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Zehn Jahre Brexit: 17,4 Millionen, halbe Fabrik

13. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Sunderland. Eine Fabrik, 507.000 Wagen im Jahr 2016, 273.000 im vergangenen Jahr. Das ist die halbe Produktion in einer Dekade. Die Drähte, die ich höre, summen nicht mehr nach Übersee, sondern nach Brüssel, und sie tragen eine Rechnung.

Vor zehn Jahren, am 23. Juni 2016, stimmte das Vereinigte Königreich mit 52 zu 48 Prozent dafür, die Europäische Union zu verlassen. 17,4 Millionen Menschen gaben ihre Stimme für den Austritt ab — mehr, als je zuvor in der Geschichte der britischen Demokratie für eine Sache oder eine Partei gestimmt haben. Die Entscheidung war insofern bemerkenswert, als jede große politische Partei, die meisten Abgeordneten, die Universitäten, die Kirchen, der Industrieverband CBI und der überwiegende Teil der Sender und Zeitungen für den Verbleib war. Sogar der damalige US-Präsident Barack Obama wurde eigens eingeflogen, um vor den Folgen zu warnen.

Das Volk hat die Warnungen ignoriert. Es hat sich gegen die sogenannte Klasse der Bosse durchgesetzt und für sein altes, hart erkämpftes Recht gestimmt, selbst zu entscheiden, wer das eigene Land regiert. So sieht es Boris Johnson, der den Jahrestag als Triumph beschreibt. Die Leute hätten nicht gegen die EU als solche gestimmt, schreibt er, und schon gar nicht gegen andere Mitgliedsländer. Sie hätten lediglich geglaubt, dass das Ziel einer föderalen Europäischen Union nicht das richtige für Großbritannien sei. Wer zehn Jahre später ernsthaft für einen Wiedereintritt werbe, schreibt Johnson, sei nicht ganz bei Trost.

Am 1. Januar 2021 endete die Übergangszeit. Das Vereinigte Königreich trat aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aus. Was folgte, waren zusätzliche nichttarifäre Handelshemmnisse, jahrelange Unsicherheit und die ständige Drohung eines No-Deal-Brexit, der Autoexporte über Nacht mit zehn Prozent Zoll belegt hätte. Das Handels- und Kooperationsabkommen mit der EU konnte das Schlimmste abwenden.

Was eine Fabrik erzählt, weiß ich besser als jede Pressemitteilung. Das Nissan-Werk bei Sunderland war ein Sinnbild des Wahlkampfs. Für die Leave-Seite stand es für die britische Fertigungskraft, die an die ganze Welt verkaufte. Für die Remain-Seite stand es für alles, was verloren gehen könnte. Der damalige Nissan-Chef Carlos Ghosn warnte öffentlich, der Verbleib mache am meisten Sinn für Arbeitsplätze, Handel und Kosten. Die Menschen in Sunderland sahen das anders. Sie stimmten mit 61 zu 39 Prozent für den Austritt.

Die Regierung unter Theresa May konnte öffentlich nicht zugeben, dass Brexit Jobs bei Nissan gefährden würde. Das gab Ghosn eine gewaltige Verhandlungsmasse. In einem Abkommen, dessen Einzelheiten mehr als zwei Jahre geheim blieben, erhielt der japanische Autobauer 61 Millionen Pfund an staatlicher Beihilfe, um ihn zur Investition in neue Modelle zu bewegen. Das Geld floss weiter: Ende 2022 kamen weitere 101 Millionen Pfund hinzu, und aktuell laufen Gespräche über zusätzliche Unterstützung für die neuesten Investitionspläne.

Selbst diese Summen konnten die Jahre der Unsicherheit nicht vollständig ausgleichen. Im Jahr 2016 liefen in Sunderland 507.000 Wagen vom Band, knapp unter dem Rekord von 2012. Im vergangenen Jahr waren es 273.000. Wie viel davon auf Brexit entfällt, lässt sich kaum sauber herausrechnen. Aber Nissan hat intern davor gewarnt, dass der Ausschluss aus den neuesten EU-Regulierungen eine neue "existenzielle Bedrohung" darstellen könnte. Der negative Effekt wurde teilweise überlagert von der Corona-Pandemie, der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und dem Wiederaufstieg eines gewissen Donald, dessen Name in der mir vorliegenden Depesche an dieser Stelle abbricht.

Die Frage, die ich stelle und jeder Technikreporter stellen muss, ist nicht die nach Sieg oder Niederlage. Sie ist: Wer kontrolliert jetzt die Drähte? Wer profitiert von den Subventionen, die an die Fabrik fließen? Und wer zahlt den Preis — der Arbeiter am Band, der Spediteur am Hafen, die kleine Spedition an der schottischen Grenze, die nun drei Formulare mehr ausfüllt als zuvor?

In London sitzt inzwischen eine Labour-Regierung, die Johnson als massiv hochsteuernd, hochausgebend und als Verfolgerin der Vermögensschöpfer beschreibt. Wer in dieser Frage das größere Übel sieht, hängt vom Standort des Senders ab. Die Frequenz, die ich höre, ist die von Sunderland. Sie knistert. Die halbe Produktion ist nicht zurückgekommen, und die Verhandlungen über die nächste Tranche staatlicher Hilfe sind noch nicht abgeschlossen.

Zehn Jahre. Eine Wahl. Eine halbe Fabrik. Eine Rechnung, die noch nicht bezahlt ist.

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