Ein Anruf, ein Tanz und das Wort der FIFA
Es beginnt, wie vieles in der amerikanischen Gegenwart, mit einem Anruf. Präsident Donald Trump griff zum Hörer und wählte die Nummer von FIFA-Präsident Gianni Infantino in Zürich. Nicht einmal, sondern mehrfach, wie aus Berichten hervorgeht. Das Anliegen: die Sperre von Folarin Balogun.
Der Stürmer der US-Mannschaft hatte im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina den Knöchel eines Gegners getroffen. Die Unparteiischen werteten die Szene als schweres Foul und stellten den Angreifer mit einer Roten Karte vom Platz; die Folge war eine Sperre für die nächste Partie, das Achtelfinale gegen Belgien. Trainer Mauricio Pochettino nannte das Urteil hart. Balogun selbst hielt eine Gelbe Karte für angemessen. Andere verwiesen auf Tackles, die ohne Platzverweis geblieben waren.
Nach den Anrufen aus Washington reagierte die FIFA. Die Ein-Spiel-Sperre wurde ausgesetzt, Balogun durfte gegen Belgien auflaufen, stattdessen wurde er auf Bewährung gesetzt. Infantino veröffentlichte eine Erklärung. Er bestätigte den Kontakt mit Trump, wie er auch mit anderen "Staatschefs, Regierungsvertretern und Fußballfunktionären aus aller Welt" zu verschiedenen Themen stattfinde. Die Justizorgane der FIFA, so Infantino, seien "unabhängig" und wendeten den Disziplinarcode "auf Grundlage der geltenden Bestimmungen und der konkreten Umstände" an. Die Formulierung liest sich wie eine Pressemitteilung, die man schon einmal gelesen hat: präzise, höflich, endgültig.
Trump äußerte sich anschließend. "Die Leute in Belgien — wenn sie das Spiel gewinnen, können sie sehr stolz sein", sagte er. "Wenn sie das Spiel ohne den Spieler gewonnen hätten, wäre das ein anderes Gefühl gewesen. Das kann man nicht machen, und ich bin sehr froh." Auf die Frage, ob er eine Entscheidung verlangt habe, antwortete er: "Ich habe nur um eine Überprüfung gebeten. Ich habe nicht gesagt: Ihr müsst das tun."
In den sozialen Medien brach eine Debatte aus, die weniger vom Spiel als von der Deutungshoheit handelte. Morgan J. Freeman erklärte, sie habe zuvor "all-in" für die USA gestanden, doch nach Trumps Anruf sei dies nicht mehr möglich: "Fair play over phone-a-friend favors." Brian Krassenstein formulierte: "GO BELGIUM and the rule of law!" Claude Taylor, US-Bürger, kündigte an, für Belgien zu sein, "wahrscheinlich nur ich". Cyrus Janssen sprach von einem "absoluten Präzedenzfall" und einem "beschämenden" Auftritt auf der Weltbühne. Alex Cole schrieb: "FIFA 2026 wird für eine Sache in Erinnerung bleiben. Amerika hat betrogen." Auf der anderen Seite hielt Drew Holden fest: "Niemand zwingt euch, diese Artikel zu schreiben."
Auf belgischer Seite reagierte der Königliche Fußballverband mit einem Wort: "Astonished." Man werde "alle potenziellen Optionen prüfen, um die legitimen Rechte" der Mannschaften zu wahren.
Was folgte, war das Spiel. Belgien gewann das Achtelfinale mit 4:1. Nach dem vierten Tor tanzten die belgischen Spieler den Trump-Tanz, jene Geste, die zum Markenzeichen des Präsidenten geworden ist. "Pretty savage troll, especially on US soil", kommentierte Jon Root. Die ehemalige US-Nationalspielerin Carli Lloyd fand, wie The Daily Caller berichtete, "harte Worte" für die Mannschaft und für Christian Pulisic.
Was bleibt, ist eine Chronik, in der ein roter Karton, ein Telefonat und ein choreografierter Tanz ineinandergriffen. Infantino sprach von Unabhängigkeit. Die belgischen Spieler sprachen mit den Füßen. Die amerikanische Öffentlichkeit sprach in den Hashtags. Das Turnier wird weitergehen, vermutlich mit weiteren Telefonaten, weiteren Erklärungen und weiteren Tänzen.