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Englands stille Drähte: Junge Briten verlieren das Vertrauen in morgen

13. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

London, 2026. Auf den Drähten liegt eine Frequenz, die nicht mehr trägt. Das Institut für öffentliche Politikforschung — IPPR — hat eine Meldung durchgegeben, die in den Redaktionen untergegangen wäre, wenn sie nicht so deutlich wäre: Junge Menschen in England hören den eigenen Sender nicht mehr. Sie zweifeln daran, dass ihre Stimme irgendwo ankommt.

Die Zahlen sind das Skelett der Geschichte. Im März saßen mehr als eine Million Sechzehn- bis Vierundzwanzigjährige in England ohne Arbeit, ohne Ausbildung, ohne Schulung. IPPR nennt sie Neets — not in education, employment or training. Ein Akronym wie ein Störsignal. Vor einem Jahr waren es 89.000 weniger. Der Anteil stieg von 12,5 auf 13,5 Prozent.

Kein Randproblem. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 16,2 Prozent — eines der höchsten Werte in Europa. Die Gesamtarbeitslosquote beträgt fünf Prozent. Die jungen Leute tragen mehr als das Dreifache des Durchschnitts. Alan Milburn, ehemaliger Labour-Minister, hat im Auftrag der Regierung einen Bericht vorgelegt, der vor einer „verlorenen Generation" warnt. Wenn nichts geschieht, prognostiziert er bis 2030 einen Anstieg der Neets um 25 Prozent auf 1,25 Millionen.

Die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere sitzt in den Köpfen. IPPR wertete Daten des Office for National Statistics aus. Vor zehn Jahren schätzten zwei Prozent der Sechzehn- bis Einundzwanzigjährigen ihre Chancen auf Erfolg auf zwanzig Prozent oder weniger. Heute sind es sechs Prozent — dreimal so viel. Der Anteil derjenigen, die glauben, mit achtzig Prozent oder mehr lebenslang arbeitslos zu bleiben, hat sich ebenfalls verdreifacht: auf sieben Prozent.

Was sagt das? Der unausgesprochene Pakt ist geplatzt — jener Vertrag zwischen Gesellschaft und jungem Mensch: streng dich an, dann hast du teil. Nur einer von vier Sechzehn- bis Neunundzwanzigjährigen stimmt noch zu, dass jede Person eine faire Chance hat, so weit zu kommen, wie Talent und harte Arbeit es tragen. Bei den Fünfzig- bis Neunundsechzigjährigen sind es 35 Prozent. Bei den über Siebzigjährigen über 40 Prozent.

Ellie Harris, Leiterin des Bereichs Kinder und Jugendliche beim IPPR, formuliert es nüchtern: „Die jungen Leute sagen uns klar, dass das Geschäft nicht mehr aufgeht. Für zu viele wirkt das Versprechen, dass harte Arbeit zu Sicherheit und Chancen führt, nicht mehr glaubwürdig. Das ist nicht einfach eine Krise, die eine kleine Minderheit trifft. Das Vertrauen sinkt in ganz England, in allen sozialen Gruppen, über alle Geschlechter hinweg."

Ich frage mich, wer an dieser Leitung dreht. Wer profitiert von einer Generation, die nicht mehr an Aufstieg glaubt? Wer zahlt den Preis?

Die Antwort steht im Bericht, im Kleingedruckten. Für jede 25 Pfund, die aufgewendet werden, um junge Menschen mit Sozialleistungen zu versorgen, wird nur ein Pfund für Programme ausgegeben, die ihnen helfen sollen, Arbeit zu finden. Das Verhältnis 25 zu 1 ist keine Panne. Das ist eine Entscheidung.

Fast jeder neunte Achtzehn- bis Vierundzwanzigjährige bezieht mittlerweile Leistungen, die ohne Arbeitssuche-Pflicht ausgezahlt werden. Aber — und das wird selten gesagt — 46 Prozent der Neets beziehen gar keine staatlichen Hilfen. Weitere 20 Prozent sind so krank, dass sie ohne jede Arbeitsverpflichtung unterstützt werden. Die meisten werden also nicht vom System ausgehalten. Sie werden vom System übersehen.

Covid hinterließ Narben. Die Schließung der Schulen und das erzwungene Zuhausebleiben während der Pandemie schufen, wie viele vorausgesagt hatten, eine Welle psychischer Erkrankungen. Die jungen Leute, die heute mit zweiundzwanzig auf den Arbeitsmarkt kommen, haben ihre prägende Zeit hinter Bildschirmen verbracht. Das Soziale, das Selbstvertrauen, das in Klassenzimmern, Ausbildungsbetrieben, Nebenjobs entsteht — es fehlt.

Milburn fordert einen System-Reset. Wer dem Markt weiterhin junge Menschen zuführt, ohne ihnen Werkzeuge zu geben, wer Sozialleistungen so gestaltet, dass sie zu Falltüren werden, wer behinderten Jugendlichen signalisiert, dass Arbeit sie ärmer macht — der züchtet keine Arbeitslosen. Der züchtet Resignation.

IPPR weist darauf hin, dass dieser Vertrauensverlust nicht nur sozial schadet, sondern auch wirtschaftlich. Wer nicht mehr an den Aufstieg glaubt, lernt nicht mehr, arbeitet nicht härter, spart nicht mehr. Das ist der Bremsweg einer ganzen Volkswirtschaft.

Manchmal, wenn ich den Kopfhörer abnehme, höre ich nichts mehr. Das ist das Gefühl, das diese Zahlen beschreiben. Ich sitze in meinem Büro, es riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee, und ich übersetze. Die Frequenz, die ich höre, ist kein Funkspruch. Es ist das Rauschen einer jungen Generation, die das Vertrauen in das eigene Signal verloren hat. Der Empfänger ist intakt. Die Nachricht kommt nicht mehr an.

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