London zieht die Frequenz enger: Paramount-Warner auf dem Prüfstand
London — Die Drähte summen, und diesmal hört Westminster genauer hin. Die britische Kulturministerin Lisa Nandy hat heute angekündigt, in die 110-Milliarden-Dollar-Übernahme von Warner Bros Discovery durch Paramount eingreifen zu wollen. In einer schriftlichen Antwort an das Parlament erklärte sie, sie sei "geneigt zu intervenieren" — auf Grundlage des öffentlichen Interesses. Der Brief ihres Ministeriums ging heute an die derzeitigen und an die vorgeschlagenen künftigen Eigentümer.
Zwei Pfeiler nennt das Schreiben. Erstens: die Notwendigkeit einer hinreichenden Vielfalt von Meinungen in den britischen Nachrichtenmedien, soweit dies vernünftigerweise praktikabel ist. Zweitens: die Notwendigkeit, dass in jeder Zielgruppe eine hinreichende Vielfalt von Personen die Medienunternehmen kontrolliert, die diese Zielgruppe versorgen. Das klingt nach Bürokratie. Es ist das schärfste Schwert, das die britische Mediengesetzgebung gegen ausländische Konzerne zu führen erlaubt.
Die Ministerin zählt die britischen Dienste auf, die in ihre Prüfung einfließen: Channel 5, TNT Sports, Cartoon Network, Nickelodeon, CNN International sowie die Streamingdienste Paramount+ und HBO Max. "Ich bin mir bewusst, dass die vorgeschlagene Übernahme globaler Natur ist", schreibt Nandy. "Mein Fokus liegt auf dem britischen öffentlichen Interesse und dem Spektrum der Dienste, die britischen Zuschauern zur Verfügung stehen."
Was da zusammengeführt werden soll, ist kein kleines Stück. Zwei globale Streamingplattformen, ein frei empfangbarer britischer Sender, ein Sportkanal mit Champions League, Premier League und Olympischen Spielen, zwei Hollywood-Studios, die gemeinsam Superman, Batman und Top Gun verantworten, sowie HBO — Heimat von Game of Thrones, The White Lotus und Succession. Aus vier großen Hollywood-Studios würden drei. Aus zwei konkurrierenden Max-Diensten einer.
London hat das Geschäft weder genehmigt noch abgelehnt. Die britische Wettbewerbsbehörde hatte Anfang des Monats eine eigene Untersuchung eröffnet. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das Bild ein anderes: Das US-Justizministerium hat den Deal bereits durchgewunken. Eine politische Note bekommt die Sache durch die Eigentümerstruktur. Paramount gehört der Familie Ellison, die als Verbündete von US-Präsident Donald Trump gilt. Paramount-Chef David Ellison ist der Sohn von Oracle-Mitgründer Larry Ellison, der enge Verbindungen ins Weiße Haus pflegt.
Auch auf US-Seite formiert sich Widerstand. Nach Informationen von Reuters bereiten mehrere Bundesstaaten, angeführt von Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta, eine Klage gegen die Fusion vor — wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken. Schauspieler, Drehbuchautoren und Kinobetreiber fürchten weniger Filme, weniger Jobs und eine engere Auswahl für die Verbraucher. David Ellison verspricht das Gegenteil: 30 Filme pro Jahr aus dem kombinierten Studio.
Sollte der Deal durch eine gerichtliche Auseinandersetzung verzögert werden, steigen die Kosten schnell. Paramount rechnet ohnehin mit rund 80 Milliarden Dollar Schulden nach Abschluss der Transaktion. Für den Fall, dass die Übernahme nicht vor Oktober vollzogen wird, zahlt das Unternehmen den Warner-Bros-Discovery-Aktionären eine "Ticking Fee" von 25 Cent pro Aktie — rund 650 Millionen Dollar pro Quartal, in bar. Eine tickende Uhr also, die jede Verzögerung in echtes Geld umrechnet.
London hat keine Macht über Hollywood. Aber über Channel 5 und über jede Frequenz, die auf dieser Insel gesendet wird. Das genügt, um ein Geschäft dieser Größe ein zweites Mal auf die Werkbank zu legen — und den Draht ein wenig enger zu ziehen.