneigt, schreibt mit, in einem Buch, das noch lange nicht geschlossen ist — und ich, die ich die Handschuhe auch beim Schreiben nicht ablege, werde weiter zusehen.

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