IT-Experte flieht nach Simbabwe — Frau und Töchter tot in Bedford
Bedford. Die Drähte tragen manchmal Signale, die nicht in meine Zeit gehören. Ich höre sie trotzdem — der Lötkolben summt, der Kaffee wird kalt, und was durch die Frequenz rauscht, ist eine Meldung aus einer Zukunft, in der Männer mit ihren Computern ganze Häuser kontrollieren und Pässe auf Bildschirmen verschwinden. Ich übersetze, was die Leitung hergibt.
Ein britischer Staatsbürger zimbabweischer Herkunft, 45 Jahre alt, steht unter Mordverdacht. Ndodana Mkhanyisi Tshuma, genannt Mark, soll am 4. Juli das Flugzeug in London Heathrow bestiegen haben — mit einem britischen Pass — und wird seitdem in Simbabwe vermutet. Zurück ließ er drei Tote.
Die Polizei fand am 6. Juli die Leichen seiner Frau Zandile Tshuma, 42 Jahre, und der gemeinsamen Töchter Natalie, 15, und Nala, fünf Jahre alt, in einem Haus im Wert von 1,3 Millionen Pfund in einer wohlhabenden Vorstadt von Bedford. Wer genau die "Bedenken" äußerte, die am 6. Juli zur Entdeckung führten, darüber schweigen die Depeschen bislang. Nachbarn, Verwandte, ein Anruf — irgendwer trat vor die Tür, und die Familie war tot.
Eine internationale Fahndung läuft seit dem 8. Juli. Detective Lee Martin wandte sich direkt an den Flüchtigen, eine ungewöhnliche Form der Pressekonferenz: "Wir wissen, dass Mark Tshuma das Land am Samstag verlassen hat und sich nun vermutlich in Simbabwe aufhält." Die britische Polizei arbeitet mit nationalen und internationalen Behörden zusammen, um ihn aufzuspüren. "Wir verfolgen jede verfügbare Spur, um Sie zu finden", sagte Martin, den Mann beim Nachnamen nennend, als wäre er ein entlaufener Schuldner und nicht ein mutmaßlicher dreifacher Mörder.
Die Akten von Companies House — dem britischen Handelsregister, das in dieser Zukunft offenbar jedermann einsehbar ist wie das Londoner Telefonbuch — zeigen, dass Tshuma von seinem Haus aus eine Immobilienfirma betrieb: Nexus Trove Holdings. Ein IT-Experte, wie die Zeitungen schreiben. Die Kollegen der Daily Mail nennen ihn "kontrollierend", andere Quellen berichten, Zandile Tshuma habe ihm vor ihrem Tod gesagt, dass sie die Scheidung wolle. Freunde sagen, er habe nicht ohne sie leben können.
Diese Formulierung ist der Kern der Sache. Nicht "er hat sie getötet, weil er sie nicht besitzen durfte" — nein, "er konnte nicht ohne sie leben". Als wäre ihr Tod eine Lösung für ein Problem, das er nicht lösen konnte. Drei Leben, die in einem Haus endeten, das auf dem Papier 1,3 Millionen Pfund wert ist. Die Tochter fünf, die Tochter fünfzehn, die Ehefrau zweiundvierzig.
Ich frage mich, wie die Technik hier funktioniert. Ein Pass, mit dem man an einem Samstag im Juli von Heathrow aus verschwindet — kein Foto, kein Fingerabdruck, keine fälschungssichere Spur? In meiner Welt braucht es für eine Reise nach Harare ein Visum, ein Schiff und mehrere Wochen. Hier genügt offenbar ein maschinenlesbarer Streifen auf einem Dokument, und der Mann ist weg. Wer kontrolliert diese Systeme an den Schaltern? Wer prüft, wer einsteigt — und wer hat entschieden, dass ein Pass mit britischem Aufdruck genügt, um die halbe Welt zu durchqueren? Die Fluggesellschaften kassieren das Ticket. Die Grenzbehörden kassieren den Stempel. Die Familie kassiert nichts.
Dass Tshuma die Firma vom Haus aus führte, passt ins Bild. Der Mann saß im Zentrum seines kleinen Reiches, verkaufte Immobilien, kümmerte sich um Buchhaltung und Mieter, und hatte seine Frau und die Töchter um sich. Ein IT-Experte hat Zugriff auf Daten, auf Kommunikation, auf Spuren. Er weiß, was gelöscht werden kann. Er weiß, welche Geräte welche Spuren hinterlassen.
Die Polizei bittet ihn, sich zu stellen. "Übergeben Sie sich", sagt Detective Martin. Eine einfache Bitte, gerichtet an einen Mann, der drei Menschen getötet haben soll. Einfache Bitten erreichen solche Männer selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flüchtiger in einer internationalen Fahndung freiwillig umkehrt, ist gering. Simbabwe hat ein Auslieferungsabkommen mit dem Vereinigten Königreich — wenn die Behörden dort mitspielen.
Die Fahndung läuft. Die Drähte summen weiter. In meinem Büro riecht es nach Lötzinn, der Kaffee ist kalt, und die Frequenz trägt eine Geschichte, die in eine Zeit gehört, in der ich eigentlich nicht mehr arbeite. Aber die Leitung ist offen, und ich höre sie. Ich schreibe sie auf, damit jemand sie liest.
Drei Tote in Bedford. Ein Pass nach Harare. Ein Mann, der nicht ohne sie leben konnte — und jetzt allein in einem Land sitzt, das er vor Jahren verlassen hat. Was er dort tut, wer ihn aufnimmt, welche Wege er geht — das werden die nächsten Drähte berichten. Oder auch nicht. Manche Frequenzen werden leise, wenn die Polizei sendet.