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Stablecoins vor Gericht: Wisconsin klagt Circle an

13. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Stellen Sie sich einen Dollarschein vor, der eine eingebaute Registriernummer trägt. Jede Bewegung wird in einem öffentlichen Tagebuch vermerkt — jeder Empfänger, jede Adresse, jeder Cent. Das ist die Grundidee hinter Stablecoins: digitale Dollars, gedeckt an die amerikanische Währung, geführt auf einer Blockchain, einer Art öffentlichem Kassenbuch, das niemand besitzt und niemand fälschen kann. Klingt nach Magie. Ist es nicht. Ist Buchführung mit anderem Werkzeug.

Circle, eine Firma mit Sitz in den Vereinigten Staaten, gibt einen solchen Stablecoin heraus: USDC. Das Unternehmen wirbt für sich als das „neue Gesicht der Finanzen". Derzeit die Nummer zwei unter den stabilen Münzen der Welt, siebzehn Milliarden Dollar Umlaufvolumen, Partnerschaften mit Visa, Mastercard und internationalen Banken. Und das Versprechen an die Öffentlichkeit, mit Polizei und Strafverfolgern zusammenzuarbeiten, wenn Betrüger die Münze benutzen.

Jetzt behauptet ein Bezirksstaatsanwalt in Wisconsin das Gegenteil.

Thomas Binger, Staatsanwalt im Waukesha County im Südosten des Bundesstaates, hat eine Strafanzeige gegen Circle eingereicht. Ein einzelner minderschwerer Vorwurf — und nach Aussage von Karen Greenway, ehemalige FBI-Agentin und Expertin für Finanzkriminalität, ein höchst ungewöhnlicher Schritt. Es komme selten vor, dass ein Bundesstaat eine große Finanzfirma wegen Verweigerung einer gerichtlichen Anordnung anklage.

Was war geschehen? Ein Betrugsopfer in Wisconsin war um Vermögenswerte gebracht worden, die auf eine Adresse in der Circle-Blockchain geflossen waren. Ein Richter ordnete an, diese Mittel einzufrieren und zurückzuholen. Circle weigerte sich. Das Unternehmen nennt drei Gründe: Es fehle die technische Möglichkeit, die Anordnung umzusetzen. Das Gericht in Wisconsin sei nicht zuständig. Und die Staatsanwaltschaft habe sich geweigert, mit Circle über alternative Wege zur Entschädigung des Opfers zu verhandeln. In einer Eingabe an das Gericht nannte Circle die Anklage haltlos und forderte ihre Einstellung.

Übersetzt in meine Sprache: Der Telegraphist hat das Telegram nicht ausgeliefert. Er behauptet, die Leitung sei unterbrochen. Nur dass andere Telegraphisten in derselben Nacht durchaus Telegramme ausgeliefert haben.

Binger formuliert es nüchtern: „Die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, halten nicht Schritt mit den Werkzeugen, die die Kriminellen verwenden." Es sei sehr schwierig geworden, die Täter hinter diesen Transaktionen zu identifizieren und vor Gericht zu bringen. Das ist der Satz eines Mannes, der es täglich versucht.

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