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Eine Gitarre gegen die Krone: Springsteen und der kritische Patriot

13. Juli 2026 — — — Kastner

Bruce Springsteen, sechsundsiebzig Jahre alt, Sänger aus New Jersey, hat in einer PBS-Sondersendung unter dem Titel „Bruce Springsteen: Finding America in Song" eine Definition des Patriotismus vorgelegt, die im Weißen Haus nicht verfangen dürfte. „Ich glaube an kritischen Patriotismus", sagte er, „und das ist die Definition eines Patrioten: dass man sein Land so sehr liebt, dass man bereit ist, es ungeschminkt zu betrachten, seine Fehler zu erkennen, es zu einem besseren Ort zu ermutigen und an jenes Land zu glauben, das man im Herzen trägt."

Es ist ein Satz wie aus dem Schulbuch einer Republik, die noch an sich selbst glaubt; vorgetragen von einem Mann, der seit bald einem Jahrzehnt gegen einen Präsidenten singt, der Patriotismus am liebsten als Treueid auf die eigene Person versteht. Wer nicht klatscht, ist Verräter. Wer nicht siegt, gehört weg. Wer widerspricht, ist „total loser", „very boring singer" und, in den Worten des Präsidenten, „a dried up prune who has suffered greatly from the work of a really bad plastic surgeon". So steht es in einem Beitrag auf Truth Social.

Springsteens jüngste Kampfansage trägt den Titel „Streets of Minneapolis". Sie entstand, eigenen Angaben zufolge, in drei Tagen — nach den tödlichen Schüssen auf die US-Bürger Alex Pretti und Renée Good am Rande von Protesten gegen die Einwanderungspolitik der Regierung. Beide waren von Einsatzkräften der Einwanderungsbehörde ICE erschossen worden; in Springsteens Song wird die Behörde als „König Trumps Privatarmee" bezeichnet. Im April dieses Jahres trug der Sänger das Lied bei einer „No Kings"-Großdemonstration in Minneapolis vor Zehntausenden Menschen vor — vor einer Kulisse also, die den Namen des Protests bereits ins Programm geschrieben trug.

Wer Springsteens Weg in diesen Sommer hinein nachzeichnet, zeichnet eine Linie nach, die in Perth, Australien, begann. Am Tag nach der ersten Amtseinführung des Präsidenten hatte er bei einem Konzert gesagt: „We are the new American resistance." 2019, als der damalige Kandidat ihn auf dem Wahlkampfpfad verspottete, sagte er der CBS-Moderatorin Gayle King, es sei „just frightening, you know? We're living in a frightening time". Bereits 2016 hatte er im Wahlkampf für Hillary Clinton gesprochen.

Sein Lied, sagt Springsteen, sei ihm anfangs etwas zu breit geraten. Ein Freund habe ihn zurechtgewiesen. „Nuance is great", habe Tom Morello, Gitarrist von Rage Against the Machine, zu ihm gesagt, „but, sometimes, you gotta kick 'em in the teeth." Es ist ein Satz, der das Handwerk des Protestsongs in seiner reinsten Form benennt — und der erklärt, warum aus einem Arbeiterlied aus New Jersey ein dreitägiger Schlagabtausch mit dem Oval Office werden konnte.

Das Weiße Haus antwortete. Eine Sprecherin verwies Medienberichten zufolge auf die Demonstrationen als Treffen einer kleinen, von linken Netzwerken unterstützten Gruppe ohne Rückhalt in der Bevölkerung. Der Präsident selbst sprach von „Trump Derangement Syndrome", einer nach seiner Darstellung unheilbaren Krankheit, und forderte zum Boykott der Konzerte auf: „MAGA SHOULD BOYCOTT HIS OVERPRICED CONCERTS, WHICH SUCK. SAVE YOUR HARD EARNED MONEY. AMERICA IS BACK!!!"

In Minneapolis, vor zehntausend Kehlen, sang Springsteen sein Land. In Washington las man die Antwort und schrieb sie kleiner, als sie gemeint war. So geht das Spiel zwischen Gitarre und Krone seit bald zehn Jahren; diesmal nur mit dem Unterschied, dass einer der beiden Kontrahenten sechsundsiebzig ist und der andere — und beide, könnte man sagen, wissen, wie man ein Megaphon füllt.

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