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Zwischen zwei Thronsälen fliegt die nächste Beleidigung

13. Juli 2026 — — — Kastner

Man nehme einen Bürgermeister, der London regiert und sich dabei in der beneidenswerten Position befindet, sowohl von der Downing Street als auch vom Weißen Haus gescholten zu werden, und einen Präsidenten, der in der Kunst der persönlichen Abrede jene Geläufigkeit erlangt hat, die andere nur in ihren Muttersprachen erreichen — und man hat jenes Schauspiel, das seit Tagen die Gazetten füllt und das wir, ganz ohne eigene Ermittlung, hier nur aufzeichnen wollen.

Sadiq Khan, Bürgermeister der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, hat den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen sogenannte nativistische Anhängerschaft mit der steigenden Zahl an Morddrohungen gegen seine Person in Verbindung gebracht. Er macht damit, wohlgemerkt, keine Anklage, sondern zieht eine Linie, wie er sagt, zwischen der Rhetorik, die aus Übersee kommt, und dem, was auf seinem Schreibtisch landet — Briefe, Nachrichten, Verwünschungen, deren Zahl zuletzt gestiegen ist. Welche Schlüsse der Leser daraus zieht, überlassen wir ihm; wir notieren lediglich, dass Khan diesen Zusammenhang öffentlich benannt hat und dass die Erklärung, er habe sich damit gegen den mächtigsten Mann der westlichen Welt gestellt, in London wie eine Inszenierung gelesen wurde, in der das Opfer zugleich den Regisseur gibt.

Die Antwort ließ, wie immer in diesen Dingen, nicht auf sich warten. Trump bezeichnete Khan als „grob inkompetent", als „schlechten Menschen" und als „schauderhaften Vertreter" Großbritanniens. Es ist dies eine Diktion, die man inzwischen am Klang erkennt, noch bevor man den Namen des Gemaßregelten vernommen hat — jene Folge von Adjektiven, die nichts behauptet, aber alles in ein Licht taucht, in dem jeder Sachverhalt zur Beleidigung wird. Dass ausgerechnet ein Bürgermeister, der einer Stadt von neun Millionen Menschen vorsteht, als untauglicher Repräsentant eines ganzen Landes herhalten muss, gehört zu jenen kleinen rhetorischen Kühnheiten, die das Handwerk der politischen Beleidigung am Leben halten.

Doch das wäre nur die eine Hälfte der Übung. Denn während Khan in Westminster und Washington die Aufmerksamkeit auf sich zieht, hat die Metropolitan Police, die Londoner Polizeibehörde, angekündigt, rund viertausend Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sogenannten Grooming-Gangs — also systematischer sexueller Ausbeutung Minderjähriger durch bandenmäßig organisierte Tätergruppen — wiederaufzurollen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, da Khan selbst der Vorwurf gemacht wird, das Problem in der Hauptstadt verharmlost oder zumindest nicht in der Schärfe behandelt zu haben, die Kritiker für angemessen halten. Die Polizei, so darf man annehmen, folgt weniger parteipolitischen Erwägungen als dem, was man gemeinhin Aktenführung nennt — und Akten, das wissen wir seit unserer Zeit in Genf, vergessen nichts, auch wenn ihre Aufschläge verstauben.

Was hier vorliegt, ist also keine einfache Fehde, wie sie zwischen Stadtoberhäuptern und Präsidenten gelegentlich vorkommt, sondern ein Knäuel aus drei Fäden: einer persönlichen Drohkulisse, einer rhetorischen Eskalation über den Atlantik hinweg und einer justiziellen Wiederaufnahme, die in das Innere der Stadt hinableuchtet. Khan mag sich als Ziel amerikanischer Polarisierung inszenieren, Trump mag ihn als Symptom eines ihm verhassten Europas brandmarken, und die Metropolitan Police mag ihre viertausend Akten öffnen — alle drei tun es im Licht derselben Kameras, und alle drei wissen, dass das, was sie sagen oder tun, sofort in einen Schnitt eingespielt wird, der die anderen beiden zumindest miterwähnt.

Wir berichten dies, ohne zu werten. Wir halten fest, dass die Metropolitan Police die Wiederaufnahme vorbereitet, dass Khan einen Zusammenhang zwischen Drohungen und einer bestimmten politischen Strömung benannt hat und dass Trump diesen Zusammenhang mit einer Schmähung beantwortet hat, die in der Sache nichts entkräftet und in der Form alles übertrifft. Ob London mit der Wiederaufnahme seiner viertausend Fälle jene Klarheit gewinnt, die man sich von einer Hauptstadt erwartet, ob die Drohungen gegen einen gewählten Bürgermeister nachlassen werden und ob aus dem Wortwechsel über den Atlantik hinweg jemals wieder ein Gespräch werden kann — das alles, meine Damen und Herren, sind die Züge eines Schachspiels, das noch nicht zu Ende ist.

Wir aber legen das Brett, wie es liegt, in die Auslage und treten zurück.

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