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NATO IN ANKARA: TRUMP FORDERT VOM BÜNDNIS JETZT DIE LOYALITÄT

13. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte zwischen Washington und Brüssel glühen. Beim NATO-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag seinen Unmut über das Verteidigungsbündnis offen ausgesprochen. „Sehr enttäuscht von der NATO", sagte er bei einer Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das 77 Jahre alte Bündnis stehe an einem fragilen Punkt, ausgelöst durch Spannungen über die europäischen Verteidigungsausgaben, den Ukraine-Krieg und die Zukunft Grönlands.

Trump traf am Dienstag in Ankara ein, gemeinsam mit weiteren Staats- und Regierungschefs. Die Hauptsitzung des Gipfels ist für Mittwoch angesetzt. Schon bei seiner Ankunft würdigte er die „Chemie" zwischen ihm und Erdogan und kündigte an, Sanktionen gegen die Türkei aufzuheben und bald über den möglichen Verkauf von F-35-Kampfflugzeugen zu entscheiden. Für die übrigen Bündnispartner hatte er weniger Schmeichelei übrig. „Italien hat uns abgewiesen, und Deutschland hat uns abgewiesen, und Frankreich hat uns abgewiesen", sagte Trump mit Blick auf den Krieg, den die Vereinigten Staaten zusammen mit Israel ohne vorherige Abstimmung mit den NATO-Partnern im Iran begonnen hatten. „Warum geben wir Hunderte Milliarden Dollar aus, wenn sie nicht für uns da sind? Wir sind immer für sie da gewesen."

Es ist eine bemerkenswerte Verschiebung. Noch vor wenigen Monaten lautete die Hauptbeschwerde: Geld. Trump hatte den Verbündeten jahrelang vorgeworfen, zu wenig für Verteidigung auszugeben. Dieser Punkt wurde beim letzten Gipfel in Den Haag weitgehend adressiert. Die Mitglieder verpflichteten sich, 3,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Kernaufgaben auszugeben – Soldaten, Waffen, Munition – und weitere 1,5 Prozent für breitere verteidigungsbezogene Bereiche wie Cybersicherheit. Insgesamt fünf Prozent.

Doch die Rechnung geht bislang nur teilweise auf. Nach aktualisierten NATO-Daten, die vor dem Gipfel veröffentlicht wurden, werden 2026 voraussichtlich nur fünf der 32 Mitgliedstaaten das 3,5-Prozent-Ziel erreichen. Das Geld ist auf dem Papier vorhanden. Was fehlt, ist die Fähigkeit, es in militärische Kapazitäten zu verwandeln. Das ist die eigentliche Diagnose, die jetzt auf dem Tisch liegt. Panzer, Munitionsfabriken, Logistik. Dinge aus Stahl, nicht aus Bilanzposten.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte, seit knapp zwei Jahren im Amt, weiß um diese Lücke. Bei einem Treffen im Weißen Haus im Juni versuchte er, Trump mit einer Zahl zu besänftigen. Er präsentierte ein Diagramm, in goldenen Lettern „The Trump Trillion" überschrieben. Die Tabelle zeigte: 1,2 Billionen US-Dollar an Verteidigungsausgaben von europäischen Verbündeten und Kanada seit 2017. Trump blieb unbeeindruckt. Auf der Pressekonferenz in Ankara wiederholte er seine Enttäuschung.

Die Forderung hat sich verlagert: vom Geld zur Loyalität. Wer steht im Ernstfall hinter wem? Die europäischen Länder blicken mit wachsender Sorge auf eine mögliche russische Aggression. Der Ukraine-Krieg ist zum Lackmustest geworden. Die Türkei wiederum ist NATO-Gründungsmitglied, aber zwischen Ankara und dem Westen gibt es seit Jahren Reibungen – etwa wegen der Türkei-Politik gegenüber Moskau. Dass Trump dennoch nach Ankara kam, hat eine eigene Logik. „Wenn dieser Gipfel nicht in der Türkei stattfinden würde, wo mein Freund zufällig ein sehr starker Anführer ist, eine sehr starke Persönlichkeit, wäre es möglich, dass ich nicht gekommen wäre", sagte er. Die Wertschätzung für Erdogan kommt nicht von ungefähr: Die Türkei hat sich im Iran-Konflikt, anders als Deutschland, Frankreich oder Italien, offen positioniert.

Am Mittwoch beginnt die Hauptsitzung. Auf der Tabelle stehen die alten Streitpunkte – Geld, Fähigkeiten, Russland – und neue: Grönland, auf das Trump wiederholt Ansprüche erhoben hat. Rutte jongliert zwischen Schmeichelei und Schaubildern. Europa zählt seine Milliarden. Die Drähte summen weiter. Und eine Frau in einem kleinen Büro, in dem es nach Lötzinn und kaltem Kaffee riecht, übersetzt, was sie hört.

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