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155 Millionen Acres unter dem Huf — BLM schreibt die Weideregeln neu

13. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Washington richtet die Antenne neu aus. Das Bureau of Land Management, eine Behörde des Innenministeriums, hat im Mai einen Entwurf vorgelegt, der die Regeln für die Viehzucht auf öffentlichem Land zum ersten Mal seit 1995 umfassend reformiert. 155 Millionen Acres im Westen der Vereinigten Staaten stehen zur Disposition — eine Fläche doppelt so groß wie der Bundesstaat New Mexico.

Das bestehende System ist fast hundert Jahre alt. Es subventioniert nachweislich eine der reichsten Bevölkerungsgruppen des Landes und richtet gleichzeitig ökologischen Schaden an, der seit Jahrzehnten dokumentiert ist. ProPublica und High Country News hatten im vergangenen Jahr aufgedeckt, dass Überweidung ganze Landstriche verwüstet hat. Zehntausende Quadratmeilen gelten als geschädigt — genug, um jedem Kartographen die Stirn runzeln zu lassen.

Der neue Entwurf geht nun den entgegengesetzten Weg. Statt die Zahl der Tiere auf dem öffentlichen Land zu begrenzen, soll sie ausgeweitet werden. Gleichzeitig zieht die Behörde die Mitsprache der Öffentlichkeit enger. Wer künftig noch Einspruch erheben darf, wann und wie — das wird in den neuen Regelungen strikt limitiert. Viele der bisherigen Verfahrensschritte, in denen Bürger Beobachtungen anmelden und Kommentare abgeben konnten, fallen weg.

Ein BLM-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, bringt es auf den Punkt: „Sie wollen offensichtlich alle Beteiligten ausschließen, die keine Rancher sind."

Die Behörde selbst hat auf Anfragen von ProPublica und High Country News nicht geantwortet. In einer Pressemitteilung im Juni erklärte sie, der Entwurf spiegele „die Priorität der Trump-Administration wider, unnötige regulatorische Belastungen zu reduzieren, produktive Arbeitsflächen zu fördern und lokale Wirtschaften zu stärken."

Die Reform ist nicht ohne Widerspruch. Die Reporter sprachen mit mehreren aktuellen und ehemaligen BLM-Beschäftigten, um die Tragweite des Entwurfs einzuschätzen. Einige von ihnen erkennen durchaus positive Elemente im Papier. So soll künftig die ökologische Wirkung sämtlicher Nutzungsformen auf öffentlichem Land untersucht werden: Holzeinschlag, Freizeitnutzung, Bergbau, Ölbohrungen. Bisher waren solche Umweltprüfungen auf die Viehwirtschaft beschränkt. Das wäre, so die Mitarbeiter, ein Fortschritt — vorausgesetzt, die Prüfungen werden tatsächlich durchgeführt und nicht zur Aktennotiz.

Auch bei geringfügigen Verstößen gegen die Weideregeln soll die Behörde künftig informeller vorgehen können — Konflikte zwischen Ranchern und Aufsehern ließen sich so entschärfen. Veraltete Passagen, die im Widerspruch zu neueren Gerichtsurteilen stehen, sollen bereinigt werden. Und Behörde wie Viehzüchter erhielten mehr Flexibilität, schneller auf lokale ökologische Bedingungen zu reagieren.

Tim Canterbury, Präsident des Public Lands Council — eines Rancher-Verbands —, nannte das Update in einer Pressemitteilung einen „gewaltigen Schritt nach vorn". Die Weide-Lobby zeigt sich zufrieden.

Die Öffentlichkeit hatte in den vergangenen Wochen Gelegenheit zur Stellungnahme. Mitte Juli geht der Entwurf zurück an die Behörde zur weiteren Überprüfung. Was danach kommt, hängt vom politischen Willen ab — und davon, wie viel Aufmerksamkeit eine Öffentlichkeit aufbringt, deren Mitsprache gerade beschnitten werden soll.

Ich lehne mich zurück, lausche dem Rauschen in der Leitung. 155 Millionen Acres. Eine fast hundertjährige Maschinerie. Eine Reform, die mehr Tiere auf das Land lässt und weniger Augen darauf. Die ökologische Prüfung wird ausgeweitet — auf dem Papier. Die Mitsprache wird beschnitten — auf dem Papier.

Am Ende zählt, wer den Stempel drückt. Und das sind diesmal nicht die, die auf dem Land leben.

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