TCS meldet Quartal — KI-Umsatz annualisiert bei 2,6 Milliarden Dollar
Mumbai, späte Funkstunde. Die Drähte aus Bombay tragen Zahlen, die nach Fortschritt klingen. Tata Consultancy Services, Indiens größter IT-Dienstleister, hat die Bücher für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 geöffnet. Das Geschäftsjahr dort beginnt im April — man schreibt das so. Die Botschaft: Die Maschine läuft. Die Frage, die ich immer stelle: Für wen?
Der Nettogewinn stieg um 4,6 Prozent auf 13.349 crore Rupien. Eine crore sind zehn Millionen — das macht etwa 1,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 72.275 crore Rupien, rund 8,6 Milliarden Dollar. Das ist kein Börsenrausch. Das ist ein gleichmäßiger Takt, ein Metronom in einem gut geölten Saal.
Aber die Zahl, die in jeder Depesche vorne steht, ist eine andere. Annualisierter KI-Umsatz: 2,6 Milliarden Dollar. Gewachsen um 13,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. „Annualisiert" heißt: Hochgerechnet auf ein volles Jahr aus dem, was in drei Monaten hereinkam. Künstliche Intelligenz ist bei TCS keine Spielerei mehr, sondern eine eigene Sparte mit eigenem Barometer.
„Wir lieferten einen starken Auftragsbestand von 9,5 Milliarden Dollar, darunter einen prominenten KI-Transformationsauftrag mit SKF", sagt K. Krithivasan, der Vorstandsvorsitzende. SKF — das sind Wälzlager, keine Wolkenkratzer. Wenn die alte Industrie anfängt, ihre Fertigung mit neuronalen Netzen zu verkabeln, dann hat eine Welle die Küste erreicht. Die Maschine verkauft sich nicht mehr an die Maschinenbauer der Zukunft. Sie verkauft sich an die Maschinenbauer von gestern, die nicht untergehen wollen.
Die operative Marge liegt bei 24 Prozent, die Nettomarge bei 19,2 Prozent. Für einen Dienstleister mit einer halben Million Beschäftigter sind das komfortable Polster. Aarthi Subramanian, Präsidentin und COO, spricht von „AI-gestützter effizienter IT-Ops, beschleunigter Software-Entwicklung und Modernisierung, AI-first Prozess-Redesign". Konzernjargon. Übersetzt: Man wird die Belegschaft umstrukturieren, und die KI hilft dabei.
Und hier wird die Frage interessant. TCS hat in diesem Quartal 9.279 Mitarbeiter eingestellt. Klingt nach Wachstum. Die Gesamtbelegschaft steht nun bei 593.798. Vor einem Jahr waren es noch 613.069. Das sind fast zwanzigtausend Köpfe weniger, während der Umsatz wächst. Wer geht, wer geht freiwillig? Die Fluktuationsrate — jene Kennzahl, die misst, wie viele das Unternehmen verlassen — liegt bei 13,6 Prozent. Das ist kein Sklavenmarkt, aber auch kein Garten.
Strategische Partnerschaften mit Anthropic und Mistral tauchen in der Mitteilung auf. Anthropic — amerikanisch, im Bau von Sprachmodellen. Mistral — europäisch, aus Frankreich. TCS bindet sich an die Lieferanten der Rechenmodelle, die ihre KI-Dienste überhaupt erst möglich machen. Das ist Abhängigkeit mit Vertrag. Wer die Modelle kontrolliert, kontrolliert das Werkzeug. Wer das Werkzeug kontrolliert, kontrolliert die Arbeit.
Der Verwaltungsrat hat eine Zwischendividende von 12 Rupien je Aktie beschlossen. Stichtag 15. Juli, Auszahlung 31. Juli. Wer Aktien hält, wird bezahlt. Wer Code schreibt, wird bezahlt — solange er gebraucht wird. Das ist das alte Lied in neuem Takt.
Die KI-Umsätze wachsen schneller als die Gesamterlöse. Das ist das Signal, das aus diesen Zahlen spricht. Die alten IT-Dienste — Wartung, Migration, Beratung — sind das Fundament. Aber das neue Stockwerk darüber gehört den Maschinen, die lernen. Irgendwann, vermute ich, lernen sie auch, sich selbst zu verkaufen. Dann wird die Bilanz anders aussehen.
Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Aus Bombay kommt noch mehr.